erzieht euer neuer Partner mit?

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conny-72
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erzieht euer neuer Partner mit?

Beitrag von conny-72 » 31.05.2017 23:30

Hallo alle zusammen

Nun sind es drei Monate, die ich mit meinen Kindern bei meinem Freund wohne.
Eine schwierige Zeit wie ich denke, aber zu glauben, es würde alles reibungslos verlaufen, wäre blauäugig.
Allerdings stellt sich jetzt hetaus, dass mein Freund sich in die Erziehung der Kinder reinhängt.
Das geht beim Sitzen am Tisch los, über den Fernsehkonsum bis hin zu den Bettgehzeiten.
Nicht dass er einen konkreten Plan hätte, Nein, er hackt einfach auf mir und den Kindern rum. Was heute richtig und unbedingt einzuhaltenden Gesetz ist, ist morgen grundverkehrt.
Weiterhin ist eine Komunikation sehr schwierig.
Er bestimmt und wir müssen parrieren. Und wie gesagt, dass alles ohne wirkliches Konzept, oder Stil.
In Grunde geht es ihm ums meckern ansich. Was mich die Frage stellen lässt, was steckt dahinter?
Ich denke, er hat sich eine andere Vorstellung gemacht. Er steht im Mittelpunkt und er hat durch den Zusammenzug ein angenehmes Leben.
Eine Frau an seiner Seite ( wieder) die sich um den Haushalt kümmert, die seine Einsamkeit zerstreut und Kinder, mit denen er tolle Sachen unternehmen kann.
Leider ist es anders gekommen...
diese Frau ist genauso wie seine alte, die lässt sich nämlich seine Paschamanieren auch nicht ohne Komentar gefallen und Kinder, wie sich leider nicht nur bei Bedarf aus dem Regal holen lassen und ansonsten sein Wohlbefinden nicht stören.
Mist, hört sich echt Sch... an, aber so fühlt es sich gerade an.
Und ja, ich liebe ihn, auch wenn das gerade durch die Anpassung etwas stark überlagert ist.
Und auch ich mache Fehler, reagiere mit Rückzug, was sein Gefühl von Mist, läuft nicht so, wie geplant und erträumt noch verstärkt, aber ich kann gerade nicht anders und natürlich schütze ich meine Kinder. ...
Wie ist das bei euch gewesen?
War euer Partner von Anfang an in die Erziehung eingebunden?
Sicher muss er erst das Vertrauen der Kinder erwerben, um wirklich einen Erfolg zu erzielen und sicher bin ichcdie Mutter und erste Instanz. Das will ich mir auch nicht nehmen lassen. Ich finde allerdings, dass ein Erwachsener auch auf gewissen Dingen bestehen darf, wie Achtung vor Eigentum anderer und Respekt. Wenn er da was sagt, bin ich tolerant.
Problematisch finde ich allerdings, wenn er den obligatorischen Freitagabendfernsehabend einfach streicht, weil er seine Ruhe haben will und Zeit mit der Mama verbringen will und das ohne Absprache mit mir...

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Re: erzieht euer neuer Partner mit?

Beitrag von Ria » 01.06.2017 10:06

Hallo conny

Zusammenziehen mit Kindern als Patchworkfamilie ist wirklich hohe Schule, und oft merken wir es erst, wenn wir wirklich mittendrin sind. Denn vorher war es ja die Liebe, die den Wunsch danach gestärkt hat.
Aber ich glaube dass das, was du erlebst eine Phase ist, die wir alle durchmachen, wenn es denn ernst gilt. Zum Glück schreibst du auch, dass du ihn liebst, dass da noch viel anderes Positives ist, von dem du nicht detailliert schreibst, weil dies ja auch nicht das Problem ist.

Beim Lesen sind mir ein paar Gedanken und Fragen gekommen:
- könnte es sein, dass ihr beide mit der Situation so unzufrieden sind, und ihr das einfach verschieden zeigt?
- Wozu braucht es ein Konzept? Hast du eines? Oder kommt dir dieser Gedanke einfach in der Diskussion, wenn ihr euch beide beschuldigt fühlt und nicht weiter wisst und es plötzlich nur noch ums Rechthaben und nicht mehr ums Zuhören, Verstehen und Finden einer Lösung geht?
- Wo ist der Platz deines Partners in dieser Familie? Was hat er zu sagen?
- Was denkst du über ihn, wenn du schreibst, seine Vorstellung sei gewesen,
wieder eine Frau an seiner Seite zu haben, die sich um den Haushalt kümmert, die seine Einsamkeit zerstreut und Kinder, mit denen er tolle Sachen unternehmen kann.
Was wären denn gute Gründe, um zusammen zu ziehen?
- Wenn du schreibst, er hätte Paschamanieren frage ich mich, ob ihr vorgängig miteinander besprochen und vereinbart habt, wer welche Aufgaben übernehmen soll. Das ist aber ganz wichtig für ein gutes Zusammenleben. Gerade ihr beiden Erwachsenen braucht unbedingt eine Lösung, zu der beide ja sagen können ohne sich als Opfer zu fühlen. Und je genauer ihr das aushandelt, desto klarer wird es.
Und die Kinder bekommen das mit, ob ihr euch einig seid und am selben Strick zieht oder nicht.
Und dann würdest du ihm wahrscheinlich auch erlauben, das von den Kindern zu verlangen.

