Anfänge

Alles rund um die Partnerschaft
Antworten
carlotta37
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 1089
Registriert: 29.10.2007 15:45

Anfänge

Beitrag von carlotta37 » 22.05.2015 17:57

Hallo an alle,

zur Zeit beschäftigen mich so einige Baustellen. Allgemeine Fragen zum Patchwork, zur Erziehung, aber auch konkrete....bitte entschuldigt, dass ich noch nicht allzu viel Persönliches erzähle, die Zeit dafür ist noch nicht so ganz reif.....

Stellt Euch vor, es lernen sich zwei alleinerziehende Elternteile kennen. Die Kinder des einen sind noch im babysitterpflichtigen Alter ;-) Beide sind eingebunden als Elternteile aber auch beruflich.
Man trifft sich auf neutralem Boden, fährt mal ein Wochenende gemeinsam weg, ist verliebt. Aber zwischendurch vergehen jeweils meist 2 Wochen, bis die nächste Gelegenheit kommt. Oder man verbringt die Abende in der Stadt, redet bis nach Mitternacht in einem lauten, überfüllten Restaurant und wäre viel lieber allein.
Zwischendurch entsteht Distanz: immer ein Schritt vor und ein halber zurück mindestens....
Irgendwann kommt langsam aber hartnäckig das Gefühl auf, das geht so nicht. Und auch Fragen: der andere kennt ja einen ganz wesentlichen Teil von mir gar nicht, wenn er meine Kinder nicht kennt. Aber Kinder haben feine Antennen, sie ahnen schon etwas. Und doch möchte man sie nicht belügen, sich ihnen aber auch noch nicht als Paar zeigen. Dazu ist die Sicherheit noch nicht gross genug.

Wie sind diejenigen von Euch damit umgegangen, die sich kennengelernt haben mit jüngeren Kindern oder bei denen beide Kinder hatten? Muss man nicht irgendwann das Risiko eingehen und einfach eine Entscheidung treffen? Aber wann?
Erstmal ist da ja auch ein grosses Bedürfnis, Zeit als Paar zu verbringen und Sicherheit miteinander zu gewinnen.....Und wenn man den Schritt dann erstmal getan hat, die Kinder kennenzulernen....dann lassen die nächsten offenen Fragen nicht lange auf sich warten.....aber dazu ist es noch viel zu früh!

Denn selbst dann: drei Teenies verbringen keine Wochenendbesuche mehr beim Freund der Mutter, die werden sich bedanken. Die Wohnungen sind nicht für so viele Kinder ausgerichtet. Beide haben ein soziales Umfeld, das auch reagieren wird (kaum anzunehmen, dass bei 6 Kindern und dem jeweiligen Anhang aus Freunden, Familie etc. ALLE begeistert sein werden....). Wie schafft man Raum für die neue Beziehung?
Ohne Kinder konnte man Alltag einfach ausprobieren, irgendwann die erste Übernachtung bei einem Zuhause und von dort zur Arbeit etc.. Diese Chance fehlt völlig, wenn beide Kinder haben....

Selbst wenn die Wünsche und Überzeugungen ähnlich sind, die Vorstellungen von der weiteren Zukunft eigentlich identisch: das ist schon organisatorisch eine riesige Herausforderung. Von der menschlichen Seite mal ganz zu schweigen....

Es interessiert mich total, wie ihr diese Kennenlernphase erlebt habt und wie ihr Lösungen für solche Fragen gefunden habt.

Ich schwanke im Moment zwischen Glück und Angst.....

Benutzeravatar
Nin
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 1009
Registriert: 12.11.2006 23:03

Re: Anfänge

Beitrag von Nin » 24.05.2015 18:32

Liebe Carlotta,

das ist nun schon lange her... in diesem Jahr werden es zehn Jahre. Im November 2005 haben wir uns verliebt. Im Januar habe ich meinem damaligen Mann die Wahrheit gesagt. Im April bin ich Halbzeit, im Juli ganz eingezogen. Im August sind die Kinder gekommen.

