Zusammenziehen, unklare Betreuungssituation

Alles rund um die Partnerschaft
Antworten
Papillon
Beiträge: 6
Registriert: 17.01.2017 21:42

Zusammenziehen, unklare Betreuungssituation

Beitrag von Papillon » 17.01.2017 23:56

Liebe Alle

Ich bin neu hier angemeldet aber habe schon seit einigen Monaten viele Forenbeiträge von euch interessiert verfolgt und gelesen. Diese haben mir auch schon sehr geholfen und mir gezeigt, dass meine Gedanken und Empfindungen durchaus „normal“ sind und es auch anderen so geht.
Momentan stehen bei mir viele Veränderungen an und ich merke, dass ich wirklich Ratschläge oder Tipps von „Gleichgesinnten“ brauche um mich wieder ordnen zu können.
Seit zwei Jahren bin ich mit meinem Freund zusammen. Er ist schon lange geschieden und hat 2 Kinder im Teenageralter (Junge und Mädchen). Er betreut seine Kinder regelmässig: Jede Woche übernachten sie einmal bei ihm und alle 2 Wochen bleiben sie dann gleich bis Sonntag (4 Tage). Ich selber habe keine Kinder.
Bis jetzt hatten wir getrennte Wohnungen. Der Wunsch nach Zusammenziehen ist dann halt auch bei uns aufgetaucht und nun ziehen wir in ein paar Wochen zusammen in eine neue Wohnung, so dass es für alle ein Neuanfang wird. Bis jetzt komme ich mit seinen Kindern gut klar, aber mache mir schon auch meine Gedanken wie das dann sein wird, wenn ich eben nicht nur der Gast bin sondern es eben auch meine Wohnung ist.
Eine grosse Belastung ist für mich die momentane Betreuungssituation: Die Mutter gibt immer wieder den älteren Sohn zu meinem Freund, da es ihr gesundheitlich nicht so gut geht. Wie genau es ihr geht, weiss ich auch nicht. Es scheint physischer und psychischer Art zu sein.
Dieses „Die Kinder (momentan der Sohn) immer mal wieder spontan ausserhalb der abgemachten Zeiten“ abgeben, geht nun bereits seit 1,5 Jahren so. Mal gibt es Phasen, da läuft alles nach Plan und dann kommen wieder sehr intensive Phasen, da läuft nichts nach Plan. Ich weiss, dass das Leben nicht immer nach Plan läuft, aber im Hinblick aus Zusammenziehen macht es mir einfach Angst! Ich finde es selbstverständlich, dass wir die Kinder zu uns nehmen, wenn es der Mutter nicht gut geht. Als Ausnahme, aber doch nicht einfach so willkürlich, nicht planbar und so oft! Wie soll ich damit umgehen? In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Eines sagt, dass ich doch um Himmelswillen nicht so kindisch sein soll und halt Verständnis zeigen soll. Das andere möchte sich aber nicht ständig an andere Leute anpassen und fremdgesteuert werden. Ich kann mich gar nicht mehr auf die neue Wohnung freuen und bereue irgendwie diesen Entschluss zum Zusammenziehen. :aberhallo:
Hinzukommt, dass mein Freund tw. unregelmässig arbeitet und dann mit der gemeinsamen Wohnung die ganze Betreuung der Kinder bei mir liegen würde. Auch hier: Ich unterstütze meinen Freund gerne, aber es kann doch nicht sein, dass ich dann zu den Kindern schauen muss zumal ich 100% arbeite, mein Freund tw. sogar bis zu 150% (unregelmässig) und seine EX gar nicht arbeitet.
Mein Freund kennt meine Gedanken, wir haben schon oft darüber gesprochen.

Was kann ich tun? Gar nichts? Einfach alles aushalten? Ich bin euch sehr für eure Tipps und Gedanken dankbar.

