Was kann ich noch machen?

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Lieschen42
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Was kann ich noch machen?

Beitrag von Lieschen42 »

Hallo,
ich frage mich wirklich, was ich noch machen kann...
Mein Ex-Mann und Vater meiner 3 Kinder kümmert sich kaum um den Jüngesten (fast 11), und das zieht sich von Geburt an so durch.
Seit der Trennung vor 5 Jahren missbraucht er ihn als Machtinstrument.
Der Sohn hat eine wahnsinnige Sehnsucht nach seinem Vater, was er auch immer wieder kund tut. Er fragt mich des Öfteren: „Kann ich zum Papa?“ Meine Standardantwort: „Ruf an und frag ihn, ob er Zeit hat.“ Leider klappt es meistens nicht, so dass er für sich schon Rückschlüsse gezogen hat und sagt, dass sein Vater lieber bei der Xx (seiner Freundin) ist, als mit ihm zusammen zu sein... ich lasse das so nicht stehen und versichere ihm die Liebe seines Vaters, aber langsam habe ich keine Lust mehr dazu.
Mein Ex-Mann will ihn in den Ferien nicht, bzw. war es bisher immer so, dass ich ihn in den Papawochen vor der Arbeit dort hinfahren musste und ihn nach der Arbeit wieder abgeholt habe. Die Umgangszeiten (Freitag nach der Schule bis Samsag Mittag 15 h) gibt es in der Form erst seit Dez. 18 und sind hart erkämpft.
Wir hatten 3 Mediationstermine bei der Erziehungsberatung, die seitens meines Ex-Mannes plötzlich gecancelt wurden.

Das „Highlight“ war jüngst die Rückforderung des Unterhaltes für 4 Tage, an denen ich mich auf Lehrgang befinde und ihn gebeten habe, sich für die Zeit um das Kind zu kümmern.
Habe mehrere Vorschläge gemacht, wie es anders gehen könnte, er hat alles abgelehnt. Entweder ich zahle, oder er nimmt das Kind nicht.

Ich versuche es nun beim Jugendamt, ansonsten weiß ich mir keinen Rat mehr. Für einen Anwalt fehlt mir das Geld, um überhaupt erstmal gerichtliche Beschlüsse zu erwirken.

Habt Ihr noch eine Idee?
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BabyOne
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Re: Was kann ich noch machen?

Beitrag von BabyOne »

Hallo Lieschen,

wenn ich das was Du schilderst richtig verstehe, dann hat Dein Ex-Mann schlicht keine besonders enge Beziehung zu dem Jungen und ist nicht besonders interessiert. Aus Deiner Schilderung sehe ich allerdings nicht, dass er ihn als Machtinstument benutzt, mir scheint eher dass er schlicht desinteressiert ist.

Für das Kind ist das natürlich bitter und schmerzhaft. Ich meine, dass es trotzdem nicht richtig ist, wenn Du als Mutter ihm nette Dinge über den Vater erzählst ("er hat Dich lieb") wenn das Verhalten etwas ganz anderes aussagt. Ich meine damit nicht dass Du Deinem Sohn sagen sollst dass er seinem Vater egal ist, aber ich glaube es bringt erstens nichts ihm etwas vorzumachen und es ist zweitens auch nicht gut wenn man seiner eigenen Wahrnehmung - die ja richtig ist - widerspricht und ihm damit sagt, dass er die Situation falsch einschätzt. Wenn Dein Sohn so etwas sagt wie "seine Freundin ist ihm wichtiger als ich", dann könntest Du dazu auch einfach sagen, dass Du es auch nicht recht verstehst und dass es Dir leid tut. Tröste ihn, unterstütze ihn, aber versuch nicht den Vater irgendwie zu rechtfertigen. Wenn er auf den Vater sauer ist deswegen oder wenn er traurig ist, dann ist das sein gutes Recht und diese Gefühle sollte man auch ernst nehmen und nicht wegwischen mit einem "in Wirklichkeit ist das gar nicht so wie es aussieht". Sonst bekommt er nachher das Gefühl, dass mit seiner Wahrnehmung etwas nicht stimmt oder dass Du nicht auf seiner Seite bist.
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Lieschen42
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Re: Was kann ich noch machen?

