Ein Beispiel

Austausch zu psychologischen Theorien
Babell
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Beitrag von Babell » 10.07.2012 11:37

Hallo carlotta

Bevor ich weiterlese, will ich dieses Zitat in meine Antwort kopieren:
Sie braucht nun jemanden zum Reden und Frust ablassen. Meine Kinder vertragen das gar nicht: immer dieses negative Gerede über DIE Männer im allgemeinen und ihren Ex im besonderen.
Ich mag sowas überhaupt nicht! Ich verstehe deine Kinder absolut!


Ich hab jetzt alles durchgelesen.

Es geht ja eigentlich vorallem drum, dass sich in Eurer Freundschaft etwas verändert hat und dass du hier deine Grenzen aufzeigen musst, aber Angst hast, dass dieses Aufzeigen deiner Grenzen die Beziehung gefährden könnte.

Und das Zweite sind die Kinder deiner Freundin, die für dich ganz nahe sind und für die du eine Art Verantwortungsgefühl entwickelt hast.

Als ich ihr einmal gesagt habe, sie müsse sich mehr kümmern, auch um die schulischen Leistungen, erwiderte sie nur: und wer kümmert sich um mich??

Für uns ist eine solche Aussage unverständlich, aber genau damit drückt sie m.E. ihre Bedürftigkeit aus. Die Frau ist am Limit und braucht dringend externe Hilfe. Wer wenn nicht du, kann sie davon überzeugen. Eine enge Freundschaft wie eure wird das überleben. Ich könnte mir vorstellen, dass sie von dir einiges annimmt.
Vielleicht kannst du sie auf diesem Wege erreichen. Indem du ihr dein Mitgefühl ausdrückst, ihr zeigst, dass sie es bestimmt schwierig hatte, ganz alleine mit Zwillingen (und das ist ja sehr schwierig!!!) und dann ganz sachte darauf hin arbeitest, dass es heute ja anders ist/ sein könnte?

Schwierig. Wahrscheinlich hast du das ja bereits gemacht.

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Beitrag von carlotta37 » 10.07.2012 17:03

Babell, eigentlich war es für mich wirklich nur ein Beispiel, das zeigt, wie verwickelt und kompliziert solche Geschichten sein können.

In den letzten Tagen spüre ich aber, dass es mich immer mehr direkt betrifft.
Ich hab keine Ahnung, ob ich damit umgehen kann. Das Problem ist ein wenig, wenn ich mich mitfühlend äussere, wird mir noch mehr Verantwortung übertragen, und zwar weit mehr als ich tragen kann. Ich hab ja auch drei Kinder, einen Job etc.. Wenn ich mich dann abgrenze, wird das nicht verstanden. Da heisst es dann nur: Lehrer haben doch dauernd Ferien, du hast es gut, stell dich nicht so an.

Ich versuche, ein Gleichgewicht zu finden, schon wegen der Kinder und in der Hoffnung, dass wieder bessere Zeiten kommen.
Was ich allerdings weiss: es gibt Menschen, die möchte man nicht zum Feind haben und sie gehört dazu. Ich habe gesehen, wie extrem ihre menschlichen Beziehungen sind, da gibt es keine Grauzonen. Wer es sich mit ihr verdirbt, der wundert sich dann, wie hemmungslos ein Mensch einen anderen bekämpfen kann...
Die letzten 10 Jahre war ich davon ausgenommen: ich war der einzige Mensch, zu der die Freundschaft stabil war, der einzige Mensch, der ihr auch unangenehme Dinge sagen konnte, sie kritisieren. Ich befürchte fast, dass sich das geändert hat. Grund auf ihrer Seite sind wahrscheinlich: eigene Unzufriedenheit und enttäuschte Erwartungen in mich...

Buchenholz
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Beitrag von Buchenholz » 10.07.2012 19:10

carlotta37 hat geschrieben:Was ich allerdings weiss: es gibt Menschen, die möchte man nicht zum Feind haben und sie gehört dazu. Ich habe gesehen, wie extrem ihre menschlichen Beziehungen sind, da gibt es keine Grauzonen. Wer es sich mit ihr verdirbt, der wundert sich dann, wie hemmungslos ein Mensch einen anderen bekämpfen kann...
Da kommt mir noch ein Buch in Sinn. "Ich hasse dich, verlass mich nicht".

