Zuammenziehen ??

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seestern
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Zuammenziehen ??

Beitrag von seestern » 21.10.2011 21:19

Hallo ihr Patchworker,

ich frage mich gerade wieder mal, warum ich so viele Widerstände gegen das zuammenziehen habe, und ob ich mir einen Schupf geben soll und den Schritt endlich wagen, oder ob es noch zu früh ist.

Mein Partner und ich sind seit 2 Jahren zusammen. Ich war immer fürs langsame Zusammenwachsen. Seit 9 Monaten unternehmen wir regelmässige etwas mit den 4 Kindern und waren auch schon 3 Mal zusammen in den Ferien. Das hat im Allgemeinen ganz gut geklappt, es gab einige sehr schön Momente und dann auch ein paar Krisen. Für mich das schwierigste ist, dass mich seine Kinder manchmal richtig nerven (und ich mich dafür schähme) und mir die Intimität mit meinen Kindern fehlt, wenn wir zu 6st sind.

Mein Partner möchte nun aber unbedingt zusammenziehen. Ich finde die Idee einerseits schön, weil wir uns dann mehr sehen könnten. Es hat auch finanzielle Vorteile ... Aber ich habe auch viele Widerstände dagegen, das Haus mit "fremden" Kindern zu teilen (alle Kinder sind zu 50% bei uns) und befürchte, weniger für meine Kinder da sein zu können.

Wir leben in einer Stadt mit sehr hohen Wohnungspreisen vorallem für grosse Wohnungen, falls wir zusammenziehen wird es also ziemlich eng (max 3 oder 4 Schlafzimmer).

Wie habt ihr euch entschieden? Man kann halt nicht wissen, wie es wird, wenn man es nicht probiert, nicht wahr??

Danke im Voraus für eure Ratschläge!
Patchwork seit drei Jahren, zwei Kinder (9 und 12), Partner mit zwei Kindern (7 und 11), wohnen nicht zusammen

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Ria
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Beitrag von Ria » 22.10.2011 08:05

Hallo seestern

Nimm deine Gefühle ernst, sie sagen dir etwas, das unbegingt berücksichtigt werden will vor einer solch grossen Entscheidung! Und gerade dieses "Authentisch sein" ist für den Erfolg einer Patchworkfamilie absolut entscheidend.

Hier ein paar Gedanken zur Auswahl, vielleicht ist etwas dabei, das du für dich nutzen kannst:
Für mich das schwierigste ist, dass mich seine Kinder manchmal richtig nerven (und ich mich dafür schähme)
Das ist völlig normal und es lohnt sich, sich das selber und auch dem Partner zu erlauben. Es wird IMMER einen Unterschied geben, wie du deinen und seinen Kindern gegenüber fühlst. Dich dafür zu schämen macht es für alle noch schwerer und nützt nichts. Es ist dann so, wie wenn du falsch wärst, und auf diesem Boden wachsen negative Reaktionen.
Schau mal hin, wann du dich regelmässig nervst. Sind es Situationen, in denen eine Regel helfen würde? Meist ärgern wir uns dann, wenn eine Erwartung nicht erfüllt wird. Dann hast du die Möglichkeit, mit deinem Partner auszutüfteln, wie diese Familienregel sein könnte, damit ihr beide wirklich ja dazu sagen und sie beide den Kindern gegenüber durchziehen könnt. Und das funktioniert nur, wenn ihr euch da ehrlich einigt und nicht der eine meint, es besser zu wissen. :wink:
und mir die Intimität mit meinen Kindern fehlt, wenn wir zu 6st sind.
Die ist zwar nicht mehr genau so selbstverständlich da wie vorher, aber das lässt sich einrichten. Es ist absolut legitim, auch einmal etwas nur mit den eigenen Kindern zu unternehmen.
Ausserdem werden ihr einen Privatraum definieren müssen, wo auch ihr als Paar Intimität leben könnt. Auch da ist offene Kommunikation zwischen euch unerlässlich.
und befürchte, weniger für meine Kinder da sein zu können.
Das ist so, weil du mit deinem Partner zusammenlebst und ... siehe oben.
Und du kannst auch für die Kinder da sein, wenn dein Partner oder seine Kinder dabei sind.
falls wir zusammenziehen wird es also ziemlich eng
Diese Befürchtung würde ich sehr ernst nehmen. Je enger, desto mehr steht ihr euch auf die Füsse - auch im übertragenen Sinn.

Die alles entscheidende Frage ist: Bist du bereit, deinen Partner an die erste Stelle zu setzen? Den Kindern den Sonderstatus wieder abzuerkennen, den sie mit dir allein hatten? Ihnen wieder ihre Kinderrolle zuzuweisen? Auch wenn sie das nicht toll finden?
Genau dies unterstützt sie aber dabei, ihre kindliche Entwicklung durchmachen zu können.

Wenn all diese beschriebenen Befürchtungen in Luft aufgelöst wären, würdest du es dann wollen?
Es kann auch sein, dass du diese Schritt nicht wagen willst, und das ist auch in Ordnung. Vielleicht hast du ja Erfahrungen gemacht, die du noch nicht wirklich verarbeitet hast, die du vermeiden willst, und von denen du ahnst, dass sie dir in einer solchen Situation wieder begegnen könnten?
Es lohnt sich, VOR dem Zusammenzug hinzuschauen. Denn das Scheitern ist noch schlimmer. Und um es zu schaffen braucht es euer 100%-iges Commitment, damit ihr euch nicht bei der kleinsten Krise immer die Frage stellt, ob ihr das wieder rückgängig machen wollt. Dann klappt es nicht.
Man kann halt nicht wissen, wie es wird, wenn man es nicht probiert, nicht wahr??
Das tönt ein wenig wie ein Glücksspiel, ist es aber nicht! Klar gibt es einiges, das sich nicht vorhersehen lässt, aber schlussendlich hängt es vor allem von euch als Paar ab, ob es eine Lücke gibt, in welche die Kinder schlüpfen können, um euch zu trennen. Dies tun sie nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Überlebenswillen, weil sie sich nur dann sicher fühlen und auf ihr Ding konzentrieren können, wenn ihr als Paar der Familie die Basis gebt.