Papillon

Dornenvogel
öfters hier
öfters hier
Beiträge: 72
Registriert: 28.10.2014 17:06

Re: Zusammenziehen, unklare Betreuungssituation

Beitrag von Dornenvogel » 18.01.2017 20:59

hallo Papillon,

willkommen in der Patchworkfamilie... ich mag übrigens Schmetterlinge sehr, sie sind so leicht, schwerelos und farbig und fliegen so unbeschwert von Blüte zu Blüte... du scheinst da ein ernsthafter Sommervogel zu sein...

warum ich dir antworte? Mir ging es sehr ähnlich wie dir mit den Stiefkindern vor bald 15 Jahren. Obwohl die damals 11 und 14jährigen Kinder "offiziell" bei der Mutter lebten und für den Vater eine (theoretische) Wochenendregelung bestand, (was die Ex im Übrigen so im Trennungsvertrag festgehalten hatte und dabei ging es hauptsächlich um den Unterhalt für die Ex), gab es dann in Tat und Wahrheit überhaupt keine Regelung. Die Kinder ebenso wie der Hund tauchten zur jeder Tages- und Nachtzeit beim Vater auf, blieben von 1h bis 2 Wochen... Es war schlussendlich so, dass die Ex und die Kinder unser ganzes Paardasein dominierten. Gemütlicher Kuschelabend vor dem Cheminée und ein Glas Wein? Garantiert trampelte Stieftochter rein und musste den ganzen Samstagabend Mathe und Latein mit Papa büffeln, weil sie ja die Woche drauf eine Prüfung hatte und weils dann ja schon so spät war und die Mama eh im Ausgang war, blieb sie gleich das ganze Wochenende :evil: . Ausschlafen am Sonntagmorgen nach einer anstrengenden Arbeitswoche? Garantiert stand am Sonntagmorgen um 6 Stieftochter im Schlafzimmer und war überzeugt, dass ihre Wanderschuhe irgendwo bei Papa sein müssten... und da die Mama eh nicht zuhause sei, könne er sie auch subito noch zum Bahnhof fahren... :oops:
Hatten wir Theaterkarten verunfallte garantiert der Stiefsohn mit dem Velo und da die Mama eh wieder nicht zuhause war, musste Papa statt ins Theater mit Sohnemann zum Arzt... :twisted:

Und als ich mich dann doch hinreissen liess, mit meinem jetzigen Mann zusammenzuziehen, dauerte es genau 3 Wochen und dann zog Stieftochter (obwohl sie mich hasste und das bis heute tut) mit Sack und Pack bei uns ein... :applaus:

Retrospektiv gesehen war das Ganze ein einziges Desaster und wirklich gelitten darunter habe ausschliesslich ich. Denn wie das auch du beschreibst, die hauptsächliche Betreuungsarbeit, angefangen von putzen, einkaufen, kochen, waschen etc. fand ausschliesslich durch mich statt. Aber das alles entscheidene Problem bei uns war, dass meine Stiefkinder mich weder als (Mit) entscheidungsträgerin akzeptierten noch irgendwie respektierten und mein Mann mich auch in keinerlei Weise unterstützte bzw. seinen Kindern vermittelte, dass ich in der familiären "Hierarchie" über ihnen stehe sondern er im Gegenteil, jegliche Ausraster und Frechheiten, Grenzüberschreitungen etc. kommentarlos akzeptierte und im Zweifelsfall eher auf mich losging als auf seine Kinder.

Ich weiss halt nicht, wie dein Freund sich die gemeinsame Zukunft vorstellt. Ob die Kinder eines Tages ganz bei euch wohnen.. und vor allem, wie sieht er DEINE Rolle in dem ganzen Stück? Unterstützt er dich? Ich finde deine Zweifel jedenfalls mehr als berechtigt und du musst wirklich ind dich gehen, ob du im Fall des Falles auch wirklcih bereit bist, alle Konsequenzen zu tragen und deine Stiefkinder zu betreuen.