Beitrag von Lieschen42 »

Hallo Babyone,
vielen Dank für deine Antwort. Auf den Gedanken, dass ich meinem Sohn keinen Gefallen tue, wenn ich quasi für seinen Vater einspringe, um ihm dessen Liebe zu versichern, bin ich noch gar nicht gekommen :shock: Deine Worte ergeben aber durchaus Sinn. Ich sage ihm, dass ich das Verhalten seines Vaters nicht verstehe. Allerdings kam ich mir bis dato schlecht vor, da ich das Gefühl hatte, den Vater damit schlecht zu machen.
Als mir mein Sohn vor ein paar Tagen sagte, dass er gar nicht mehr wüsste, ob sein Papa ihn noch lieb habe, wusste ich mir keinen anderen Rat als zu sagen: „Wenn du dir nicht sicher bist, dann frage ihn doch einfach mal.“
Das er ihn als „Machtinstrument“ benutzt, ist vielleicht tatsächlich zu hart ausgedrückt.
Allerdings ist es meiner Meinung nach nicht nur reines Desinteresse, wie er sich verhält.
Dass es erst nach 5 Jahren Trennung einen Vorstoß zur geregelten Ferienbetreuung gibt, war meinerseits harte Arbeit, und das letztendlich nur durch die Mediation möglich, die jetzt wort- und grußlos von meinem Exmann abgebrochen wurde.
Es sind so viele Beispiele, die hier den Rahmen sprengen würden. Es geht hier leider sehr viel um Macht, um Kontrolle, habe immer noch das Gefühl, beobachtet zu werden, es wird auch hinterher geschnüffelt. Man könnte denken, das wäre rum, aber Fehlanzeige. Er sagt wortwörtlich, wenn es darum geht, dass ich eine ganz bestimmte Ferienwoche kinderfrei haben möchte: „Das mache ich für dich nicht.“ und nimmt ihn gar nicht. Er weiß, dass mir diese Woche wichtig ist, da ich gerne zu einer Veranstaltung möchte, die nur dann statt findet. Usw. Es gibt wie gesagt endlose Beispiele.

Ich möchte einen geregelten Umgang, mit dem mein Sohn zufrieden ist, geregelte (hälftige) Ferienzeiten und Feiertagsregelungen. Ich möchte, dass es fair aufgeteilt ist. Mein Sohn möchte mehr Papa. Warum ist es ihm wichtiger, mir das Leben schwer zu machen, als für seinen Sohn da zu sein, wie er es immer behauptet?
Kann ich das meinem Sohn wirklich nicht ersparen? Ich habe ja immer noch die Phantasie, dass es sich regeln lassen könnte, wenn ich nur die richtigen Mittel hätte... ;(
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BabyOne
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Re: Was kann ich noch machen?

Beitrag von BabyOne »

Hallo Lieschen,

wir können unsere Kinder nur bedingt vor unseren eigenen Fehlern als Eltern schützen. Du kannst Deinem Sohn ein stabiles, liebevolles Zuhause geben und viel ausgleichen, aber Du kannst nicht den Vater dazu bringen, ihn mehr zu lieben als er tut. So gesehen kannst Du Deinem Sohn die bittere Erkenntnis nicht ersparen, dass sein Vater eben kein toller Muster-Papa ist, sondern ein eher desinteressierter Stoffel.

Ich finde Du hast es gut gemacht als Du Deinem Sohn gesagt hast, dass er seinen Vater mal fragen soll. Wenn er ihn wirklich fragt, besteht immerhin die Chance dass der Vater mal bemerkt, dass er sein Verhältnis zu seinem Sohn auf Dauer kaputt macht, wenn er so weiter macht. Vielleicht weckt ihn das etwas auf. Denn bisher scheint es ja mehr um einen Machtkampf mit Dir zu gehen.

Ich habe Dich so verstanden, dass Du jetzt fünf Jahre dafür gekämpft hast, dass Dein Ex-Mann sich regelmäßig um Euren Sohn kümmert, aber dass das nicht so klappt wie Du und Dein Sohn es gerne hätten.

