Fazit nach 5 Jaren Patchwork

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vero
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Fazit nach 5 Jaren Patchwork

Beitrag von vero » 04.01.2015 11:53

Hallo Zusammen, ich habe schon lange nichts mehr geschrieben weil ich mit den "anfeindungen" hier im Forum nicht mehr klar kam doch jetzt möchte ich doch mal wieder etwas schreiben. Wir sind jetzt seit drei Jahren verheiratet und nicht alles war immer eitler Sonnenschein, aber wir haben uns durchgekämpft und es hat sich gelohnt. Mein Mann und seine Ex haben wieder Kontakt und ausser eun par Sticheleien (ich glaube sie kann nicht anders) ist der Kontakt gut und Freundschaftlich. Seit 6 Monaten gibt es jetzt einen kleine Mann der unser Leben bereichert und der unser Sonnenschein und "entägerer" ist. Nun haben wir aber ein anderes Problem, die Tochter meines Mannes, inzwischen 8 Jahre alt, lügt was das zeug hält, zur Zeit glaube ich fast nichts mehr was aus ihrem Mund kommt. Bei uns erzählt sie das bei der Mutter was anderes und wenn mein Mann sie darauf anspricht kommen tränen und wieder neue Ausflüchte. immer sind andere Schuld, woher sie das hat ist uns schon klar, doch wie sollen wir damit umgehen?

carlotta37
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Re: Fazit nach 5 Jaren Patchwork

Beitrag von carlotta37 » 04.01.2015 21:11

Hallo vero und Glückwunsch zum Nachwuchs!

Hm, ohne konkrete Beispiele ist es schwierig, die Situation wirklich zu verstehen. Aber ich habe zur Zeit viel mit Kindern in dem Alter zu tun, die von einer Scheidung betroffen sind....deswegen versuche ich es mal.
Für mich hört sich das nach einem Loyalitätskonflikt an, soweit sich das "Lügen" vor allem auf Mutter und Vater bezieht. Oder ist das in der Schule etc. auch schon aufgefallen?
Ich würde versuchen, sie möglichst zu entlasten und ihr Situationen zu ersparen, in denen sie die Ausflüchte überhaupt braucht! Kein Aushorchen über das Leben beim anderen Elternteil - auch wenn es gar nicht so gemeint ist, sondern ihr nur aus Interesse nachfragt, aber es kann beim Kind so ankommen.

Das mit dem "Lügen" ist mit 8 Jahren noch so eine Sache. Natürlich können die Kinder da eigentlich zwischen Realität und Wunschdenken unterscheiden, aber die Wünsche sind oft noch stärker...und sie sind sich noch nicht so bewusst, was sie damit anrichten....

Ich hatte jetzt mit einem Kind zu tun, das ein sehr enges Verhältnis zu seinem Vater hatte. Die Mutter hat nun einen neuen Partner. Nachdem das Kind erst sehr ablehnend gegenüber ihm war, hat sich das nun geändert und es möchte am liebsten diesen neuen Mann als Vater haben und wendet sich gegen den leiblichen Vater....was Öl ins Feuer giesst auf Seiten der Mutter, die sich darin bestätigt sieht, dass ihr Ex alles falsch macht. Aber wenn ich dem Jungen zuhöre, wird für mich sehr deutlich: er möchte einfach nur unbedingt wieder eine "heile Familie". Und wenn das mit Papa nicht mehr geht, dann halt mit einem anderen Mann. Dabei realisiert er, dass das nicht möglich ist, denn der andere Mann hat eigene Kinder, die ihm logischerweise näher sind. Das Kind hat unglaubliche Schwierigkeiten ,seine Position in dem Gefüge zu finden und schwankt so in seinen Gefühlen sehr hin und her. Ich bin mir absolut sicher, dass er Mutter und Vater jeweils völlig verschiedene Versionen seiner Gedanken auftischt...aber nicht aus Böswilligkeit!

Vielleicht hilft Dir dieses Beispiel etwas weiter?

vero
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Re: Fazit nach 5 Jaren Patchwork

Beitrag von vero » 05.01.2015 08:47

Hallo carlotta, danke!