Eines war einfach: wir hatten uns von Anfang an "füreinander" entschieden, es gab kein Zögern, ob dies eine Beziehung ist, ob wir es wagen wollen. Die Sicherheit war gross genug. Und sehr rasch auch die Dringlichkeit, denn ich war ja noch verheiratet und wir fürchteten zum Teil geradezu um meine Sicherheit. Wie habe uns wenig - vielleicht zu wenig Fragen - gestellt. Seine Kinder waren damals Teenager (15 und 17), meine waren 6 und 8. Inzwischen sind meine 15 und bald 17. Seine Kinder wussten, wer ich bin und von daher auch, dass ich Kinder habe. Die Beziehung zwischen den Kindern, also zwischen seinen und meinen ist aber nie sehr warm geworden. Mit seiner Tochter ging es eine Zeit lang besser, aber sein Sohn hat sich nie für meine Kinder geöffnet - da war der Altersunterschied wohl doch zu gross.

Vielleicht kann ich deine Frage nur so schwer beantworten, weil das, was du als schwierig empfindest, einfach war: die Entscheidung, unser Leben gemeinsam zu verbringen. Sie war klar und selbstverständlich. Ich habe ihn gefragt, damals, was er macht, wenn seine Kinder deswegen ausziehen. Er sagte mir: Ich würde es bedauern. Aber mehr auch nicht. Und auch, dass er durchaus wisse, dass er in ein wenigen Jahren sowieso ohne seine Kinder leben würde, dass aber klar wäre, dass er nicht vorhabe, in ein paar Jahren ohne mich zu leben. Wir habe viel mehr über praktische Fragen diskutiert: wohin die Möbel? Wer welches Zimmer? Da wir kein Haus suchen mussten, gab es da auch keine Möglichkeit, die Kinder mitzunehmen oder zu fragen.

Also ging es sehr schnell, und einiges, was bis heute holpert, ist sicherlich deswegen. Aber immerhin: demnächst ist es neun Jahre her, dass ich eingezogen bin. Wir lieben uns noch immer, sehr. Immer, immer mehr.
Nicht Schöneres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein.

Benutzeravatar
Ria
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 516
Registriert: 20.03.2010 07:41
Wohnort: Stäfa
Kontaktdaten:

Re: Anfänge

Beitrag von Ria » 25.05.2015 14:35

Liebe Nin

Ich wusste gar nicht, dass wir fast identische Geschichten haben in Bezug auf die Zusammensetzung unserer Patchworkfamilien!

Liebe Carlotta
Auch wir haben uns ganz schnell und klar für einander entschieden - so mit der Haltung: "wir schaffen es oder wir schaffen es" - keine Öffnung für Scheitern. Seine Töchter waren damals 11, 15 und 20 Jahre alt und meine 5 und 7 Jahre. Und die Älteste drohte auch mit Auszug, worauf er antwortete: "Wenn du gehen musst, dann gehst du." Aber eben, sie war auch schon 20 Jahre alt, aber noch in Ausbildung. Und wir hatten das Glück, uns leisten zu können, sie dabei finanziell zu unterstützen.
Ihr Auszug mit meinen Möbeln, die ich dann nicht mehr brauchte war dann das Tor für den Beginn unserer guten Beziehung. (Es ist übrigens diese Stieftochter, die mich im Februar in den CLUB im Fernsehen begleitet hat.) Sie merkte dann auch bald, dass es auch für sie eine Entlastung war, ihren Vater glücklich und "versorgt" zu wissen.
Zwar sagt seine Mittlere heute mit 33 Jahren noch, es sei zu schnell gewesen. Aber eben: Babysitter für meine Kinder, eine halbe Stunde Weg zwischen uns, wenig Paarzeit, da war Zusammenzug nach einem halben Jahr einfacher. Und ich konnte zu ihm in sein Haus ziehen, das knapp genug gross für uns alle war.