Hast Du schon einmal überlegt wie es wäre, wenn Du einfach loslassen würdest? Nichts verlangen, nicht kämpfen, sondern Dich selber organisieren, so dass Du von seiner Hilfe nicht abhängig bist? Es wird doch hoffentlich noch andere Menschen geben wie Großeltern, Freundinnen oder Eltern von Schulfreunden, die Deinen Sohn notfalls mal in der einen Woche betreuen können, damit Du das tun kannst was Dir so wichtig ist. Dann brauchst Du Dich nicht über Deinen Exmann zu ärgern und kannst das tun was Dir wichtig ist. Und er sieht, dass er Dich nicht mit seiner Verweigerung treffen kann, weil Du ja sowieso das machst was Du willst.

(Ich weiss, dass das für eine allein erziehende Mutter viel verlangt ist. Aber im Endeffekt bist ja sowieso Du diejenige, die sich kümmern und alles organisieren muss. Wenn der Vater nicht zuverlässig ist, dann muss man halt notfalls ohne ihn planen. Also zum Beispiel: Anfang des Jahres kann man ihn darüber informieren wann Ferien sind und ihm eine Frist setzen bis wann er mitteilen soll wann er den Jungen nimmt. Er soll ja seine Chance bekommen und nicht hinterher sagen, Du würdest ihm das Kind entfremden. Will er sich dann aber nicht festlegen, dann würde ich das eben als ein Nein werten und ohne ihn planen.)

Denn so lange ihr in diesem Machtkampf seid, wo er extra den Sohn nicht nimmt um Dich zu ärgern, ist das Resultat letztlich, dass er sich wenig um den Jungen kümmern wird. Wenn es Dir egal sein könnte und Du nichts mehr von ihm wollen würdest - vielleicht würde er sich dann mehr um den Jungen kümmern, weil es dann nicht mehr um Dich ginge?
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Re: Was kann ich noch machen?

Beitrag von Flakes »

BabyOne hat geschrieben: 15.02.2019 22:18 Hallo Lieschen,

wir können unsere Kinder nur bedingt vor unseren eigenen Fehlern als Eltern schützen. Du kannst Deinem Sohn ein stabiles, liebevolles Zuhause geben und viel ausgleichen, aber Du kannst nicht den Vater dazu bringen, ihn mehr zu lieben als er tut. So gesehen kannst Du Deinem Sohn die bittere Erkenntnis nicht ersparen, dass sein Vater eben kein toller Muster-Papa ist, sondern ein eher desinteressierter Stoffel.

Ich finde Du hast es gut gemacht als Du Deinem Sohn gesagt hast, dass er seinen Vater mal fragen soll. Wenn er ihn wirklich fragt, besteht immerhin die Chance dass der Vater mal bemerkt, dass er sein Verhältnis zu seinem Sohn auf Dauer kaputt macht, wenn er so weiter macht. Vielleicht weckt ihn das etwas auf. Denn bisher scheint es ja mehr um einen Machtkampf mit Dir zu gehen.

Ich habe Dich so verstanden, dass Du jetzt fünf Jahre dafür gekämpft hast, dass Dein Ex-Mann sich regelmäßig um Euren Sohn kümmert, aber dass das nicht so klappt wie Du und Dein Sohn es gerne hätten.

Hast Du schon einmal überlegt wie es wäre, wenn Du einfach loslassen würdest? Nichts verlangen, nicht kämpfen, sondern Dich selber organisieren, so dass Du von seiner Hilfe nicht abhängig bist? Es wird doch hoffentlich noch andere Menschen geben wie Großeltern, Freundinnen oder Eltern von Schulfreunden, die Deinen Sohn notfalls mal in der einen Woche betreuen können, damit Du das tun kannst was Dir so wichtig ist. Dann brauchst Du Dich nicht über Deinen Exmann zu ärgern und kannst das tun was Dir wichtig ist. Und er sieht, dass er Dich nicht mit seiner Verweigerung treffen kann, weil Du ja sowieso das machst was Du willst.

