Zusammenzug

Alles rund um die Partnerschaft
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conny-72
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Zusammenzug

Beitrag von conny-72 » 26.03.2017 04:07

Hallo zusammen

Bin jetzt vor einem Monat mit meinen Kindern ( 7 und 10) zu meinem Freund( 500km) gezogen. Wir kennen uns jetzt seit fast drei Jahren und haben uns trotz Entfernung regelmäßig alle 6 Wochen auch mit Kindern getroffen. Er selbst hat auch Kinder, die allerdings bei ihrer Mutter leben, aber oft bei ihm sind. Die Entscheidung für die Zugrichtung ist gefallen, weil ich keine Familie mehr habe, das Verhältnis zum Vater der Kinder abgründig ist und mein Freund in der Nähe seiner kranken Tochter ( Leukämie vor 4Jahren ) sein möchte. Außerdem sind die Zukunftsausichten am neuen Wohnort für die Kinder viel besser und ich kann auch gutes Geld verdienen. Kurz, ich habe vorher in der " Pampa " gewohnt.

Die Kehrseite ist allerdings, dass ich mich damit in eine Art Abhängigkeit begeben habe. Auch weil wir in sein Haus gezogen sind.

Ich zahle ihm Miete und trage die Kosten für Lebensmittel allein. Außerdem leihe ich ihm für die Kosten für den laufenden Umbau Geld. Meine Kosten Versicherung und Schulgeld für meine Kids trage ich allein. Soweit die finanzielle Situation.

Unser Problem ist nun, dass wir massive Probleme haben, weil mein Partner sich widererwartend wie ein Tier verhält, dass sein Revier verteidigt. Verhaltensregeln aufstellt und mir doch tatsächlich erklären will, wie man eine Waschmaschine bedient und wie ich mich hier den Menschen gegenüber zu verhalten habe.

Er gängelt meine Kinder mit Kleinigkeiten. Sie sollen gerade am Tisch sitzen und er legt ne Decke auf sein gutes Sofa, dass sie es nicht beschmutzen. Wenn sie den Geschirrspüler ausgeräumt haben, motzt er, wenn das Besteck falsch liegt.

Wir verzetteln uns in Kleinigkeiten. Er kann sich von vielen alten Sachen nicht trennen, so, dass für meine mitgebrachten Möbel kein Platz ist.
Ausgemacht war im Vorfeld, auch weil wir uns erst mal finanziell von unseren Scheidungen erholen müssen, zusammen werfen und dann später alles neu. Anfang macht das Schlafzimmer. Das wird gerade renoviert und ein Zimmer für meine Mädels.

Irgendwie haben wir wegen der ständigen Auseinandersetzungen kaum noch Zeit für unsere Liebe. Wir leiden darunter und auch die Kinder. Es geht so viel Zeit für den Umbau drauf,den wir gemeinsam stämmen, dass es sich nur noch wie Katastrophe und Fehler anfühlt.

Ist das normal am Anfang?

Wir lieben uns und wir haben im Vorfeld auch viel geplant und abgesprochen doch irgendwie fühlt sich gerade alles nach Machtkampf an.

Ein bisschen fühle ich mich wie betrogen und ausgenutzt.
Planen tue ich jetzt ein Gespräch über die finanzielle Aufteilung der Kosten. Ich finde, die sollten der verdienstsituation entsprechend verteilt sein. Und auch der Umgang mit den Kids geht gar nicht. Ich werde natürlich immer meine Kinder verteidigen, wenn er ungerecht ist. Da ist noch einiger Redebedarf. Ist allerdings auch in akuten Situationen ein Spagat, weil meine Kids erwarten, dass ich mich für sie einsetze, mein Freund allerdings nicht will, dass ich ihm in den Rücken falle. Werden sie respektlos, weise ich allerdings meine Kinder auch zurecht.

Kann mir bitte jemand etwas Hoffnung geben, dass das nur AnlaufSchwierigkeiten sind? Mein Freund ist auch kein Monster. Weise ich ihn auf bestimmte Dinge hin, ist er sehr einsichtig und wir versuchen eine Lösung zu finden. Aber im Alltag prallen wir immer wieder aufeinander.

