überfordert mit meiner Ersatzmama-Rolle

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LaLeLu000
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überfordert mit meiner Ersatzmama-Rolle

Beitrag von LaLeLu000 » 06.02.2018 13:48

Hallo,

Ich würde mich hier gerne ein bisschen austauschen. Ich kämpfe nämlich leider sehr mit meiner Rolle als "Ersatzmama". Ich war mit meinem Mann 10 Jahre verheiratet. Gemeinsam haben wir zwei Kinder (10 und 9). Dann vor 4 Jahren folgte die Scheidung. Kontakt brach nie ab und es stellte sich schnell heraus, dass wir doch gemeinsam neu starten wollten. Vor zwei Jahren haben wir es gewagt - allerdings wollte ich es langsam angehen, weil mein Mann um das Sorgerecht für sein aus einer kurzen Affäre entstandenes Kind kämpfte und ich nicht wusste, wie das für mich werden würde. Vor einem jshr wurde das Kind der Mutter abgenommen und meinem mann die alleininge obsorge übertragen. Kontakt zur Mutter gibt es gar keinen. Wir wissen auch gar nicht wo sie ist.

Mein Mann hat zu der Zeit mehr oder weniger bei uns gelebt und ist dann auch mit Kind bei uns geblieben (gegen meinen wunsch, ich wollte jedenfalls getrennte wohnsitze). Natürlich war alles damals eine ausnahmesituation. Wir sind beide Vollzeit berufstätig und mein Mann im schichtdienst und der kleine hatte keinen kindergartenplatz. Er hat sich zerrissen und ich habe mich zwangsläufig auch zerrissen. Der Kleine ist ein total liebes Kind und sieht mich als seine Mama.

Ich fühle mich so extrem schlecht weil ich mich nicht wirklich in diese Rolle einfügen kann. Ich mache meinem Mann Vorwürfe weil er mich durch seinen Einzug in diese Rolle gedrängt hat und ich Ärger mich über die Oma, die meinem Mann die Betreuung zu den dienstzeiten meines Mannes zugesagt hat und dies nun als meine Aufgabe sieht. Und ich Ärger mich über mich selbst, weil ich mich ärgere statt versuche die Situation wie sie ist zu akzeptieren. Es kommt mir nur einfach alles so anstrengend vor. Unsere Töchter sind schon so groß und selbstständig. Und jetzt starten wir wieder bei 0. Mein Mann übernimmt zwar fast alles wenn er da Ist, aber 1. Ist er ja nicht immer da, 2. Leben wir ja alle zusammen, da kann man sich ka gar nicht abgrenzen und 3. Hat der kleine ja eigentlich keine andere Mama als mich :/

Gibt es jemanden in einer ähnlichen Situation, der mir ein bisschen mut machen kann bzw sagen kann wie lange man braucht bis man seine Rolle wirklich einnehmen kann?

Sorry für allfällige typos oder Rechtschreibfehler, aber schreibe vom Handy..

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Ria
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Re: überfordert mit meiner Ersatzmama-Rolle

Beitrag von Ria » 15.02.2018 15:33

Hallo LaLeLu und herzlich willkommen in unserem Forum!

Nun wartest du schon über eine Woche auf Antwort, obwohl schon über 100 (!) Benutzerinnen dein Thema gelesen haben.
Dies deutet wohl darauf hin, dass du kein einfaches oder alltägliches Problem geschildert hast. Aber das sind unsere Patchwork-Themen eigentlich nie ;-)

Was mir auffällt bei deiner Schilderung ist, dass du dich als Opfer siehst. Und so findest du keine Lösung.
Und gleichzeitig schreibst du auch
Ich fühle mich so extrem schlecht weil ich mich nicht wirklich in diese Rolle einfügen kann.
Heisst das denn, dass du das willst?
Wenn du schreibst
Mein Mann übernimmt zwar fast alles wenn er da Ist,
dann scheint es schon, dass er es dir im Moment nicht recht machen kann. Und das Kind lässt sich ja auch nicht wegzaubern, das ist jetzt einfach Realität, dass es da ist. Und dein Mann erfüllt seine Vaterrolle sehr gut.

Die EINZIGE, die etwas an deinem Gemütszustand ändern kann, bist DU!
Bis jetzt hast du vieles mitgemacht mit der Haltung, dass du das eigentlich nicht willst. Und damit machst du es dir selber noch schwerer als nötig.

Mir scheint wieder einmal, dass da durch eine Patchworksituation - wie bei vielen anderen von uns auch - gnadenlos Seiten von uns ans Licht gebracht werden, für die es an der Zeit ist, dass wir uns weiterentwickeln.
Bei dir sehe ich dieses Potenzial in der Möglichkeit zu lernen, die Verantwortung für dich und deine Gefühle zu übernehmen.
Denn deine Gefühle sind deine eigene Schöpfung. Sie entwickeln sich aus den Bewertungen, die du den Situationen gibst.

Wenn die Beziehung zu deinem Mann Zukunft haben soll, braucht es euch beide, die bereit sind, ihr Bestes zu geben und gemeinsam am selben Strick (und in die selbe Richtung!) zu ziehen.
Vielleicht gibt es noch alte Vorwürfe gegen deinen Mann, die dir dazu noch im Weg stehen. Da würde es sich lohnen hinzuschauen und die aufzulösen. Denn alles, was du ihm nachträgst, macht dir das Leben schwer.
Wenn du diesen Weg gehen, und ihm verzeihen und deine Verantwortung für dein eigenes Leben übernehmen kannst, ist es eine Frage deiner Entscheidung, ob du dich in diese Rolle fügen willst. Und dann musst du dich von deinen Gefühlen nicht mehr terrorisieren lassen.
Und dann findet ihr auch Lösungen für die Kinderbetreuung, die ihr ja sowieso braucht, wenn ihr beide vollzeit arbeitstätig seid, oder?
Aber solange du deinem Mann gegenüber im Vorwurf bist, ist das Finden der Lösungen fast unmöglich.

Ich befürchte, was ich geschrieben habe ist nicht unbedingt das, was du dir erhofft hast, aber ich habe in meinem eigenen Leben die Erfahrung gemacht, dass diese Weiterentwicklung - ich nenne es sogar "erwachsen werden" - neue Möglichkeiten als Paar und als Familie eröffnet und kann es nur wärmstens empfehlen.
Seit 21 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
http://www.coacheria.ch

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