Stell dir vor, du bist mit so einem Menschen verheiratet und möchtest dich von ihm trennen. Und hast gemeinsame Kinder. Da gibts nur zwei Möglichkeiten: Du bleibst und wirst in dieser Beziehung zu Grunde gehen oder du gehst und lebst fortan in der Hölle.

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Beitrag von val » 10.07.2012 20:53

Keine einfache Situation für Dich, Carlotta. Je mehr Du schreibst umso unheimlicher wird mir die Geschichte.

Was mir spontan durch den Kopf ging: Wäre es eine Idee, ihr vorzuschlagen, dass Du alleine mit allen Kindern in den Urlaub fährst und sie die Zeit für sich selber nutzt, eine Auszeit nimmt, vielleicht eine Kur macht?

Du lässt sie so nicht fallen (denn du kümmerst Dich um ihre Kinder), klopfst aber insoferm mal auf den Busch, dass Du klar signalisierst, dass es für Dich schwierig wird, mit ihr zusammen zu sein. Dass sie dringend für sich etwas machen muss, denn die Situation wird zunehmend unerträglich. Dass Du dir Sorgen um sie machst und nicht möchtest, dass Eure Freundschaft zerbricht. Dass diese negativ-Spirale ein Ende finden muss.

So wie Du schreibst, wäre es für die Kinder und dich fast einfacher, ohne sie in den Urlaub zu fahren und Du kämst mit allen alleine wohl gut klar.

Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass auf bessere Zeiten hoffen meistens nur die Leidensfähigkeit erhöht, welche eh schon am Limit ist. Das kann nicht das Ziel sein.

Liebe Grüsse Val
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Delphia
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Beitrag von Delphia » 11.07.2012 07:03

Hallo Carlotta

Ich habe die Geschichte durchgelesen und ich möchte auch dazu Stellung beziehen.

Hut ab wie Du Dich um Deine Freundin kümmerst. Dass Du ihre Geschichte hier geschildert hast, bedeutet für mich, dass es Dich belastet. Andererseits kann diese Geschichte als Beispiel für andere dienen. Auch aus den Problemen der anderen lerne ich etwas.

Das Buch, das Buchenholz erwähnt hat, habe ich auch gelesen. Das Verhalten Deiner Freundin zeigt gewisse Ähnlichkeiten mit Personen, die an einer Borderline leiden, auf. Dies ist eine Persönlichkeitsstörung. Es kann hier keine Diagnose gestellt werden und zudem haben viele Menschen gewisse Verhaltensmuster, die auf eine Borderlinestörung hinweisen könnten. Dies kann aber durchaus völlig normal sein. Situationen im Leben sind manchmal herausfordernd und deswegen kann niemand gleich als Borderliner bezeichnet werden.

Für die Angehörigen oder Freunden ist die Situation sehr schwierig. Borderliner brauchen Grenzen. Damit meine ich nicht, dass Du Deiner Freundin Grenzen setzen musst. Aber Deine eigenen Grenzen musst Du klar zeigen. Nicht durch die Blume, das wird dann missverstanden. Borderliner brauchen authentische Menschen um sich. Sie fühlen sofort, ob Du es ehrlich meinst oder ob Du allenfalls etwas anderes sagen willst. Die Wortwahl ist schwierig... Wie sage ich es, ohne zu werten und zu verletzen... und ohne mich dabei zu "verlieren"...

Falls es Dir hilft, kannst Du Dich dort ein bisschen schlau machen:
www.trialog-winterthur.ch.
Sie bieten Seminare an, die sehr beliebt sind.

Viel Glück!
Delphia
___________________________________
Probleme? nein! Herausforderungen: ja :-), manchmal aber völlig hoffnungslos...

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Beitrag von carlotta37 » 11.07.2012 11:47

val, das wäre eine gute Idee, aber leider etwas spät...wir fahren schon Ende nächster Woche...Und sie mag die Berge auch, will mit Sicherheit mit uns kommen und freut sich drauf!

Delphia, sie war mal in Therapie und da wurde eine leichte Form der Borderline-Störung als Diagnose genannt. Allerdings bin ich ja aher skeptisch. Heute hat alles einen Namen....und vieles, das einfach eine Veranlagung ist, wie sie jeder Mensch auf seine individuelle Art eben hat, wird zur psychischen Erkrankung. Das finde ich nicht gut! Und man muss vor allem aufpassen, dass man Menschen dann nicht auf diese Diagnose reduziert.

