"Notstand" bei Schwiegereltern

Reaktionen, und wie ich damit umgehe...
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Dornenvogel
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"Notstand" bei Schwiegereltern

Beitrag von Dornenvogel » 01.12.2014 15:30

um was geht es:
ich mag meine Schwiegereltern sehr gern, sind mir oft näher als meine eigene Mutter, zu der ich seit vielen Jahren ein schwieriges Verhältnis habe.
Unterdessen sind Schwiegereltern über 80, im Kopf soweit altergemäss im Kopf rüstig, körperlich macht sich jedoch ein signifikanter Abbau bemerkbar. Sie leben in ihrem sehr grossen eigenen Haus mit riesigem Garten. Hausfrau aus Leidenschaft war meine Schwiegermutter noch nie.. der Haushalt war zwar nicht wie ich es gern hätte bei mir, aber soweit ok.
Unterdessen sind aber Seh- Hör- und Gehschwächen soweit fortgeschritten, dass der Haushalt langsam aber sicher völlig verwahrlost ist. Dazu kommt, dass das ganze Haus mit "Erinnerungsstücken" bereits verstorbener Verwandschaft zugemüllt ist.
seit einigen Jahren kümmern sich Enkel gegen Bezahlung (machen die alten Leutchen sehr toll) um den Garten, der ist in Ordnung.
Im Haushalt ist aber vieles im Argen. Sie verweigern vehement eine Putzfrau, da offenbar vor Jahrzehnten mal eine einen Ring mitlaufen liess.. So putzt eine Schwägerin hin und wieder das Gröbste, sie ist aber 100% berufstätig. Seit 2 Jahren "putzt" nun meine Stieftochter dort. "Putzen" haben ich in "" gesetzt, weil die junge Dame vom Putzen schlicht keine Ahnung hat und sie den Dreck mehr "umvertteilt" (auch wenn mein Mann das völlig anders sieht) und bei 2 Stunden im Monat auch keine grossen Erfolge erzielt.
Wir Schwiegertöchter haben das nun thematisiert und sind der Ansicht, dass es so nicht mehr geht und die Geschwister eine Lösung suchen müssen mit den Eltern.
Das andere Problem ist, dass mein Schwiegervater aufgrund seiner Schwindelanfälle und Sehschwäche längst nicht mehr Autofahren sollte, sich aber weigert, den "Brief" abzugeben.
Hinzuzufügen ist, dass sie sowohl mehr als genung Geld für eine Putzfrau hätten, als auch für Taxi...
Eine Schwester meines Mannes wohnt weit weg, die andere macht viel Lärm und mein Mann und sein Bruder bagatellisieren und verschliessen die Augen.

Mein Problem bzw. meine Frage die ich in die Runde stellen möchte:

soll ich die Augen verschliessen wie mein Mann und mein Schwager oder darf ich insistieren?
Sollen wir die Schwiegereltern einfach sein lassen, die Verwahrlosung hinnehmen und den Schmutz übersehen?

Ich bin mir einfach nicht schlüssig, was für alle das Beste ist. Möchte mich eigentlich nicht einmischen, denn es sind die Eltern meines Mannes.
Ist es anmassend, wenn ich das Gespräch mit den Schwiegereltern suche und sie auf die Missstände aufmerksam mache?

wie würdet ihr handeln?

Babell
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Re: "Notstand" bei Schwiegereltern

Beitrag von Babell » 02.12.2014 14:46

Hallo Dornenvogel
Dornenvogel hat geschrieben:Hausfrau aus Leidenschaft war meine Schwiegermutter noch nie..
ich auch nicht! :oops:

Wenn es Spinnennetze an der Decke hat, staubige Regale und Kalkstein im Wc, aber sauber- dann würde ich es dabei belassen und sie noch gewähren lassen. (früher hat man auch weniger auf die Hygiene geschaut als heute)

Wenn es die Leute aber ekelt, aus den Tassen zu trinken, weil sie Schmutzresten beim Abwaschen übersehen, Türklinken anzufassen oder aufs Klo zu gehen, dann muss es mal ganz vorsichtig angesprochen werden.
Bei uns war es so, dass eine der Enkelinnen die sehr jung Mutter wurde, einmal pro Woche die ganze Wohnung geputzt hat. Das war gut, denn sie war eine Person des Vertrauens.
Dornenvogel hat geschrieben:Seit 2 Jahren "putzt" nun meine Stieftochter dort. "Putzen" haben ich in "" gesetzt, weil die junge Dame vom Putzen schlicht keine Ahnung hat und sie den Dreck mehr "umvertteilt" (auch wenn mein Mann das völlig anders sieht) und bei 2 Stunden im Monat auch keine grossen Erfolge erzielt.
Am besten wäre schon jemand aus der Familie, eine Enkeltochter, oder so, die aber auch putzen kann! Also die weiss, auf was es ankommt.