Papillon
Beiträge: 6
Registriert: 17.01.2017 21:42

Re: Zusammenziehen, unklare Betreuungssituation

Beitrag von Papillon » 19.01.2017 22:33

Danke Dornenvogel für deine ehrlichen Worte und Gedanken. Mein Freund selber ist mit dieser Situation völlig überfordert. Er weiss zwar, dass ich über diese Entwicklung mehr als besorgt bin und möchte ja auch verbindliche Abmachungen, aber er kann sich nicht durchsetzen. Mit "durchsetzen" meine ich primär, dass endlich dem Gesundheitszustand der Ex nachgegangen wird, damit endlich Klarheit herrscht, was da los ist und wie es dann weitergeht. Für die Kinder ist dies ja auch eine völlige instabile Situation, die gar keine Verlässlichkeit bietet. Und je nach Befund kämen die Kinder dann ganz zu uns und auch das macht mir, wie gesagt, Angst. Ich fühle mich momentan in einer richtigen Sackgasse: Ich verstehe die Situation, kann sie analysieren und merke dabei, dass es einfach unglückliche Umstände sind, die da gerade vorherrschen, ich kann alle Beteiligten und ihre Reaktionen gut nachvollziehen und verstehen, aber gleichzeitig merke ich einfach stark in mir drin, dass es mir die Luft zum Atmen nimmt.
Meine innere Stimme flüstert mir eben leider immer öfter zu, dass der Entschluss zusammenzuziehen ein Fehler :oops: war und ich mich wirklich frage, was ich mir damals wohl dabei gedacht habe.
Nun ja, wir werden es sehen. Kommt Zeit, kommt Rat.

Benutzeravatar
BabyOne
Forumsoldie
Forumsoldie
Beiträge: 698
Registriert: 10.01.2009 20:56
Wohnort: Bayern

Re: Zusammenziehen, unklare Betreuungssituation

Beitrag von BabyOne » 20.01.2017 18:01

Hallo Papillon,

zwei Kinder im Teenageralter brauchen für meine Begriffe nicht dauernd Unterstützung oder Betreuung. Das heisst, auch wenn Dein Partner mal nicht da ist bedeutet das doch nicht, dass Du Dich deswegen zeitaufwändig um sie kümmern musst. In dem Alter hocken sie eh meist in ihrem Zimmer. Meine Tochter ist 13 und mittlerweile habe ich das Gefühl am Tag kaum noch fünf Minuten mit ihr zu sprechen, und zwar inklusive "aufstehen!", "hast Du die Hausaufgaben gemacht?" und "Gute Nacht!".

Was den Gesundheitszustand der Exfrau angeht, würde ich mir nicht die Mühe machen da irgendwas klären zu wollen. Entweder ist sie wirklich krank - da kann man eh kaum etwas vorhersehen. Oder sie nutzt das nur als Ausrede um die Kinder abzuschieben - dann wird sie das aber nicht zugeben und somit auch nicht absprechen oder klären lassen.

Diesen Wunsch Dinge planen zu können kann ich gut nachvollziehen. Ich konnte es früher auch nicht leiden wenn ich von der Arbeit kam und mein Stiefsohn mich unerwartet anstrahlte. Ich war einfach nicht drauf eingestellt und er brachte meine Pläne durcheinander. Er war damals allerdings noch klein, das ist bei Dir ja anders.

Meiner Erfahrung nach ist es so - Du kannst nichts an den Umständen ändern. Die Exfrau tut das was sie eben tut, die Kinder existieren und Dein Partner ist eben ihr Vater, und natürlich werden sie zu ihm kommen wenn die Mutter ernsthaft krank sein sollte. Es kommt ganz entscheidend darauf an, wie Du die Situation sehen kannst. Siehst Du die Anwesenheit der Kinder als Eingriff in Deine Privatsphäre, wird es schwer. Kannst Du es so sehen, dass ihr eine Wohnung habt, wo jeder seinen privaten Bereich hat - Kinderzimmer für die Kinder, Elternzimmer für die Eltern, und Räume für alle gemeinsam - und kannst Du Dich mit Deinem Partner über Regeln einigen, die Deine Sphäre schützen (Anteile an der Hausarbeit, Benehmensregeln für die Kinder in eurer Wohnung, Konfliktlösungsregeln und so weiter), dann kann was Gutes draus werden. Es erfordert viel Abstimmung, immer wieder Gespräche mit allen Beteiligten und es ist nicht mit dem einen Entschluss getan, zusammen leben zu wollen. Es ist ein Prozess, der lange dauert und in den alle einbezogen werden müssen. Du musst für Dich selber wissen, ob Du dazu bereit bist, so einen etwas mühsamen Prozess mitzumachen und dem Ganzen eine Chance zu geben. Wenn Du mit den Kindern bisher gut klar kommst, brauchst Du doch eigentlich keine Angst zu haben.
Patch von 2002/2003 bis 2017
eine gemeinsame Tochter 15 J.