Wenn ich noch etwas dazuschreiben darf, was du aus deiner Situation beschrieben hast:
  • -Du möchtest deine Kinder nicht belügen, euch aber auch noch nicht als Paar zeigen: Wieso nicht sagen, was los ist? Inklusive Unsicherheit? Wie du schreibst, spüren sie es ja sowieso. Da ist es für sie einfacher zu wissen, worum es geht und dass es nichts mit ihnen zu tun hat.
    -Du fragst, ob man nicht irgendwann das Risiko eingehen und eine Entscheidung treffen müsse. Du musst nichts, aber beides hat halt Konsequenzen. Und einiges ist beziehungsmässig erst möglich, wenn die Wahl klar getroffen und kommuniziert ist. Im Positiven!
    -Warum ist es für die nächsten offenen Fragen zu früh? Du darfst dir doch auch erlauben, sie nicht zu beantworten. Du bist deinen Kindern gegenüber keine Rechenschaft schuldig. Sie müssen ja nicht mitentscheiden über das "ob" dieser Beziehung.
    -Und euer soziales Umfeld: Wenn sie es euch nicht gönnen, jemanden gefunden zu haben, mit dem ihr glücklich seid: Was soll euch dann ihre Meinung kümmern? Die hat dann mehr mit ihren Ängsten zu tun, die aber wieder nicht deine Verantwortung sind.
Liebe Carlotta
Ich wünsche dir von Herzen, eine neue Erfahrung in der Beziehung machen zu können.
Ein Buchtipp noch dazu:
"Chancen verlieben sich" von Matthias Voelchert. Unter anderem geht es darin auch um
  • -Ich bin ich und du bist Du
    -Angst - woher und wohin damit?
    -Von der Schonkultur zur Streitkultur
    -Leiden ist leichter als Handeln...
Seit 22 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
http://www.coacheria.ch

carlotta37
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 1089
Registriert: 29.10.2007 15:45

Re: Anfänge

Beitrag von carlotta37 » 26.05.2015 16:43

Liebe Ria und Nin,

Eure Geschichten sind sehr schön....es ist eigentlich die Entschlossenheit, die ich mir wünsche....
Und natürlich gehört doch auch ein Funken Glück dazu: eine solche Möglichkeit wie bei Euch, jeweils einfach beim Partner einzuziehen, muss man erstmal haben....Es ist nicht so einfach, für so viele Personen überhaupt etwas zu finden.

Ich wundere mich, wie sehr solche Zukunftsbaustellen lähmen können. Wir haben inzwischen wohl schon ein paar Jahre und auch ein paar Erfahrungen mehr auf dem Buckel und da wird es immer schwieriger, so absolut entschieden etwas Neues zu beginnen. Dazu kommen Sorgen, die cih sehr gut verstehe: ein alleinerziehender Vater, dessen Ex-Frau mit der Situation inzwischen nicht mehr so ganz einverstanden ist, hat wohl immer Angst, die Kinder zu verlieren, wenn er seine Lebenssituation allzu sehr ändert (z.B. Wohnort etc.).
Und vor allem wissen wir beide wie sehr uns schon der Alltag mit 3 Kindern fordert. Und dann mit 6? Das dürfte auch zu zweit noch eine Herausforderung sein.

Was ich aber sehe: ich habe 8 Jahre lang mit einem "ja, aber...." gelebt und möchte es nicht mehr. Insofern weiss ich noch nicht, wie es weitergeht....

tabida
Forumsoldie
Forumsoldie
Beiträge: 582
Registriert: 15.05.2007 17:05

Re: Anfänge

Beitrag von tabida » 26.05.2015 17:37

Hallo Carlotta

Das Thema ist auch hier http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/i ... /#comments aktuell.
Also etwas anders aber doch auch.

Buchenholz
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 1109
Registriert: 15.03.2009 17:14

Re: Anfänge

Beitrag von Buchenholz » 02.06.2015 08:36

Hallo Carlotta

Mein Mann und ich haben uns im Internet über eine Partnerbörse kennen gelernt. Und bevor wir uns zum ersten Mal getroffen haben, gingen schon mal ganz viele Mails hin und her. Unsere ersten 2 Treffen hatten fast geschäftlichen Charakter. Wir diskutierten über Erziehung, Grenzen, Organisation vom Alltag, unsere Vergangenheit insbesondere Erfahrung in der letzten Ehe und was wir jetzt besser/anders machen wollen.
Dann hatten wir sicher den riesen Vorteil, dass er unter der Woche keine Kinder hatte und meine Tochter dank Wechselmodell ab und zu beim Vater wohnte. In unserer ersten Kennenlernphase fragte ich meinen Ex-Mann, ob sie sogar noch häufiger zu ihm kommen könnte.
Erstens war ich schwer verliebt und das Verlangen nach dem neuen Mann gross und zweitens wollte ich so schnell wie möglich herausfinden, ob daraus etwas wird oder ob man sich besser wieder trennt.