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Re: Zusammenzug

Beitrag von BabyOne » 26.03.2017 12:12

Hallo Conny,

tja...

zu einem Partner in ein fertig eingerichtetes Haus zu ziehen, ist natürlich einfach nicht dasselbe wie ein Neustart in einem Heim, das für beide neu ist. Da gibt es Reviere, die neu verteilt werden müssen, und das ist mühsam für alle Beteiligten. So gesehen ist es wirklich ganz normal (und war vorhersehbar) dass es jetzt Reibereien gibt. Ihr hattet halt doch noch keinen gemeinsamen Alltag zusammen, auch wenn ihr euch regelmäßig gesehen habt. Auch das Thema Kindererziehung ist ein Minenfeld, auch das ist normal. Während die Zimmeraufteilung und bestimmte Verhaltensregeln aber noch verhältnismäßig einfach zu regeln sind, ist das Thema Kindererziehung eines, das man langsam angehen muss. Erziehen setzt Beziehung voraus, und Beziehung aufzubauen dauert viel Zeit.

Gut ist, dass er in Gesprächen einsichtig ist. Ohne das ginge es wirklich gar nicht. Man muss eben viel, viel reden und aushandeln. Dazu müssen beide Seiten bereit sein, sich die andere Seite anzuhören und auch mal von eigenen Positionen abzurücken.
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Re: Zusammenzug

Beitrag von Ria » 31.03.2017 09:12

Hallo Conny

Da kann ich BabyOne zustimmen und mich voll in dich hineinfühlen - mir ging es damals genauso.
Wenn Patchworkfamilie schon eine Herausforderung ist, dann noch mehr, wenn wir in das fertige Haus und Revier unseres Partners ziehen, wo er sich schon heimisch fühlt und so eingerichtet ist, wie es für ihn stimmt.
Und wahrscheinlich hat er überhaupt nicht damit gerechnet, dass dies für dich anders ist. Da prallen erst durch den Zusammenzug verschiedene Vorstellungen in Sachen Einrichtung, Familienregeln und Kindererziehung aufeinander.

Und wie du schreibst, seid ihr durch den Umbau auch alle etwas am Limit, da wird man noch empfindlicher. Und gerade dann ist es besonders wichtig, nicht in Vorwürfe zu verfallen sondern gemeinsam auszutauschen, wie es sich für jeden anfühlt und auch gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Menschen sind so unterschiedlich - ihr auch. Das ist per se nicht schlecht oder verurteilenswert, aber dort ist Achtung und Respekt für einander notwendig.
Beispiel:
Er gängelt meine Kinder mit Kleinigkeiten. Sie sollen gerade am Tisch sitzen und er legt ne Decke auf sein gutes Sofa, dass sie es nicht beschmutzen. Wenn sie den Geschirrspüler ausgeräumt haben, motzt er, wenn das Besteck falsch liegt.
Wer hat das "Recht" zu bestimmen, was "Kleinigkeiten" sind? Warum soll er keine Decke aufs Sofa legen, wenn es sonst schmutzig wird? Warum legen deine Kinder das Besteck falsch herum in die Schublade? Was wollen sie damit sagen?
Ich meine, hier geht es genau um diesen Respekt und die Achtung auch vor seinen Wünschen und Vorstellungen. Da geht es um euch beide als Paar, die Familienregeln so aufzustellen, dass ihr BEIDE ihnen zustimmen könnt und auch dein Partner sie von deinen Kindern einfordern darf. Denn er ist auch Chef im Haus wie du. Und er hat recht, wenn er von dir wünscht, dass du ihm nicht in den Rücken fällst. Damit verliert er in der Familie, und das tut auch den Kindern nicht gut.
Und bei einem Familienrat könnten die Kinder auch noch ihre Ideen und Wünsche einbringen - respektvoll.

Dies alles gelingt aber nur, wenn ihr aus dem Machtkampf aussteigt und beide die Bereitschaft mitbringt, gemeinsam eine Lösung zu finden. Ohne Schuldzuweisung oder ähnlich.