Damit man es besser versteht hier ein par beispiele:

Einmal hat sie der mutter erzählt ich würde sie schlagen :shock: und zwar kam es dazu weil sie nicht zugeben wollte, dass sie ihrer halbschwester das spielzeugauto an den kopf geworfen hat. Die mutter rief anschliessend meinen mann an der über diese aussage genauso schockiert war wie ich. Wir (vater, mutter, stiefvater und ich) haben ihr dann erklärt das lügen nicht gehen und auch wieso. Keine zwei wochen später hat sie bei einem kosmetik besuch der mutter einen nagellack mitgehen lassen. Ihre halbschwester hat dies gesehen und es zu hause der mutter mitgeteilt. Die tochter hat alles abgestritten und ihrer halbschwester die schuld in die schuhe geschoben. Als es dann rauskam das es sie war musste sie den nagellack zurückbringen und sich entschuldigen. Als die mutter aus dem auto gestiegen ist ist die kleine abgehauen... Als unser sohn zwei monate alt war haben wir ihr verboten den kleinen aufzuheben und rumzutragen. Wir haben ihr immer wieder erklärt wieso und sie hat uns veprochen es nicht zu tun. Aber die kleine ignorierte es. Einmal war ich im bad, sie im wohnzimmer am boden mit ihm am spielen. Da ich ihr da schon nicht mehr traute, habe ich die türe offen gelassen und ihr zugeschaut. Sie hat es natürlich versucht, der kleine fing an zu weinen und sie hat ihn schnell wieder hingelegt. Mein mann kam aus dem büro und fragte seine tochter wieso er weint. Antwort seiner tochter sie wisse es nicht sie habe nichts gemacht. Da bin ich raus und habe ihr gesagt du weisst genau wieso. Du hast versucht in hochzuheben. Dann kam von ihr, das stimme nicht er hätte einfach so angefangen. Daraufhin habe ich ihr gesagt ich hätte sie dabei beobachtet aber auch da hat sie es nicht zugegeben. Daraufhin durfte sie mit dem kleinen nicht mehr alleine sein.

Dann war sie über weihnachten bei uns, das thema nr. 1 war bei ihr nur wieviele geschenke sie kriegt und das es mehr sein sollen als bei unserem sohn und ihren cousinen. Das geschenk ihrer patentante bestand darin mit ihr in ein musical zu gehen und dann bei ihr und ihren cousinen zu übernachten. Am abend des nächsten tages wollte sie das nicht mehr sondern am nächsten tag zurück zur mutter, mein mann meinte das sei für ihn okay, sie müsse es wissen. Sie wollte dann mit ihrer mutter telefonieren, was sie natürlich auch durfte. Anschliessend wollte mein mann den grund wissen. Sie hätte ein schlechtes gefühl dabei bei der patentante zu sein und sie wolle nicht schon wieder da übernachten (anscheinend war sie in letzter zeit mehrmals zum übernachten da) sodern nach hause. Am nächsten morgen, wollte sie dann doch ins musical aber nicht bei der patentante übernachten. War für uns okay und wir haben sie gebracht. Zwei tage später ruft seine exfrau an und sagt die kleine habe ihr gesagt sie wollte nur nicht gehen, weil sie sich vom vater vernachässigt fühle :shock: . Da war mein mann mal kurz sprachlos.. Er hat dann seiner exfrau gesagt was sie uns als grund gesagt hat...und da war seine ex dann sprachlos. Mein mann und seine ex haben jetzt beide zusammen mit ihr gesprochen, dass das so nicht geht. Mir ist schon öfters, eigentlich seit ich sie kenne, da war sie drei, aufgefallen, dass sie sich die wahrheit so zurechtbiegt wie es ihr passt. Ich habe auch mit meinem mann schon unzählige male darüber gesprochen, er hat dies aber immer mit dem spruch abgetan sie ist doch noch ein kind. Wir waren darum mit ihr auch mal den kinofilm rabe socke anschauen. Aber gebracht hat das wie auch gespräche nichts. Sie kann einfach nicht dazu stehen wenn sie mist baut. Egal welchen, immer sind andere schuld..