Babell
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 887
Registriert: 21.05.2010 15:04

Re: Zusammenziehen, unklare Betreuungssituation

Beitrag von Babell » 23.01.2017 15:16

Hallo Papillon

Ich kann verstehen, dass du Angst hast, aber Angst ist ein sehr schlechter Ratgeber!

Es gibt zwei gute Bücher, die mir geholfen haben, das eine ist Glückliche Stiefmutter von Katharina Grünewald und das andere ist Leben in Patchwork Familien von Gerhard Bliersbach. Beide kennen die Stiefmutter/vater Rolle aus eigenem Erleben.

Als ich damals zu meinem Freund zog und es war eine Woche vor den Ferien, schickte die Exfrau das in ihren Augen schwierigere Kind spontan zu ihm in die Ferien! Unabgesprochen! Der Schuss ging jedoch nach hinten los, denn die Beziehung zu ihrem Kind wurde gut statt schlecht. Allerdings war das erste halbe Jahr schon sehr hart. Ich wohnte frisch dort, kam von der Arbeit nach Hause, wollte etwas tun, dann donnerte die Haustür auf und das zehnjährige Kind rief: ist mein Vater nicht hier? Und auf mein "Nein" klatschte er sie wieder zu und rannte nach draussen. Kurze Zeit später kam mein Freund und suchte besorgt seinen Sohn draussen... Es war nicht ganz einfach. Ich glaube, es war auch immer noch in jenen Ferien (die dauerten ja etwa drei Wochen), dass ich bei meiner Mutter mit Pijama und Zahnbürste ankam und fragte, ob ich zu Hause wohnen könne, bis ich was fände. Meine Mutter hörte mir zuerst zu, machte Tee und trocknete Tränen und dann schickte sie mich zurück mit guten Ratschlägen. Also kam ich spät nachts wieder bei meinem Freund an.

Du darfst es nicht persönlich nehmen, wenn sie dich anfangs ablehnen würden!
Sie wollen einfach nicht, dass ihre Mutter plötzlich nicht mehr ihre Mutter sein könnte. Es ist eine Bedrohung für ein Kind, wenn plötzlich jemand anderes "das sagen" hat. Es ist auch eine Bedrohung hinsichtlich der Beziehung zum Vater. Er könnte ja die neue Freundin lieber haben. Ausserdem ist der Schmerz nach einer Trennung nicht zu verachten. Mit deinem Einzug kann es sein, dass ihnen klar wird, dass die Eltern getrennt sind. Kinder sind nämlich Meister in der Verdrängung. Eine Freundin von mir war geschockt, als ihr Kind nach zehn Jahren der Lehrerin erzählte, es wolle dass die Eltern wieder zusammen kommen. (zehn Jahre getrennt waren sie damals schon!) Und es gab nie ein Zeichen, dass sie besonders unter der Trennung gelitten hatte.

Viel Glück beim Finden der Rolle in der (zerbrochenen) Familie. und als Tipp: wenn du sie dir selber zuteilst, können die anderen dir keine Rolle zuteilen!

Benutzeravatar
Ria
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 516
Registriert: 20.03.2010 07:41
Wohnort: Stäfa
Kontaktdaten:

Re: Zusammenziehen, unklare Betreuungssituation

Beitrag von Ria » 23.01.2017 16:04

Hallo Papillon und herzlich Willkommen in unserem Forum!

