Weg vom Helfersyndrom...

Meine persönliche Entwicklung, Erfahrung
steff
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Beitrag von steff » 01.05.2009 11:08

Liebe Morpheus,
bei mir war oder ist es die Sekte, Kirche in der ich aufgewachsen bin, die mich so nachhaltig geprägt hat.
Ich werde immer wieder von der Vergangenheit eingeholt, vom "eingeimpften" von der Gehirnwäsche.....ich könnte manchmal kotz... wenn ich spühre, dass sich das alte Gedankengut wieder regt. Ich zweifle so oft an mir, an meinen Entscheidungen und erwarte von mir selbst, alles mindestens super gut wenn nicht sogar perfekt zu machen. Schuldgefühle, schlechtes Gewissen.....das sind tagtägliche Begleiter.
Ich würde so gerne ungestörte Zeit zum Grübeln und Nachdenken haben. Aber wie du sagst, man muss immer auf später verschieben. Und der "Stein" im Bauch wird dadurch nicht kleiner.
Ich sehne mich so sehr nach den Momenten, die ganz selten in meinem Leben sind: UNBESCHWERTE GLÜCKSMOMENTE
Oft habe ich das Gefühl, am Rande einer Depression zu stehen, 3 Tage nachher kann es sich aber schon wieder ganz anders anfühlen.
Und auch da wünsche ich mir eine gewisse BESTÄNDIGKEIT.
Das hin und hergeworfen werden.....ach, warum kann das Leben nicht für einen Moment stillstehen und einfach sein?
Ich wünsche dir und allen Anderen hier ein UNBESCHWERTES WOCHENENDE.
Herzliche Grüsse Steff
Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschliessen, daraus zu erwachen.

Nana

Beitrag von Nana » 01.05.2009 11:55

Liebe Steff

das kenn ich auch...Wobei es bei mir dann noch manchmal so ist das ich wenns ne Weile einfach ruhig und "ebä us" läuft immer den Gedanken im Kopf habe...ui wenns so gut läuft bin ich ja gespannt wann der nächste Hammer kommt...auch kein gutes Denken weil man sich selber blokiert und vergisst den Moment zu geniessen.

Zudem glaube ich fest dan die Kraft der positiven Gedanken:o)

Liebe Grüsse,Nana

steff
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Beitrag von steff » 01.05.2009 12:21

lach......ja, Nana, ich kenn genau diese Worte: .....wo :cry: hängt der nächste Hammer?

Kürzlich wurde mir zum neuen Lebensjahr Gutes gewünscht. Ich dachte ständig: einfach......bitte....keine zu grossen Turbulenzen.......
Liebs Grüessli Steff
Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschliessen, daraus zu erwachen.

Nana

Beitrag von Nana » 01.05.2009 20:53

*handreich*oh je steff wir sind ja wirklich zum lachen;o) letztens fragte mich meine Freundin was ich mir so wünsche.Ich hab schon fast "Dalailamamässig" gesagt:Wenn alles so bleibt wies ist ,bin ich rundum glücklich....wir haben uns beide angeschaut und sie meint nur trocken:Wieviel mal am Tag polierst du deinen Heiligenschein???" dann mussten wir beide laut lachen :lol:

Aber ehrlich gesagt ist es wirklich so:Wir sind alle gesund,haben keine grossen Probleme (nichts womit wir nicht Leben können),das Geld reicht zum Leben,ich bin glücklich mit meiner Partnerschaft,meine Kinder machen einen ausgeglichenen,zufriedenen einfach einen ganz "normalen" Eindruck auf mich,mein Ex-Mann ist auch wieder glücklich...was will man noch mehr.

Ich hatte die letzten drei Jahre genug Turbolenzen,das reicht für lange,lange Zeit :wink:

Aber gell das blöde Gefühl das man manchmal über die Schulter schaut und man denkt"kommt da was von hinten....?" bleibt halt doch,wie wenn wir es nicht verdient hätten.Hat wohl immer noch etwas mit dem leidigen schlechten Gewissen zusammen...anders kann ich es mir nicht erklären.

Ein schönes Wochenende euch allen,Nana

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Beitrag von Nin » 01.05.2009 21:57

Ich weiss nicht, ob ich von Helfersein sprechen würde....

Ich bin gerade von einer Woche Berlin zurück, wo ich mit einer Gruppe Schülern zum Austausch war. Und es fiel mir die ganze Zeit schwer, die schöne Stadt zu geniessen: cih habe mich ständig gefragt, ob alle meine Schüler auch glücklich waren, ob wir das Programm gut gestaltet hatten, ob sich alle gut verstanden, ob ich genug Zeit für meine Austauschkollegin hatte, ob ich nciht zu oberflächlich bin und zuviel shoppe anstatt, wie es sich für eine Lehrerin gehört, in Museen zu rennen.....

Dann immer im Hintergrund, ob meine Kinder okay sind, während ich weg bin, ob ich ihre Betreuung genug organisiert habe, ob alles klappt, ob es den Kindern nicht schadet, wenn ich sie allein lasse....

Ich komme müde und ausgepowert zurück - und beginne bereits, mir Sorgen über die Sommerferien zu machen. Ich möchte immer, dass alle glückich und zufrieden sind und dass ich alles gut und richtig mache, so dass es den anderen reicht. Es ist so unendlich anstrengend.
Nicht Schöneres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein.

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Delphia
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Beitrag von Delphia » 03.05.2009 10:58

Hallo zusammen

Helfersyndrom: hatte ich auch. Vielleicht dann und wann heute noch.