Mein mann macht noch viel mit ihr alleine, darum hat es ihn diese aussage/vorwurf auch traurig gemacht. Auch meinte sie wir würden nicht mehr viel weg gehen seit der kleine da ist. Mein mann und auch ich haben ihr dann wiedereinmal erklärt, dass dies nicht an ihm liege sondern an ihr da sie ja eh immer was zu meckern habe. Das wisse sie genau. Einmal ist ihr der pool zu klein, dann hat es zu viele, dann wieder zu wenig kinder, dann passt ihr das essen nicht. Irgendwann wurde es uns zu bunt und wir haben ihr gesagt das wir es deswegen einschränken werden. Gebracht hat es nichts, das gemotze ging weiter und die quittung kam dann auch, aber wieder ist es nicht ihre "schuld" , sondern jetzt die des kleinen. Auch hat sie den anspruch, dass wir nur weggehen dürfen wenn sie dabei ist. Da hat ihr mein mann erklärt, dass wir das vor dem kleinen nicht gemacht haben und es auch jetzt auch nicht machen. Wir hätten auch ein leben ohne sie was wir auch leben...

Sorry wurde etwas lang, aber ich hoffe du verstehst wieso ich mir gedanken mache, denn das sind keine lapalien mehr. Auch fragen wir sie nicht aus, wenn sie was erzählen will dann darf sie das, muss aber nicht auch darf sie der mutter alles erzählen was sie hier erlebt oder passiert.

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Re: Fazit nach 5 Jaren Patchwork

Beitrag von BabyOne » 05.01.2015 21:01

Hallo Vero,

das geht auf jeden Fall über "normales" Lügen in dem Alter hinaus.

Mir scheint es so, dass sie verzweifelt nach Beachtung und Aufmerksamkeit strebt. Die Behauptung geschlagen und vernachlässigt zu werden geht in diese Richtung- auch ein Kind in dem Alter weiss wahrscheinlich schon, dass da der Zuhörer aufhorchen wird. Zum Teil drückt das vielleicht auch wirklich ihr Empfinden aus, auch wenn es objektiv Unsinn ist. Aber sie scheint ja im Moment in der Situation zu sein, dass sie hauptsächlich als Störenfried angesehen wird. Das kleine Geschwister darf sie nicht hochnehmen (was ich verstehe!), und Ausflüge wurden als Strafe oder Konsequenz wegen ihres Verhaltens eingeschränkt. Ihr vertraut ihr nicht mehr und haltet sie in jedem Moment unter Beobachtung. Bestimmt wurde deswegen auch schon öfter mit ihr geschimpft. Eifersüchtig auf das jüngere Geschwister ist sie wohl auch, und hat vielleicht im Inneren Angst, dass das jüngere Geschwister sie beim Vater verdrängen könnte.

Mich erinnert das sehr an meinen Stiefsohn früher. Er war auch absolut unberechenbar und hat gelogen was das Zeug hielt. Das ist für Dich natürlich auch eine belastende Situation.

Gut ist, dass Dein Mann und seine Exfrau voneinander wissen, dass sie dem Kind nicht alles glauben dürfen und dass beide gemeinsam mit dem Kind gesprochen haben. Sie dürfen sich auf keinen Fall gegeneinander ausspielen lassen. Gut ist auch, dass Dein Mann viel mit ihr alleine unternimmt. So bekommt sie Aufmerksamkeit und Du wirst entlastet.

Vielleicht könnt ihr auf ihre Lügen manchmal auch mit Humor, augenzwinkernd reagieren (jaja, wir wissen schon dass das eine Lüge ist, aber wir spielen mal einen kurzen Moment mit...). Wo das nicht geht, kann man am besten die Lügen ignorieren und nicht weiter beachten, auch nicht darüber diskutieren dass das jetzt doch aber wirklich gelogen ist usw... versucht nicht sie zu einem Geständnis zu zwingen, wenn ihr schon wisst dass das eh nicht kommt. Sie fühlt sich durch solche Gespräche nur ungeliebt und unter Druck gesetzt, und es bringt nichts. Es reicht wenn sie sieht dass ihr euch nicht veräppeln lasst.