Wie man es anbringen soll und wer, kann ich dir leider nicht weiterhelfen. Solche Themen sind heikel. Auch das mit dem Führerschein ist ein heikles Thema. Mein Grossvater schrie auch erst noch rum, als mein Vater ihm mitteilte, dass er nicht mehr Autofahren solle und fuhr noch eine Weile, bis es ihm der Doktor verboten hatte. Vielleicht könntet ihr es dem Doktor sagen?

Dornenvogel
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Re: "Notstand" bei Schwiegereltern

Beitrag von Dornenvogel » 03.12.2014 21:40

hallo babell,

ich persönlich habe hohe Ansprüche was Sauberkeit und Hygiene anbelangt, obwohl ich natürlich auch meine gewisse Unordnung habe.. aber das ist nicht das Thema und meine Ansprüche projeziere ich auch nicht in andere...

Tatsache ist, dass bei den Schwiegis niemand auf die Toilette geht, es ist einfach nur ein Graus. Das ganze Haus voller Hundehaare ist, ein alter Hund stinkt und verliert Haare und die Spülmaschine einfach nur noch stinkt..
wenn du dort in Socken rumläuftst sind die nachher schwarz...

Jedenfalls habe ich heute den Schwiegis angeboten, dass mein Mann (ihr Sohn) und ich am Samstag putzen kämen.. Die Antwort war, die Tochter habe letzten Samstag schon geputzt und es wäre erst wieder an Weihnachten nötig!! Ganz diplomatisch meinte ich dann, dass wir sehr engagiert und beschäftigt wären und es uns halt leider nur am nächsten Wochenende ginge... worauf meine Schwiegermutter meinte, in einer knappen Stunde seien wir da locker durch...

wir reden hier eigentlich nur um einen verwahrlosten Haushalt...

mein eigentliches Problem ist, wie weit soll, kann , darf ich mich einbringen, bzw. soll ich das den leiblichen Kindern überlassen?

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Re: "Notstand" bei Schwiegereltern

Beitrag von Ria » 04.12.2014 08:08

Dornenvogel hat geschrieben:wir reden hier eigentlich nur um einen verwahrlosten Haushalt...
mein eigentliches Problem ist, wie weit soll, kann , darf ich mich einbringen, bzw. soll ich das den leiblichen Kindern überlassen?
Da gibst du dir eigentlich die Antwort selber, oder nicht? Solange in der Situation niemand gefährdet wird, der sich nicht wehren kann, meine ich, ist es zwar unangenehm, aber es ist irgendwie auch ein Eindringen, in eine Privatsphäre, sich einzumischen.

Aber die Konsequenz daraus ist dann vielleicht, dass du weniger oft da bist, nicht dort auf die Toilette gehen willst...

Auch für die leiblichen Kinder ist dies eine schwierige Frage.

Gibt es andere Dinge, bei denen die Schwiegereltern gerne Hilfe hätten? Manchmal kann auch eine andere Hilfeleistung eine Türe öffnen und so Vertrauen wachsen.
Denn sich selber und erst recht anderen einzugestehen, dass uns etwas über den Kopf wächst, ist eine schwierige Sache, und für diese Generation vielleicht noch mehr?
Und manchmal taucht erst durch eine Krankheit oder einen Unfall die Möglichkeit auf, helfen zu dürfen.

Zum Thema Auto fahren bin ich gleicher Meinung, dass am besten der Hausarzt kontaktiert wird.

Ich habe einmal zum Thema Umgang mit den alternden Eltern ein Buch gelesen, das ich sehr empfehlen kann, weil es beide Seiten - die alten Eltern und ihre erwachsenen Kinder - würdigt:
"Ich kann doch nicht immer für dich da sein" von Bettina Ugolini und Cornelia Cazis
Seit 21 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
http://www.coacheria.ch

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Re: "Notstand" bei Schwiegereltern

Beitrag von Dornenvogel » 05.12.2014 19:51

liebe Ria,

tatsächlich habe ich mir die Antwort eigentlich selber gegeben.. es ist eine Einmischung in ihr Privatleben. Und wenn sich jemand einmischen kann, darf, müsste.. dann sind es die leiblichen Kinder.

Es ist nicht so, dass die Schwiegereltern keine Hilfe annehmen können oder wollen, im Garten z. B. sind sie mehr als froh darüber. Aber Hilfe ist nur dort und so gefragt, dass es genau so ist wie sie es wollen..

Im Haushalt ist es leider so, dass sie aufgrund ihrer Sehschwächen den ganzen Schmutz gar nicht sehen und deshalb für sie auch kein Handlungbedarf besteht. Und sie ausserdem Angst haben, dass man beim Putzen irgendetwas wegwerfen könnte..
Der Schwiegervater wäre wesentlich einsichtiger, aber Schwiegermutter ist sturer als ein Maulesel. Sie hat ihre ganz eigene Weltanschauung und daran wird nicht gerüttelt.

Ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass es mich zwar extrem stört, es aber nicht meine Aufgabe ist zu intervenieren. Es ist tatsächlich Aufgabe der Kinder...und nicht der Schwiegertöchter

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