Andererseits sehe ich natürlich die entsprechenden Eigenschaften auch. Und die Veranlagung zu Depressionen, die wirklich sehr deutlich ist (sie nimmt permament Medikamente).
Du hast Recht, es belastet mich zunehmend. Aber ich bin nicht ganz so uneigennützig, wie es vielleicht scheint: ich KANN mich gar nicht wirklich kümmern, dazu bin ich selber zu eingebunden. Und ich bin auch nicht bereit, mein Leben nach ihr zu richten!
Ein wenig war das meine Sorge vor ihrem Umzug hier an meinen Wohnort und ich habe ihr damals deutlich gesagt, dass iich ihr gern helfe, aber hier ein eigenes Leben mit vielen Verpflichtungen habe und sie auch selbständig sein muss. Offenbar ist die Botschaft nicht angekommen. Jedenfalls erwartet sie von mir sehr viel mehr Hilfe als ich geben kann....

Mich abzugrenzen, ohne sie zurückzuweisen, das finde ich schwierig!

Wenigstens bietet der Urlaub Gelegenheit zu ruhigen Gesprächen, ich hoffe doch, wir können da mal einiges wieder gerade rücken! Sie hängt an der Freundschaft auch und ich habe momentan den Eindruck, wir sind beide verunsichert.

Grund für diese Geschichte hier war aber tatsächlich, dass ich - ohne jemanden zu verurteilen oder zu bewerten - einfach schildern wollte, wie schwierige Veranlagungen und/oder Lebenssituationen dazu führen können, dass es nie Ruhe gibt für die Kinder geschiedener Eltern. Und dass sehr oft beide Seiten etwas damit zu tun haben..

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Beitrag von Babell » 12.07.2012 08:40

carlotta37 hat geschrieben: Grund für diese Geschichte hier war aber tatsächlich, dass ich - ohne jemanden zu verurteilen oder zu bewerten - einfach schildern wollte, wie schwierige Veranlagungen und/oder Lebenssituationen dazu führen können, dass es nie Ruhe gibt für die Kinder geschiedener Eltern. Und dass sehr oft beide Seiten etwas damit zu tun haben..
Und das hast du mit dem eingangs geschriebenen Text super hingebracht! :jap: :gitarre: :respekt:



P.s. :fo40: Delphia: ich hab auch viele Smilies hingetan! ;-)

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Beitrag von mira » 12.07.2012 12:45

Babell hat geschrieben:
carlotta37 hat geschrieben:Grund für diese Geschichte hier war aber tatsächlich, dass ich - ohne jemanden zu verurteilen oder zu bewerten - einfach schildern wollte, wie schwierige Veranlagungen und/oder Lebenssituationen dazu führen können, dass es nie Ruhe gibt für die Kinder geschiedener Eltern. Und dass sehr oft beide Seiten etwas damit zu tun haben..
Und das hast du mit dem eingangs geschriebenen Text super hingebracht!
Finde ich auch!

Aber was ich zudem noch spannend finde, der Thread hat eine ganz andere Richtung eingeschlagen und ein neues Thema hervorgebracht. Nämlich die Frage nach dem Einfluss auf Freunde, Bekannte und Verwandte.
Das wird nur wenig diskutiert. Carlotta leidet offensichtlich sehr unter dieser Situation, und ihre Freundschaft wackelt wegen einer Angelegenheit, für die sie gar nichts kann.
Meine Schwiegereltern leiden unter der Situation bei uns, weil zwei ihrer Söhne nicht mehr miteinander reden. Das nur, weil mein Partner und seine Exfrau es nicht geschafft haben, sich nach der Trennung/Scheidung einigermassen erwachsen zu begegnen. Einer der Brüder meines Partners hat sich voll auf die Seite der Exfrau gestellt.

Als sich Freunde von meiner Mutter trennten, hat der Mann sie nächtelang mit seinen Anrufen und Klagen über seine Exfrau belastet. Die Frau hat sich über ihn beklagt.
Meine Mutter stand, wie Carlotta, dazwischen und sah bei beiden Fehler, hatte aber auch für beide Verständnis.

Das habe ich mir vorher nie so überlegt. Aber was tun wir mit unserem Verhalten auch anderen Menschen an, die uns nahe stehen? Nicht nur den Kindern.

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Beitrag von Babell » 14.07.2012 13:10

mira hat geschrieben: Das habe ich mir vorher nie so überlegt. Aber was tun wir mit unserem Verhalten auch anderen Menschen an, die uns nahe stehen? Nicht nur den Kindern.
Ich mir auch nicht. Ist eine gute Frage!