Meine Schwiegermutter meinte dazu: die Helfertypen beabsichtigen, dass andere von ihnen abhängig werden... So krass formuliert, finde ich es daneben, aber wenn ich lange genug darüber nachdenke, hat es was. Denen geholfen wurde, sind einem "in der Regel" sehr dankbar. Da hat man sich die lobenden Worte geholt, die man in der Kindheit vielleicht nicht genügend erhalten hat. Hat ganz sicher mit dem Selbstwertgefühl zu tun.

Jedenfalls denke ich, ist es wichtig, dass man sich abgrenzen kann. Nur muss jede und jeder den Weg selbst gehen. Meine Grenzen sind nicht Eure Grenzen... ;-)

Es geht mir viiiiieeeel besser, seit ich die Menschen ausgeschaltet habe, die meine Energiereserven einfach "angezapft" haben. Schliesslich habe ich das mit meinem Helfersyndrom auch zugelassen...

Viel Glück beim Lernen sich abzugrenzen!

Beste Grüsse
Delphia
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Probleme? nein! Herausforderungen: ja :-), manchmal aber völlig hoffnungslos...

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Beitrag von steff » 04.05.2009 05:17

Liebe Delphia,
ich denke, deine Schwiegermutter hat noch nicht mal so Unrecht........
Und was wir auch machen, mit unserem Helfersyndrom. wenn wir Anderen helfen, werden unsere eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten für einen Moment in den Hintergrund gestellt. Wir sehen in dem Moment die Probleme unserer Mitmenschen. Wenn wir dann nicht mehr gebraucht werden, weil das Problem der Anderen gelöst ist, merken wir schon fast eine kleine Leere. Und unsere Probleme sind mit voller Wucht wieder presänt. Aber unsere Energie ist weg.

Wir dummen, armen Helferinnen..........können wir echt unser Leben nicht einfach geniessen, so wie es ist?

Ich stimme dir zu, das hat sehr viel mit unserem Selbstwert zu tun.
Auch was Nin beschreibt.......es ist so treffend. Das ist es was ich meine: Wann können wir einfach mal den Moment UNEINGESCHRÄNKT und UNBESCHWERT geniessen, ohne dass sich etliche andere Gefühle und Gedanken einschleichen?

Ich wünsche euch allen einen tollen Wochenstart und viel Zeit, zum hinschauen, bei all den vielen Stolperfallen, die auf unserem Weg liegen.

Herzlichst Steff
Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschliessen, daraus zu erwachen.

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Beitrag von Delphia » 04.05.2009 05:51

Hallo Steff

Einfach hinsetzen und geniessen.... 8)

Leichter gesagt als getan :?

Es war ein langer Weg dorthin und manchmal falle ich in das alte Muster zurück... :oops:

Gerade gestern musste mein Mann eine E-Mail beantworten, die ihm nicht angenehm war. Wir wurden eingeladen bei Kollegen Karten zu spielen einerseits und andererseits ein anderes Mal einen Abend mit denen und zwei anderen Pärchen zu verbringen.

1. Diese Kollegen sind nicht ganz unsere Wellenlänge
2. Wir spielen nicht so gerne mit ihnen Karten, sie sind uns bei Weitem überlegen und spielen normalerweise auch Profiturniere. Wir spielen zum Spass. Beim Spielen sind sie sich jeweils in die Haare geraten und haben derart gestritten, dass es für uns sehr unangenehm war.

Früher hätte ich es über mich ergehen lassen und wir hätten den Termin einfach so weit wie möglich rausgeschoben. NIX DA :wink:

Antwort war klar: an jenem Abend können wir nicht mit deren Freunden, da ich mich für den nächsten Tag vorbereiten muss (Workshop). Wir möchten nicht mehr mit ihnen spielen, da unser Niveau zu tief ist und wir nicht möchten, dass sie sich dabei gezwungen fühlen, uns alles zu erklären und sich allenfalls dabei streiten.

Ich hatte absolut kein Problem damit... es wäre früher anders gewesen.

Nachher haben wir einen schönen kurzen Spaziergang draussen gemacht und ich habe die Zeit genossen... :D

Schönen Tag!
Delphia
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isabel73
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Beitrag von isabel73 » 08.04.2010 13:50

Hallo zusammen !

Ich bin neu in diesem Forum und habe mit grossem Interesse all eure Beiträge gelesen zum Thema Helfersyndrom, welches mich selber beruflich (arbeite in einem sozialen Beruf) und privat beschäftigt.

Vor ein paar Jahren hatte ich eine kürzere Beziehung zu einem Mann, welche beinahe mein Leben ruiniert hätte und ich weiss noch heute nicht genau, warum. Ich weiss zu diesem Thema "Helfersyndrom" nur soviel, dass ich meine Selbstachtung und meinen Stolz niemals mehr verlieren möchte um die Liebe eines Mannes erkämpfen zu wollen, die es sich nicht lohnt, zu gewinnen. Tja, lieber späte Einsicht als gar keine.

Damals habe ich das Buch von Robin Norwood "Frauen, die zu sehr lieben" gelesen, welches zum damaligen Zeitpunkt wirklich mein Leben gerettet hat. Ich denke noch heute viel über die Kernbotschaften dieses Buches nach, es ist mein kleiner Kompass in zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich kann es euch allen sehr empfehlen ! Viel Spass beim Lesen und Entdecken, habt keine Angst vor dem "Spiegel" !
2 Stiefkinder, 1 leibliches Kind

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