Weshalb fühlst du dich betrogen und ausgenutzt? Was hat er dir versprochen und nicht eingehalten?
Oder hattest du vielleicht unausgesprochene Erwartungen, die sich nicht erfüllt haben?
Ich wünsche euch, dass ihr Vereinbarungen treffen könnt, auch im finanziellen Bereich, die für beide stimmen.
Und natürlich immer wieder gute Gespräche und auch Momente der Freude und des Lachens miteinander.
Seit 22 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
http://www.coacheria.ch

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Re: Zusammenzug

Beitrag von conny-72 » 31.03.2017 09:57

Hallo RIA
Erst mal Danke für deine offene Antwort. In vielen Dingen hast du recht. Aber zum Bsp. die Sache mit dem Besteck, muss ich ehrlich sagen, stelle ich die Tatsache, dass meine 7 jährige Tochter beim Besteck wegräumen hilft, über das Bedürfniss meines Freundes. Mit Löffeln, die in der falschen Richtung liegen, sollte ein erwachsener Mann fertig werden können. Und ja, DAS sind dann Kleinigkeiten.
Und enttäuscht bin ich nicht, weil ich nicht schalten und walten kann, wie ich möchte, sondern, weil wir diese Schwierigkeit in Vorfeld besprochen hatten und er sogar meinte, am liebsten würde ich alles rauswerfen und wir würden uns neu einrichten.
Geht natürlich jetzt erst mal nicht, aber dass ich mich hier mit ihm wegen der Deko( künstliche Sonnenblumen) seiner Exfrau rumstreiten muss, sehr ich nicht ein. Großer Karton und auf den Boden, wenn er sich nicht trennen kann.
Ich hatte vor meiner Trennung auch ein volles Haus. Bin mit den Kids nur mit den Kinderzimmer ausgezogen, weil mein Ex die Richter entscheiden lassen wollte, wem was gehört. Und in den zwei Jahren meines Single Lebens, habe ich mich von allem getrennt, habe nichts mehr aus meiner Ehe, also hält sich die Herausforderung hier auch in Grenzen.
Ich will nur einfach nicht einfach in sein altes Leben einziehen. Aber das hatten wir im Vorfeld klar besprochen und haben sogar den Umzug noch 6 Monate verschoben, weil eben noch nicht alles in alten Leben geklärt war.

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Re: Zusammenzug

Beitrag von Ria » 01.04.2017 18:45

Hallo Cony

Natürlich hast du in allen Punkten recht.
Und würde dein Partner seine Version des gemeinsam Erlebten beschreiben, hätte auch er absolut recht – aus seiner Sicht.

Ich mache in meinen Beratungen für Patchworker regelmässig die Erfahrung, dass beide Seiten gerade zu Beginn der gemeinsamen Patchworkerfahrung ihr Bestes geben. Ehrlich! Und es lohnt sich, dies auch versuchen, so anzuschauen und wertzuschätzen.

Dies ist so aus ihrer Sicht :? Auch wenn das bei der anderen Seite nicht immer so ankommt oder sich so anfühlt.

Deshalb nützt es auch mehr, wenn wir einander mit Interesse und Grosszügigkeit fragen, wie der Partner dazu kommt, sich so zu verhalten, als ihn dafür zu kritisieren. Dies erzeugt nämlich nur Widerstand und führt zu Machtspielen.

Und oft ist es auch noch so, dass wir ganz ähnliche Gefühle dabei haben, wie wir vom anderen behandelt werden:
Könnte es vielleicht sein, dass es deinem Partner – wenn er dafür kritisiert wird, dass er von den Kindern verlangt, dass sie das Besteck richtigherum einräumen – gleich geht wie dir, wenn du dafür kritisiert wirst, wie du die Waschmaschine bedienst?

Jedenfalls lohnt es sich, dies einmal mit etwas Distanz anzuschauen und einander ohne Bewertung oder Vorwurf darüber zu erzählen. Denn viele Konflikte entstehen aus Missverständnissen!
Seit 22 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
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Re: Zusammenzug

Beitrag von fra » 05.04.2017 16:38

Liebe Conny

Deine Situation kommt mir sehr bekannt vor, einfach mit umgekehrten Vorzeichen. Mein Freund und ich sind ähnlich lange zusammen wir ihr, vor etwas mehr als einem Jahr ist er bei mir eingezogen, in das Haus, in dem ich seit bald elf Jahren wohne. Ebenfalls hier wohnt mein zehnjährigen Sohn. Ich war mir von Anfang an bewusst, dass ich Platz schaffen muss, dass dieses Heim ein anderes werden wird und ich wollte diesen Zusammenzug und habe mich wirklich darauf gefreut. Und noch immer fühlt sich das Zusammenwohnen auch sehr richtig an. Ich möchte, dass mein Freund sich hier zu Hause fühlt.