(Ich weiss, dass das für eine allein erziehende Mutter viel verlangt ist. Aber im Endeffekt bist ja sowieso Du diejenige, die sich kümmern und alles organisieren muss. Wenn der Vater nicht zuverlässig ist, dann muss man halt notfalls ohne ihn planen. Also zum Beispiel: Anfang des Jahres kann man ihn darüber informieren wann Ferien sind und ihm eine Frist setzen bis wann er mitteilen soll wann er den Jungen nimmt. Er soll ja seine Chance bekommen und nicht hinterher sagen, Du würdest ihm das Kind entfremden. Will er sich dann aber nicht festlegen, dann würde ich das eben als ein Nein werten und ohne ihn planen.)

Denn so lange ihr in diesem Machtkampf seid, wo er extra den Sohn nicht nimmt um Dich zu ärgern, ist das Resultat letztlich, dass er sich wenig um den Jungen kümmern wird. Wenn es Dir egal sein könnte und Du nichts mehr von ihm wollen würdest - vielleicht würde er sich dann mehr um den Jungen kümmern, weil es dann nicht mehr um Dich ginge?
Ja leider ist es so, dass wir auch unseren Kindern schmerzhafte Erfahrungen nicht ersparen können und nur von unserer Seite aus alles Möglich versuchen, um ihre Wunden schneller heilen zu lassen, in Form von viel Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit.
Dornenvogel
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Re: Was kann ich noch machen?

Beitrag von Dornenvogel »

hallo Lieschen,

ich kann mich baby ones Worten nur anschliessen.
Ich war leider vor 20 Jahren in der selben Situation wie du. Der Vater boykottierte jegliche Besuchsregelung, wollte die Tochter, wenn wir wegfahren wollten( dann reklamierte er beim Jugenamt, ich gebe ihm sein Kind nicht) aber wollte sie nicht, wenn ich etwas vor hatte ( dann sagte er zur damals 5 jährigen, dass die Mama sie ja nur los sein will)
viele Jahre habe ich mich aufgerieben mit einer Besuchsregelung, die trotz Beistanesd nicht funktionierte. Ich könnte Bücher füllen, was damals alles vorgefallen ist.
Auch ich versuchte immer zu relativieren, zu beschwichtigen, zu vermitteln....ohne Chance. Meine Tochter war nur ein Instrument in den Händen meines Ex.
Ich habe bewusst den Vater nie schlecht geredet, es reichte, wenn er es tat. Ich sagte der Kleinen jeweils nur, es gäbe halt unterschiedliche Meinungen und der Papa sieht es halt so und so...
Irgendwann verlor der Vater komplett das Interesse an seinem Kind, nämlich dann, als sie nicht mehr als "Waffe" gegen mich einsetzbar war.
Meine Tochter ist unterdessen knapp 25 und hat seit 13 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater. Es war schmerzhaft für sie, aber sie sagte mir mehr als einmal, dass sie sehr froh sei, dass ich nie den Vater schlecht geredet habe, ihr aber auch nie eingeredet habe, dass der Papa sie liebe. Offenbar empfand sie die Situation an den Besuchswochenenden bereits als Kind sehr belastend und hatte auch Angst vor ihrem teilweise gewalttätigen Vater. Aber sie hat NIE etwas gesagt, denn sie wollte auch mich schützen.
Ich denke, du solltest Besuchsrecht nicht erzwingen. Auch wenn man sich als alleinerziehende und berufstätige Mutter oft so sehr nach ein paar entspannenden freien Stunden sehnt. Vielleicht gibt es in deinem Umfeld andere liebe Personen; Grosseltern, Paten, Freunde..die deinem Sohn gern ein paar schöne Stunden widmen und dir damit auch ein wenig Luft verschaffen.
Dein Sohn wird über kurz oder lang eh verstehen, dass sein leiblicher Vater kein grosses Interesse an ihm hat. Das ist sehr schmerzlich für das Kind und wird es über Jahre belasten. Aber du darfst ihm unbedingt seine eigene Meinung dazu zugestehen, ihm zuhören und völlig wertfrei zeigen, dass es in jedem Fall für dich in Ordnung ist, wie auch immer er die Beziehung zu seinem Vater gestalten will.
alles Gute!
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