Mir scheint es beim Zusammenwachsen als Patchworkfamilie ganz wichtig, dass die Partner das Zepter übernehmen und in der Hierarchie höher stehen als die Kinder. Sie übernehmen ja auch mehr Verantwortung.
Wenn sie sich dann auf wenige und einfach Familienregeln einigen, die auch den Kindern gegenüber gemeinsam kurz und klar erklärt werden können wird es einfacher. Auch für die Kinder. Die wollen es dir nämlich Recht machen. Und wenn du mit deinem Partner nicht zufrieden bist, spüren sie das und sind verunsichert.

Frag dich und ihn einmal, was ihr braucht, um wieder miteinander auf eine Ebene von Respekt (Akeptanz und Erlaubnis der Unterschiedlichkeit der Partner) aufeinander zuzugehen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten?
Solange ihr beide euch als Opfer des anderen fühlt, ist das unmöglich.

Überleg dir auch, welche Regeln euch vorher schon sehr wichtig waren, wie zum Beispiel den "obligatorischen Freitagabendfernsehabend". Das sind Rituale, die gerade bei dieser neuen Wohnsituation Sicherheit geben. Wenn er das aber nicht weiss, fühlt er sich als Täter in die Ecke gestellt, und dagegen muss er sich wehren.
Ich wünsche euch, dass ihr wieder miteinander ins Gespäch kommt und ohne Vorwurf eure Unterschiedlichkeiten aufdecken könnt. Und dann eben auch respektieren. Denn jeder von uns hat seine eigene Logik, die für ihn stimmt.
Seit 21 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
http://www.coacheria.ch

jane_addams
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Registriert: 09.07.2017 12:39

Re: erzieht euer neuer Partner mit?

Beitrag von jane_addams » 12.07.2017 08:50

Liebe Conny

Phu, ich bin zwar 6 Wochen zu spät. Aber genau dieses Thema beschäftigt mich zurzeit. :D

Ganz ehrlich, ich glaub das hat einfach mit der Rollenfindung zu tun. Hier entsteht ein neues Familiensystem, dass nun sehr viel Aufmerksamkeit braucht. Zudem ist es auch eine sehr empfindliche Zeit, weil einem viele alte Muster und Prägungen bewusst werden.
Ich nehme aber mal an, dass du dir nach einer gescheiterten Ehe einen Partner gesucht hast, mit dem du dir vorstellen kannst, dass ihr euch gemeinsam entwickeln könnt.

Ich erzähle also einfach mal, das was bei mir/uns funktioniert.

Auszeit für uns über 3-4 Tage:

Die Ausrede, dass man niemand hat gilt nicht. Der Kindsvater kann ich zurzeit auch nicht für solche Abenteuer einspannen, deshalb muss ich meine drei Kinder auch immer irgendwie verteilen. Aber das lohnt sich wirklich. Weil dann hat man Zeit für sich als Paar, für sich als Person UND man kann häppchenweise all die Themen besprechen und sich immer wieder bewusst machen, wie sich dies denn für einen anfühlt!

Erwachsenengespräche
Wir schauen, dass wir täglich mind. 30 Minuten für uns zu zweit hinkriegen. Entweder beim Kaffee im Garten, bei einem kurzen Spaziergang. Dort sprechen wir über unseren Alltag. Klären aber auch Erziehungsfragen. Mein Freund "schiesst" manchmal auch rein. Ich konnte ihm aber klar machen, warum ich dann immer so "emotional" reagiere und dass es förderlicher ist, wenn wir unsere Haltung erstmal unter einander besprechen und uns dann auf Themenfelder einigen.

Familiensitzungen
Machen wir so alle 2-3 Wochen. Die sind bei den Kids zwar nicht besonders beliebt, aber hier können wir als Einheit auftreten. Die Federführung habe ich, aber da jeder Themen einbringen kann, ist die Mitwirkung von ALLEN Familienmitgliedern (da zähle ich meinen Freund dazu!!) sehr gross.

Je nach Alltagsdynamik, die meine drei Jungs an den Tag legen, bereite ich auch mal was methodisches vor, weil ihnen das immer "einfährt". Zurzeit sind es eher Sachen, die zum Perspektivenwechsel anregen. Weil das meinen Jungs untereinander sehr schwer fällt, meinem Freund bezüglich der Gefühle, die die Kids haben und mir manchmal wie es meinem Freund wohl bei dieser neuen Konstelation geht.

KJPD etc. bietet auch Begleitungen für diesen Prozess des patchworken an. Evt. frägst du da mal nach. Familienberatungsstellen sind auch eine gute Anlafu stelle, um dir Inputs zu holen. Als erstes braucht es meiner Meinung nach aber ein Gespräch zwischen euch zwei erwachsenen in dem ihr klärt was euch gemeinsam wichtig ist. Dieser Zusammenzug kann ja auch ein toller Nahrboden für ganz viel neues und schönes sein. Dazu brauch es jedoch eine Offenheit von allen Seiten und jedem seine Stimme!

Viel Erfolg und trotz dem ganzen Stress ein paar schöne Stunden, die dir zeigen, für was es sich lohnt!

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