"Leben in Patchwork-Familien"

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"Leben in Patchwork-Familien"

Beitrag von BabyOne » 12.04.2013 13:29

von Gerhard Bliersbach.

Der Autor ist Psychologe und hat eigene Patchwork-Erfahrungen.

Ich habe das Buch noch nicht komplett durch, bin aber so beeindruckt davon, dass ich hier sofort davon berichten muss. Es handelt sich nicht um ein klassisches Ratgeber-Buch, sondern eher um eine extrem feinfühlige, detaillierte Schilderung der Situationen im Leben einer Patchworkfamilie, in denen man typischerweise hinterher ein ungutes Gefühl zurückbehält, ohne genau zu wissen warum eigentlich und wieso die Kommunikation wieder einmal nicht so richtig gelungen ist - und er erklärt auch aus der Sicht des Fachmannes, was genau da hintergründig und unbewusst passiert.

Eine so treffende Darstellung, in der ich mich immer wieder selbst erkenne, habe ich noch nicht gelesen. Ich möchte dieses Buch wärmstens jedem empfehlen, der in einer Patchwork-Situation lebt oder es vorhat oder auch wer vielleicht wissen will, woran er/sie damals gescheitert ist.
Patch von 2002/2003 bis 2017
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Beitrag von BabyOne » 19.04.2013 08:17

Nachdem ich dieses Buch zuende gelesen habe, möchte ich noch anfügen, dass meine Meinung sich nicht geändert hat und ich das Buch jedem emfehle, der Probleme in seiner Patchworkbeziehung hat. Das Besondere an diesem Buch ist, dass es Dinge in treffende Worte fasst, die einen normalerweise komplett sprachlos zurücklassen. Ich bin davon überzeugt, dass man Schwierigkeiten ganz anders besprechen und lösen kann, wenn man am besten gemeinsam mit dem Partner das Buch liest und dann nur noch sagen muss "siehst Du, an dem Tag neulich ging es mir genauso wie er es hier beschreibt..."

Nach Lektüre dieses Buches ist mir stärker als zuvor bewusst geworden, dass eines der größten Probleme in einer Patchworkbeziehung eigentlich ist, dass man so sprachlos ist. Man kann viel reden, aber ob der andere dann versteht was man meint? Wie kann man erklären, dass man sich in einer Situation unwohl fühlt, wenn man selber nicht versteht was genau eigentlich das Problem ist?

Es fängt schon mit der Bezeichnung dieser Art von Beziehung an, ob Patchwork, Stieffamilie, Zweitfamilie etc... jeder dieser Begriffe hat eine bestimmte Färbung, die nur einen Teil der Realität trifft und nichts davon passt (in den meisten Fällen) so richtig. Es ist doch eigentlich syptomatisch, dass es nicht einmal einen wirklich passenden Begriff dafür gibt.

Viele andere Bücher haben einen Ratgebercharakter in dem Stil von "Beherzigen sie folgende Ratschläge 1-10, und dann müssen Sie nur noch wahnsinnig warmherzig, geduldig und liebevoll sein, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen!", und zumindest mir ging es immer so, dass ich zwar die Ratschläge durchaus sinnvoll fand, diese Bücher mir aber eigentlich nicht wirklich geholfen haben, mit der Situation und vor allem mit meinen eigenen negativen Gefühlen besser zurecht zu kommen. Im Gegenteil, man bekommt den Eindruck, wenn es nicht gut läuft, hat man sich nur nicht genug angestrengt oder man ist nicht großzügig undgeduldig und herzlich genug (woran man aber nicht wirklich etwas ändern könnte wenn es denn so wäre...). Dass man manchmal fast überwältigt wird von schlechten Gefühlen, dass man Hass, Rachsucht, Eifersucht, Abscheu empfinden kann gegenüber den Menschen mit denen man in so einer Patchwork-Situation zwangsläufig zu tun hat, das ist irgendwie tabuisiert und man geht am besten mit ein paar trockenen Begriffen im Stil von "die Situation ist für alle Beteiligten nicht einfach" darüber hinweg.

Das von mir vorgestellt Buch verliert sich nicht im Ausmalen negativer Details, aber sie werden auch nicht ausgeblendet, sondern beschrieben und vor allem analysiert. Das hat etwas sehr erleichterndes: "Ich bin nicht schlecht wenn ich so fühle, sondern normal." Und obendrein bekommt man durch das präzise In-Worte-Fassen das Handwerkszeug, um eigene Probleme wirklich zielführend zu bearbeiten.

Jetzt habe ich eine wahre Hymne auf dieses Buch verfasst, daher möchte ich noch gerne betonen, dass ich dafür nicht bezahlt werde :mrgreen:
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Beitrag von Babell » 17.05.2013 08:19

Ich bin auch ganz begeistert von dem Buch!
Danke für den Tipp, sonst hätte ich es wohl nicht gefunden.

Mich begeistert neben seiner verständlichen Schreibweise das riesengrosse Verständnis des Autors für sämtliche Mitglieder der Patchworkfamilie (inkl des aussenstehenden Elternteils!) und dass er dort beginnt, wo es nämlich für uns, die in einer solchen Familienform leben, schwierig ist: im Alltag!

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