Ich kann deine Bedenken sehr gut vestehen, ein solcher Zusammenzug ist ein grosses Wagnis und braucht die Bereitschaft aller Beteiligten, dass es mit der Zeit angenehm wird. Aber es werden immer wieder mal Fetzen fliegen, auch wenn es gut läuft. Und es ist natürlich nie dasselbe, als wenn du nur mit deinem Partner zusammenziehen würdest. Aber der ist schliesslich Vater, und den gibt es also nur MIT Kindern "im Rucksack". Und so wie er sich gerade verhält, macht er es sogar ziemlich gut, er nimmt seine Verantwortung als Vater auch dann wahr, wenn es nicht nur eitel Sonnenschein ist. Und gerade das macht ihn ja auch attraktiv :)

Die Basis für euer gelingendes Zusammenleben seid ihr beiden Partner, die Erwachsenen. Wenn ihr beide es schafft, am selben Strick zu ziehen und immer wieder zusammen Lösungen in schwierigen Situationen erschafft, kann dies eine grosse Bereicherung für alle Beteiligten werden, auch für dich!
Gleichzeitig habt ihr die Mutter der Kinder nie unter Kontrolle, und werdet sie nie haben. Das ist so. Denn die Abgrenzung deines Partners kann nie so konsequent durchgezogen werden, weil es sich um seine Kinder handelt, und nicht einfach um Möbelstücke.
Mit dieser Voraussetzung kannst du nie ganz sicher sein, ob seine Kinder in eure Zweisamkeit platzen werden. Und dies vor allem deshalb, weil sie sich auf ihren Vater verlassen können. Das ist für seine Kinder ein wichtiger Rückhalt für ihr ganzes Leben, das Beste, was er ihnen bieten kann.
Das gehört zu diesem Gesamtpaket, das du dir in dein Leben geholt hast. Und es liegt ganz viel Potenzial drin.
Aber nur, wenn du dabei auch gut für dich schauen kannst. Und da kann ich nur Babell mit ihrem Buchtipp "Glückliche Stiefmutter" von Katharina Grünewald zustimmen. Denn dort geht es genau darum. Es ist mein liebstes Patchworkbuch.

Auch den Tipp von BabyOne für die Privatsphäre würde ich unbedingt berücksichtigen. Du brauchst ein Zimmer oder eine Ecke, die für die Kinder tabu ist, wo du dich zurückziehen und auftanken kannst. Dafür ist es genau passend, eine neue Wohnung zu beziehen, wo du diese Pflöcke von Anfang an einsetzen kannst.

Ganz grundsätzlich möchte ich dir noch ans Herz legen, dass du die Zeit, wenn die Kinder bei euch sind und du dabei bist, mitgestaltest, dazu beiträgst, dass es auch dir Spass macht, mit ihnen Familienzeit zu verbringen. Aus diesen gemeinsamen Erlebnissen kann dann mit der Zeit Beziehung entstehen. Das nützt mehr, als wenn du dich einfach im Hintergrund hältst und dann zu kurz kommst.