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Beitrag von carlotta37 » 14.07.2012 20:16

Stimmt, darüber denken wir selten nach...

Der Vater der Zwillinge ist übrigens gerade hier. Und offenbar wpllen die Kinder ihn in Zukunft in den Ferien wieder besuchen. Die Mutter ist einverstanden. Allerdings will sie sich nicht an den Kosten beteiligen. Er findet, sie muss, da sie ja weggezogen ist. Er hat allerdings diese Gelegenheit genutzt, um die Alimente nicht mehr zu zahlen, die er früher freiwillig gezahlt hat (es gibt darüber in der Höhe kein Gerichtsurteil, früher haben sie sich so geeinigt. Es war zwar immer wenig, aber doch ein bisschen was!)..

Das ist auch schon wieder so ein Thema: sie schimpft sich bei mir aus, ich finde tatsächlich auch, das ist moralisch gesehen eine gute Frage: sollte sie die Reisekosten mittragen oder nicht? Habe beschlossen, dass es nicht mein Problem ist und nur zu bedenken gegeben, dass sie diese Reisekosten schliesslich nciht IHM schenkt, sondern ihren Kindern.
Ich fände das auch ungerecht, aber ich würde meiner Tochter sofort eine Reise zu ihrem Vater zahlen, wenn ich könnte - und da es bei ihr nicht um so eine grosse Entfernung geht, ist es durchaus bezahlbar.

Für mich mal wieder ein gutes Beispiel, dass es aufs Recht haben nicht so sehr ankommt, sondern mehr einfach Grosszügigkeit gefragt ist im Interesse der Kinder!

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Beitrag von carlotta37 » 28.07.2012 21:25

So, der gemeinsame Urlaub ist vorbei und die Situation ist eskaliert.

Für mich ist das eine Geschichte, die prima zu diversen ähnlichen Themen im forum passt. Sowas ist vielen von euch hier schon passiert! Und der Schlüssel läge wie immer bei den Erwachsenen. Es zeigt auch: wenn die Erwachsenen verschiedene Werte haben oder aus anderen Gründen nicht loyal zueinander sind, dann kommt es zu Streit wegen der Kinder....und das wie man hier sieht nicht nur in Patchworkfamilien sondern auch in Freundschaften....

Es war in den Ferien von Anfang an schwierig. Sie hat sich sehr zurückgezogen und mir die Kinder überlassen. Eigentlich kein Problem, allerdings hätte ich bei den 12jährigen Jungs entweder ganz allein mit denen sein müssen oder aber sicher sein müssen, dass sie meine Entscheidungen mitträgt....Es wurde also viel gemeckert (naklar, Berge und wandern sind ja sowas von uncool...ist was für Babys...), wenig geschlafen (TV bis Mitternacht, die Mutter hats erlaubt, da bin ich machtlos, auch wenn die Filme weder für 12jährige und erst recht nicht für meinen 9jährigen geeignet waren), dann morgens keine Lust aufzustehen und logischerweise in der Mittagshitze Gejammer beim Laufen.
Das war schon mehr als unerfreulich, aber dann hat einer ihrer Jungs in meinen privaten Sachen gewühlt. "Geklaut" hat er eigentlich nur eine Tafel Schokolade, aber um die zu finden, musste er an eine kleine Schublade, in der ich auch mein Geld, einen Brief meines Partners und sonstige private Dinge aufbewahrt habe - in meinem Zimmer. Natürlich wollte es niemand gewesen sein, bis Mitte der Woche die Papierchen in der Hose des Jungen auftauchten. Ich war sauer und habe ihn darauf angesprochen. Ruhig aber deutlich: dass ich ein solches Verhalten nicht dulden kann und er sich doch bitte einmal überlegen soll, was wir jetzt machen und wie wir damit umgehen. Dass sowas Folgen haben kann. Was wenn Geld gefehlt hätte? Man hätte sofort ihn verdächtigt (ist auch noch passiert: die Geldbörse meines Jüngsten ist verschwunden, wir wissen nicht, ob er sie selber weggemacht hat, aber auch die Kinder haben nun sofort einen bestimmten Verdacht...).
Er hat weiterhin gelogen, alles abgestritten. Und was macht seine Mutter? Fährt wortlos ab nach Haus!! Dabei wusste sie, dass er es war. Die ganze Woche schon! Ich habe sie gebeten, das gemeinsam zu klären. Mit einer ehrlichen Entschuldigung wäre die Sache für mich erledigt gewesen!! Aber sie weicht aus.