Wir haben ebenfalls Pläne geschmiedet und ich habe mir vieles sehr konkret vorgestellt. Nun merke ich aber, dass ich für diese Umstellung viel mehr Zeit brauche, als ich ursprünglich erwartet hätte. Natürlich ist dieses Haus voller Erinnerungen, voller Geschichte. Jedes Möbelstück könnte eine erzählen und ich tu mich ehrlich gesagt recht schwer damit, mich von diesen Dingen zu trennen. Ich tue es, aber es kostet mich mehr, als ich gedacht hätte. Und es geht viel langsamer vorwärts als wir geplant haben. Ich muss diese Metamorphose langsam vollziehen können. Dass ich Mühe mit Neuerungen und Übergängen habe, das weiss ich von mir. Deswegen spüre ich, dass ich mir und auch meinem Sohn in dieser Zeit, so weit es geht, Sorge tragen muss. Ich bin froh, dass mein Freund mir diese Zeit lässt. Gut ist, dass wir uns immer darüber austauschen können. Er macht einen Vorschlag, ich komme mir erst vor, als wäre ein Bulldozer über mich hinweggefahren, (ist natürlich nicht so) Grübel, grübel und nach ein paar Tagen kann ich der Neuerung dann auch etwas abgewinnen. Und nach weiteren Tagen (oder Wochen) machen wir uns dann an die Umsetzung.

Deswegen denke ich, dass ihr gute Voraussetzungen habt: ihr habt gemeinsam geplant, dein Freund ist grundsätzlich einverstanden und ihr könnt euch über die anstehenden Änderungen und auch die Schwierigkeiten austauschen. Vielleicht braucht er auch einfach etwas mehr Zeit? Ich habe gemerkt, dass ich den Zeitfaktor bei Patchwork allgemein etwas unterschätzt habe - es braucht immer mehr davon, als erwartet. Aber es ist natürlich wichtig und notwendig, dass du dich in deinem neuen zu Hause auch zu Hause fühlen kannst!

Ich drücke dir ganz fest die Daumen!

Liebe Grüsse

fra

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Re: Zusammenzug

Beitrag von fra » 05.04.2017 16:48

Was ich noch vergessen habe: wir sind auch am Umbauen und da liegen die Nerven oft blank und die Zeit zu zweit kommt viel zu kurz. Wünsche euch deswegen ganz viel Zeit für euch mit unbeschwerten Themen!

Herzliche

fra

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Re: Zusammenzug

Beitrag von conny-72 » 05.04.2017 18:54

Hallo fra.

Herzlichen Dank für deine Antwort.
Es hilft immer, den Standpunkt des anderen auch aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dein Beitrag hat mir da sehr geholfen. :applaus:
nun sind wir ja jetzt erst seit einigen Wochen ein wirkliches Paar im Sinne von Zusammenleben.
Und jeder hatte auch schon ein Leben vorher und seinen eigenen Stil und Erfahrungen. Diese reibungslos anzupassen kann eigentlich nicht reibungslos funktionieren.
Mein Freund hat vor allem mit seiner Kommunikation zu kämpfen. Er kann schnell verletzend werden, aber er versucht jetzt daran zu arbeiten, weil ich das im Gegensatz zu seiner Frau nicht so leicht wegstecke.
Ich versuche nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. So versuchen wir jeder an uns zu arbeiten.
Schwierig ist auch die unterschiedlichen Erziehungsstile zu vereinbaren. Er erzieht sehr viel bei meinen, ich an seinen gar nicht. Ich finde, die beiden haben Eltern. Sie leben allerdings auch nicht ständig bei uns. Das macht es für mich einfacher. Dazu kommt, dass ich mich mit seiner Exfrau sehr gut verstehe und wir viel abstimmen.
Im großen und ganzen ist in der letzten Woche einiges und Rollen gekommen. Auch wenn wir nicht wirklich miteinander reden können, versucht jeder seinen Beitrag zu leisten, denn glücklich ist keiner von uns mit der Situation.
zur Unterstützung habe ich jetzt parallel auch noch einen Beratungstermin bei der Familienhilfe. Die können mich sicher auch noch zusätzlich unterstützen.
So hoffe ich, dass wir uns jetzt doch auf einen guten Weg begeben....

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