Und ich möchte noch gerne BabyOne zitieren, weil mir das so gefallen hat:
Meiner Erfahrung nach ist es so - Du kannst nichts an den Umständen ändern. Die Exfrau tut das was sie eben tut, die Kinder existieren und Dein Partner ist eben ihr Vater, und natürlich werden sie zu ihm kommen wenn die Mutter ernsthaft krank sein sollte. Es kommt ganz entscheidend darauf an, wie Du die Situation sehen kannst. Siehst Du die Anwesenheit der Kinder als Eingriff in Deine Privatsphäre, wird es schwer. Kannst Du es so sehen, dass ihr eine Wohnung habt, wo jeder seinen privaten Bereich hat - Kinderzimmer für die Kinder, Elternzimmer für die Eltern, und Räume für alle gemeinsam - und kannst Du Dich mit Deinem Partner über Regeln einigen, die Deine Sphäre schützen (Anteile an der Hausarbeit, Benehmensregeln für die Kinder in eurer Wohnung, Konfliktlösungsregeln und so weiter), dann kann was Gutes draus werden. Es erfordert viel Abstimmung, immer wieder Gespräche mit allen Beteiligten und es ist nicht mit dem einen Entschluss getan, zusammen leben zu wollen. Es ist ein Prozess, der lange dauert und in den alle einbezogen werden müssen. Du musst für Dich selber wissen, ob Du dazu bereit bist, so einen etwas mühsamen Prozess mitzumachen und dem Ganzen eine Chance zu geben. Wenn Du mit den Kindern bisher gut klar kommst, brauchst Du doch eigentlich keine Angst zu haben.
Ich wünsche dir und deinem Partner, dass eure gemeinsame Liebe schlussendlich mehr zählt als die Schwierigkeiten, die logischerweise auftreten werden und an denen wir wachsen können.
Seit 22 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
http://www.coacheria.ch

Babell
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 887
Registriert: 21.05.2010 15:04

Re: Zusammenziehen, unklare Betreuungssituation

Beitrag von Babell » 25.01.2017 15:07

Hallo Papillon,

Ich schreibe eher ein bisschen in Richtung "Grenzen setzen". Jede Patchworkfamilie ist anders. Du weisst selber, wie es bei Euch aussieht. Ich schreibe bloss von meinen persönlichen Erfahrungen.
BabyOne hat geschrieben:Die Exfrau tut das was sie eben tut
das stimmt, aber man muss ihr Einhalt gebieten, wenn sie die Grenzen völlig überschreitet. Da kommt dann schon das nächste Problem: Der Vater tut was er eben tut! Er ist ebenfalls bloss ein Mensch mit einem bestimmten Charakter und wenn er eben den Charakter hat, dass er sich von der Exfrau einnehmen lässt, dann betrifft das dich auch. Dann musst plötzlich du die Grenzen gegenüber dem Partner setzen und das ist ganz unromantisch. Wenn du dich bereits hier meldest, dann bist du offenbar keine Person, die sich einfach die Grenzen übertreten lassen will. Und somit sind die Konflikte da!
Leider am falschen Ort! Denn die Konflikte sind aus der Partnerschaft der beiden Expartner und die neue Partnerschaft versucht die Konflikte zu lösen!
Bei uns war das auch so. Was hätten wir anders tun können? Sie lud ihre Verantwortung auf uns, mein Freund nahm sie an und überlud dann das, was er nicht buckeln konnte, auf mich. Die Kinder nahmen wo sie konnten, wie alle Kinder.

Was bleibt, ist Verständnis, Wahrung der eigenen Grenzen, Bedürfnisse erkennen und anbringen, und Stolz: Wir haben es bis hierhin überstanden und ich habe kein Burnout erlitten! Denn wenn man immer die Probleme anderer buckelt, und nicht mal genau weiss, warum und was die denn für Probleme haben und die auch nie zur Sprache kommen, da ja alles "gut" ist, (solange die anderen machen, was sie/er will...) dann versteht man es einfach nicht und sucht die Probleme bei sich selber. Ich war dann dummerweise noch der Typus Mensch, der immer dachte, alle Menschen wollen nur Gutes, wenn sie nett zu mir sind, aber das stimmt nicht. Jeder Mensch hat Eifersucht, Neid, Missgunst, sogar wenn es um Kinder geht - vielleicht vor allem wenn es um Kinder geht?