Ich habe lange überlegt, ob ich zu hart war. Es ging ja nur um Schokolade. Aber eigentlich ging es mir um den Eingriff in meine Privatsphäre und nicht um die Schokolade. Um das Hintergehen und Lügen.

Nun ja, meine Jungs und ich haben den Rest der Ferien trotzdem genossen. Die zwei fanden es eigentlich super allein mit mir und im nächsten Jahr muss mein Freund endlich im Sommer nicht mehr arbeiten und kann mit uns kommen!

Ende der Geschichte: eine sms meiner Freundin. Es ginge ihr sehr schlecht, sie hat wohl wieder eine Depression. Deswegen wäre sie so passiv gewesen.
Puh, ich muss ehrlich gestehen, ich kann ihr da nicht helfen und will es auch gar nicht mehr. Sie braucht professionelle Hilfe. gespräche in die Richtung während der Ferien hat sie abgebrochen, sie wolle nicht reden...Jetzt kann ich ncihts mehr tun. Aber ich werde ein wenig Abstand halten vorerst.

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Beitrag von mira » 28.07.2012 22:11

Uff! Erholsame Ferien sehen wohl anders aus...
Aber ich finde, du hast richtig gehandelt. Es ging nicht nur um die Schokolade, und das war wohl auch deiner Freundin bewusst.

Wenn ich das so lese, habe ich fast ein bisschen das Gefühl, dass deine Freundin die Depressionen (die sie zweifelsohne hat) auch ein wenig als Entschuldigung einsetzt. Es erinnert an das Verhalten von Süchtigen. Sie möchte gar nicht gesund werden, weil es manchmal ganz praktisch ist, Depressionen vorschieben zu können. Härte ist in diesem Fall oft der beste Ratgeber, auch wenn es schwer fällt.

Eure Freundschaft wird sich wieder einrenken. Aber ich hoffe, dass deine Freundin den Rank in ihrem Leben findet. Das ist wirklich eine traurige Geschichte für alle Beteiligten.

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Beitrag von carlotta37 » 28.07.2012 22:45

Das ist ein interessanter Gedanke, mira! So habe ich das noch nicht gesehen...Aber es könnte schon stimmen, denn sie weiss ja seit langem um ihre Neigung zu Depressionen. Heute lernt man in den Therapien (sie war ja auch mal in der Klinik) vor allem, wie man damit umgehen kann: d.h. wie erkennt man eine Depression rechtzeitig und was macht man dann!
Dennoch lässt sie sich wieder treiben, findet alle möglichen Ausreden, um sich keine ärztliche Hilfe zu holen....Sie hat die letzten 5 Jahre Medikamente genommen und sie vor ein paar Monaten abgesetzt, weil sie keine mehr hatte und keine Lust hatte, zum Arzt zu gehen...

Übrigens hab ich die Ferien tatsächlich trotzdem genossen, ich glaube, ich bin da inzwischen recht gelassen und kann das eine vom anderen trennen 8)

Hier zuhause finde ich es jetzt schwieriger. Wir laufen uns zwangsläufig dauernd über den Weg, wohnen ja im gleichen Quartier, die Kinder werden nach den Ferien in eine Klasse gehen etc. Für mich wird der Umgang mir ihren Kindern nicht leicht werden: sie hat den beiden ja deutlich signalisiert, dass man vor Problemen weglaufen kann.
Meine Beziehung zu ihren Söhnen wird nicht mehr so sein können wie früher...dazu ist das Vertrauen zu gestört...und zwar vor allem das Vertrauen in sie!
Dazu machen die zwei neuerdings meinem mittleren Sohn das Leben schwer und nun erst recht...er ist ihnen heute schon begegnet und musste sich einen doofen Kommentar über mich anhören. Ich fürchte, irgendwie werden sie sich auseinandersetzen müssen in einer Klasse....
Trotzdem bin ich irgendwie froh, dass ich mal eine Grenze gesetzt habe. Da ich ja weiss, wie schwer es die Zwillinge haben, war ich sonst immer sehr zurückhaltend, aber diesmal ging es einfach zu weit....