Ich wünsche dir viele Erkenntnisse, die dir eine Entscheidung ermöglichen.
Seit 22 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
http://www.coacheria.ch

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Beitrag von carlotta37 » 22.10.2011 12:41

Wie wäre es mit zwei Wohnungen in einem Haus? Das kann - insbesondere bei hohen Mietpreisen und deswegen der Einschränkung einer kleinen gemeinsamen Wohnung - eine gute Lösung sein!! Mehr Nähe, aber nicht zu viel. Und ehrlich gesagt, den Platzmangel, den Ihr erwartet wegen der hohen Mieten würde ich als echtes Problem sehen. Genau der kann nämlich verhindern, dass Ihr Euch aus dem Weg gehen könnt, dass Ihr Raum als Paar habt, dass Ihr Euch jeweils auch mal auf Eure eigenen Kinder konzentrieren könnt. Und das würde die Ängste, die Du äusserst, eher noch verstärken!

seestern
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Beitrag von seestern » 26.10.2011 21:01

Liebe Ria, liebe Charlotta,

herzlichen Dank für eure Anteilnahme und Denkanstösse. Ja, irgendwo merke ich glaube ich, dass es so ein 100%igs committment braucht - und das ist nicht so ganz da. Mein Partner möchte es so sehr, dass wir zusammenziehen und wir haben schon so viel darüber geredet ... und irgendwo ist da auch eine Stimme die sagt, dann machen wir es "halt" und dann sieht er auch, dass es gar nicht so einfach ist ... das ist wohl nicht 100%ig committed, nicht wahr?

Andererseits, ich liebe meinen Partner und ich habe ganz viel Vertrauen in ihn und in uns, dass wir Lösungen finden können, weil wir einfach über alles wirklich offen reden können. Aber, Ria, du schreibst, es geht nur, wenn der Partner an erster Stelle steht. und so kann ich das nicht sagen, im Mutterteil meines Herzens stehen die Kinder an erster Stelle und im Frauenteil meines Herzens der Mann .. und keines ist da wichtiger als das andere.

ZWei Wohnungen nebeneinander, ja das wäre ideal für mich. Aber wo man schon kaum eine Wohnung ergattern kann, ist es ja fast unmöglich 2 nebeneinander zu finden. Aber vielleicht doch noch nicht gleich aufgeben??

Wünsche euch allen viel Schönes mit euren Familien!
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Beitrag von tarzan » 27.10.2011 07:38

Hallo Seestern

Ich würde das nur wagen, wenn Dein inneres ich davon überzeugt ist.
Vielleicht ist bei euch die Zeit einfach noch nicht reif dafür.

Bei 2 Wohnungen sehe ich als Problematik, dass man dann doch ständig zusammen hockt.

Ich denke das ist ganz normal, wenn man Mutter ist, dass die Kinder an erster Stelle stehen, also so habe ich das hier im Forum immer aufgefasst, da ich keine Kinder hab, weiss ich nicht wie es ist...

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Beitrag von carlotta37 » 27.10.2011 18:17

Nö, tarzan, mein Partner wohnt nur 50m Luftlinie von uns und wir sehen uns kaum. Aufeinander hocken kann man das nicht nennen....

Bei uns war es so, dass ich zuerst diese Wohnung hatte, er hat dann einfach in der Nähe gesucht. Hier im Haus war mehrfach was frei, aber das wollte er nicht.

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Beitrag von seestern » 27.10.2011 20:42

Wir wohnen im Moment in zwei Wohnungen die so eine halbe Stunde auseinander liegen. Da gibt es halt immer auch viel zu organisieren und überlegen darüber wann wo wie mit wem zu sein ... :? das kennt ihr ja alle sicher auch.

Bin halt sowieso der Typ der immer an allem mal wieder Zweifel hat und hinundher-überlegt. Ich bewundere Leute, die sich so klar entscheiden, was sie wollen und das dann einfach durchziehen. Bei mir geht das nicht so einfach.

Ich denke noch an dem "Authentisch-sein" herum, von dem Ria geschrieben hat. Sicher ganz wichtig. Aber manchmal eben nicht der einfache und praktische Weg, nicht?
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Beitrag von tarzan » 28.10.2011 14:31

carlotta ich denke deine Beziehung ist in dieser Hinsicht speziell.
Für mich wäre das komisch, so Nahe beim Partner zu wohnen und
sich dann doch kaum zu sehen. Für etwas ist er doch in die Nähe
gezügelt. Was aber nicht heissen soll, dass es verkehrt ist, so
wie ihr das lebt.

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Beitrag von carlotta37 » 28.10.2011 16:53

Ich glaube, das ist halt einfach sehr unterschiedlich, je nach Paar....Ich bin generell nicht so der Typ, der gern ständig mit einer Person zusammen ist und habe nie so extrem nur als Paar gelebt in meinen Beziehungen....Zusammenwohnen oder in der Nachbarschaft, das heisst nicht automatisch, dass es so oder so läuft. Man hat immer noch einen Gestaltungsspielraum....

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