Es sollte in Gesprächen auch nicht dauernd darum gehen wer "schuld" ist. Wenn es ihr auf dem Spielplatz nicht gefällt, weil es zu viele oder zu wenige Kinder sind, dann kann man einfach sagen: OK, dir gefällt es hier nicht, dann gehen wir eben. Punkt. Oder: Du wolltest hierher, wir wollen jetzt nicht gleich wieder gehen, wir bleiben noch eine halbe Stunde hier. Such Dir etwas, womit Du die Zeit bis dahin verbringen kannst. Punkt. Kein Vorwurf, keine Diskussionen. Solche Nörgelei ist ja letztlich ein Zeichen dafür, dass sie irgendwie unzufrieden ist, aber nicht benennen kann was genau das Problem ist. Dass sie generell so unzufrieden ist, hat sicher in irgendeiner Weise mit der Trennungssituation zu tun und ist letztlich nicht ihre Schuld. Sie ist auch noch zu jung um das selber analysieren und ihr Verhalten wirklich steuern zu können. Nur ein Beispiel: bei meinem Stiefsohn habe ich irgendwann gesagt, ich fahre nicht mehr mit ihm in den Urlaub, weil er sich dort immer furchtbar bekommen hat. Jetzt erst - er ist inzwischen 14 - kann man mit ihm richtig darüber reden und ich habe den Eindruck dass er versteht, dass sein damaliges Verhalten damit zu tun hatte, dass es einen Dauerkonflikt zwischen seinen Eltern gibt und dass er dennoch sein Verhalten unabhängig davon kontrollieren muss, wenn er nicht die Konsequenzen tragen will. Als er acht Jahre alt war hätte man mit ihm darüber garantiert nicht reden können. Die Konsequenzen gab es deswegen trotzdem - keinen gemeinsamen Urlaub -, aber hätten wir ihm gesagt dass er mit seinem Verhalten daran schuld ist oder gar seine Mutter, dann hätte das nur zu mehr Konflikten geführt.

Vor allem, so schwer das manchmal sein mag, ist es glaube ich wichtig, dass ihr dem Mädchen immer wieder positive Signale sendet und so wenig wie irgend möglich schimpft. Positive Aufmerksamkeit ist der Schlüssel.
Patch von 2002/2003 bis 2017
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Re: Fazit nach 5 Jaren Patchwork

Beitrag von Buchenholz » 05.01.2015 23:14

Hallo Vero

Herzlichen Glückwunsch zu eurem Nachwuchs. Das Wort Entärgerer gefällt mir.

Und danke für die tolle Erklärung Carlotta.
Ich habe darin sofort meine Tochter wieder erkannt. Sie war ja zuerst todunglücklich, dass die Stiefmutter so überraschend in Papas Haus gezogen ist. Dann fand sie es aber doch ganz toll. Klar, alles was neu ist, wirkt spannend und die Stiefmutter hatte alle diese tollen Kinder-Filme. Sie wurde mir gegenüber immer frecher und ich hatte sie kaum noch unter Kontrolle, jedenfalls unmittelbar nach den Papa-WE. Als ich einmal von ihr verlangte, das Zimmer aufzuräumen, sagte sie, dass es ihr egal sei, wie es in ihrem Zimmer aussieht, ich könne ihre Sachen ausräumen und das Zimmer anders verwenden, sie hätte ja jetzt eine neue Familie und brauche dieses Zimmer nicht mehr.

Der Vorschlag von Babyone finde ich gut. Ich würde vorerst nicht auf ihre Lügengeschichten eingehen und wenn, dann höchstens die Antwort so formulieren, dass sie merkt, dass Ihr sie gehört habt. ... das klingt schlimm oder ich verstehe, dass dich das verletzt. Vielleicht mal zurück fragen, ob sie sich ev. nicht getäuscht hätte. Aber nicht wertend und nach Erklärungen suchen und schon gar nicht weitere Antworten abwarten und eine Diskussion starten.

Meine Tochter war in der 1. Klasse als sie auch öfters so Stories erzählte und einen Hang zum Übertreiben hatte. Zum Glück konnten mein Ex und ich miteinander reden und so hatte sie keine Chance, uns gegeneinander auszuspielen.
Wir trafen uns jeden Monat zu einer Familienrats-Sitzung und auch Tochter durfte einen Zettel mit Notizen mitbringen und Kritik und Vorschläge vorbringen. Wir führten dann eine Art Tagebuch und haben alles festgehalten. Leider hat dann seine neue Frau diese Treffen gestoppt, weil nicht nötig.

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