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Beitrag von Babell » 02.08.2012 13:31

carlotta37 hat geschrieben:Sowas ist vielen von euch hier schon passiert!
mir ist das auch schon passiert, aber mit meinem Freund und seinen Kindern. Dies ist nicht sehr einfach und du beschreibst sehr schön, wie man sich danach fühlt! Wenn die Liebe da ist und man sich sonst gut versteht, sammelt man sich wieder, redet viel und findet "den Rank" wieder miteinander. Ob dies auch bei einer Freundschaft so ist, weiss ich nicht, aber ich gehe mal optimistisch davon aus, dass es auch so ist.
Und der Schlüssel läge wie immer bei den Erwachsenen. Es zeigt auch: wenn die Erwachsenen verschiedene Werte haben oder aus anderen Gründen nicht loyal zueinander sind, dann kommt es zu Streit wegen der Kinder...
Ja warum ist das denn wohl so, dass der eine nicht loyal mit dem anderen sein kann? Sind das alte Verletzungen oder sind es Vorstellungen wie "Familie" sein soll?
Ich meine, wie gesagt, wir hatten ja auch schon solche Eskalationen und zwar ebenfalls in den Ferien, was zur Folge hatte, dass ich seither nie mehr mitging... Also anstelle von Loyal sein, von zusammen finden, haben wir getrennte Wege eingeschlagen- was die Ferien anbelangen!

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Beitrag von carlotta37 » 02.08.2012 16:00

Was die Ferien anbelangt, werden wir sicher auch getrennte Wege gehen in Zukunft.... :wink:
Ansonsten hab ich keine Ahnung. Meine Freundin hat sich eingestanden, dass sie wohl wieder depressiv ist. Ich hoffe, sie geht in eine Therapie. Momentan nimmt sie nur ihre alten Medikamente wieder, ohne Arztbesuch. Es scheint so, dass mira recht hat: sie will nciht wirklich etwas tun, denn dann müsste sie ja Verantwortung übernehmen. So bittet sie um Verständnis und Rücksichtnahme und geklärt wird gar nichts.

Mein Verhältnis zu ihren Kindern wird sich wohl kaum mehr so richtig einrenken, denn reden tun wir eben gerade nicht. Sie mag nicht, kann nicht, ist zu krank dazu. Ohne sie kann ich mit den Kindern auch nicht reden, die entziehen sich natürlich und es würde sich nur die gleiche Situation wiederholen. Also bleibt der Vorfall ungeklärt im Raum stehen.
Da ich den Kindern kaum mehr begegne, kann ich damit leben....Ausser eben, dass es irgendwie traurig ist...

Unterschiedliche Werte? Manchmal sind sie auch gar nicht so unterschiedlich, aber einem fehlt einfach die Kraft, überhaupt Werte zu leben. Theoretisch z.b. würde meine Freundin sicher zustimmen, dass gemeinsame Mahlzeiten in einer Familie wichtig sind. Praktisch ist sie erschöpft, heilfroh wenn sie nicht kochen muss, jeder bedient sich selbst mit irgendwas und jederzeit. Insofern ist die gewohnheit verloren gegangen.
Bei Pubertierenden kostet es halt nunmal Kraft und Nerven, ihnen einen Rahmen zu geben. Man muss viel reden, viel Initiative zeigen, Anregungen geben, Diskussionen und Widerspruch aushalten, sich auch mal selbst hinterfragen, Zweifel ertragen. Es gibt Mütter und Väter, die haben diese Kraft nicht.
Meine Freundin lässt ihre Kinder laufen, im wahrsten Sinne des Wortes. Die sind - positiv ausgedrückt - selbständig und - negativ ausgedrückt -vernachlässigt. Solange der Mist, den sie machen, zuhause nicht ankommt und sich niemand bei der Mutter beschwert, will sie es lieber gar nicht wissen, womit diese beiden ihre Zeit verbringen.

Wir wohnen hier in einem kleinen Ort und ich weiss genau, die Mutter verschliesst die Augen! Denn ich sehe viel mehr als sie. Und das rein zufällig. Man trifft sich nunmal, sieht die Jugendlichen am Bahnhof mit Zigaretten und am Fluss mit Zigaretten und Wasserpfeifen....Inhalt kann man ja riechen....Und da ich ja beruflich mit der gleichen Altersgruppe zu tun habe und die zwei recht ausgefallene Namen haben, muss ich nur die Ohren aufsperren. Sie haben es in den paar Monaten hier zu einem legendären Ruf gebracht.... 8)

Da bin ich fast froh, dass sich meine Kinder distanzieren und andere Freundschaften pflegen. Einfluss habe ich nicht mehr. Aber auf meine schon!

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