Dornenvogel
öfters hier
öfters hier
Beiträge: 72
Registriert: 28.10.2014 17:06

Re: Zusammenziehen, unklare Betreuungssituation

Beitrag von Dornenvogel » 25.01.2017 17:57

babell, bei uns war es eben auch so! Die Ex delegierte alles Unangenehme an den Kindsvater ab, weil er den Konflikt mit ihr und ihre hysterischen Anfälle zu meiden versuchte wie der Teufel das Weihwasser...
Somit hiess das, dass der Druck auf mich weitergegeben wurde... bzw. ich als Partnerin ebenfalls involviert wurde, ob ich wollte oder nicht. Denn wie konnte ich mich raushalten, wenn wir ein offiziell "kinderfreies" Wochenende hatten und ich mich darauf freute, und dann Freitagabend trotzdem die Kinder samt Hund dastanden, weil die Ex eben kurz eine Planänderung beschloss.... und die nächsten 4 Wochenenden dasselbe?

Ich denke, wenn nicht von allen Partnern ein Minimum von Kooperationsbereitschaft da ist, wird eine Abgrenzung sehr schwierig. Und Leidtragende ist schlussendlich derjenige, der sich am wenigsten abgrenzen kann. Und wie Babell bemerkte, die Kinder nehmen sich in der Regel, was sie kriegen können.

Papillon
Beiträge: 6
Registriert: 17.01.2017 21:42

Re: Zusammenziehen, unklare Betreuungssituation

Beitrag von Papillon » 26.01.2017 23:37

Ja, das mit den kinderfreien Wochenenden, die einfach spontan ausfallen, belastet mich auch sehr. Auch auf die Gefahr hin, dass mich nun vielleicht einige als egoistisch empfinden: Aber gerade für mich als Nichtmutter sind diese kinderfreien Wochenenden wichtig! Das, was Dornenvogel schreibt, passiert jetzt im Moment und dies ist ja auch nicht das erste Mal.
Ich schätze es wirklich sehr, dass mein Freund so verantwortungsvoll ist und seine Rolle als Vater so toll wahrnimmt. Ich weiss, wie es ist, wenn der Vater diese Verantwortung nicht übernimmt/übernehmen kann. Und ich unterstütze ihn sehr darin, für seine Kinder da zu sein, eben weil ich weiss, dass es für die Entwicklung enorm wichtig ist, dass beide Elternteile präsent sind. Als wir uns eine Wohnung gesucht haben, war es mir sehr wichtig, dass wir uns eine genug grosse Wohnung nehmen, die allen genug Platz aber auch Rückzugsmöglichkeiten bietet. Gerade weil man ja nie weiss, ob die Kinder nicht plötzlich mehr bei uns sein werden.
Mit diesen Wochenenden gerate ich aber dennoch in einen Teufelskreis: Beim ersten Wochenende, das ins Wasser fällt, denkt man noch "Ja, kein Problem, das kann ja schon mal vorkommen." Beim nächsten freut man sich schon mehr, aber es kommt wieder anders. Nun fängt diese Unzufriedenheit an zu nagen. Beim dritten geplatzten Wochenende kann man es nicht mehr so auf die leichte Schulter nehmen und man ist bereits leicht genervt von der Gesamtsituation. Und so geht es dann immer weiter......
Wenn wenigstens diese Wochenenden mehr oder weniger eingehalten würden, hätte ich auch weniger Bammel vor dieser insgesamt ungewissen Situation. Vielleicht klammere ich mich auch einfach zu fest an diese Wochenenden, weil ich da mal nicht das Gefühl habe, von jemand anderem verplant zu werden, sondern ich resp. mein Freund und ich nach Lust und Laune spontan entscheiden können.
Wo meine Grenzen liegen, werde ich in den nächsten Wochen/Monaten mit Sicherheit herausfinden.

@Ria: Danke für den Buchtipp, habe es mir schon bestellt und warte sehnlichst darauf. :wink: Das stimmt sicherlich, dass es die Partnerschaft stärkt, wenn man gemeinsam schwierige Situationen meistert. Aber nach 2,5 Jahren Beziehung habe ich bereits den Eindruck, dass wir von einer schwierigen Situation zur nächsten schlittern mit nur kurzen Verschnaufpausen dazwischen. Und bei jeder neuen Herausforderung merke ich, dass ich weniger belastbar bin als früher. Und das nach so kurzer Zeit?! :shock:

Antworten