Meine Tochter spürte natürlich meine Veränderung und hat auch mitbekommen, dass ich mir da immer mal wieder so Männer im Computer anschaute. Ich habe ihr aus Jux auch mal ein Bild gezeigt und gefragt, ob sie den hübsch findet. Den Zusammenhang hat sie nicht verstanden; hätte ja auch ein Schauspieler sein können.
Irgendwann habe ich ihr erklärt, dass es einen neuen Mann gibt und dank meiner kindsgerechten Erklärung war sie einverstanden, dass er zum Znacht kommen wird. Ich verriet ihm, womit er ihre Sympathien gewinnen kann und der Trick ging auf.
Nachdem er noch dafür sorgte, dass endlich ihr PC-Spiel funktionierte, hatte sie ihn endgültig als Zweitvater adoptiert.
Ich habe auch sofort meinen Ex-Mann informiert, dass er ein wachsames Auge auf unser Kind wirft, denn in meinem rosaroten Zustand war ich nicht ganz zurechnungsfähig. Ich wollte, dass er hinhört, falls unserem Kind, in der sich verändernden Situation, nicht wohl wäre.

Ich glaube, mein Mann und ich waren immer transparent und ehrlich zu den Kindern. Wir haben nie ein Geheimnis um unsere neue Beziehung gemacht, daher haben wir unsere Kinder bereits nach einem Monat gegenseitig bekannt gemacht.
Über diese Begegnung habe ich ja schon öfters geschrieben. Von der Aussage: "nein, ich will keine Brüder; Jungs sind doof" bis zu Pling, Peng, Zack und gleich verliebt vergingen 20 Minuten. Unser Glück war sicher, dass alle 3 Kinder gleich alt waren.
Ich weiss aber nicht, wie wir reagiert hätten, wenn sich unsere Kinder gegenseitig nicht akzeptiert hätten. Für uns beide stehen die Kinder im Mittelpunkt und wir hätten nicht wollen, dass sie nicht glücklich gewesen wären. Hätten wir dennoch auf unser Glück beharrt?

Nun zur Organisation. Wir wohnten beide so, dass auf die Dauer kein Platz für alle gewesen wäre. Bei meinem Partner noch eher, da er einen Bauernhausteil mietete. Er beabsichtigte aber gerade, in die Gemeinde der Kinder zu ziehen, um ihnen näher zu sein. Und da hätte er dann eine grosse Wohnung gemietet, das wäre dann an den Wochenenden unser neues Zuhause geworden und irgendwann wäre ich zu ihm gezogen. Bei mir hätte sich dann halt das Wechselmodell eher zum Vater verlagert. Und dann hat er erfahren, dass seine Ex-Frau aus diesem Ort wegzieht, zurück in die Stadt, wo er aber nie mehr wohnen wollte.
So kam es, dass es bei uns ganz schnell ging und wir dann halt in meinem Dorf ein Haus suchten.


Nun zu deiner Ausgangslage. Ich denke, das kann eine ganz tolle Sache werden. Wenn deine Kinder die Wahl haben, bei einer Unternehmung, bei der die Kleinen dabei sind, auch mal mitzukommen. Ich, die kleine Kinder liebte, wäre da bestimmt sofort Feuer und Flamme gewesen. Meine Tochter hingegen, die nichts mit Kindern anfangen kann, würde das Wochenende mit Freunden verbringen wollen.
Manchmal muss man sich gar nicht so viele Gedanken machen. Lass die Kinder sich gegenseitig kennen lernen und schaut, was daraus entsteht. Und plötzlich öffnen sich Türen.

Benutzeravatar
Delphia
Forenlegende
Forenlegende
Beiträge: 2125
Registriert: 17.07.2006 11:43

Re: Anfänge

Beitrag von Delphia » 09.06.2015 10:19

Liebe Carlotta

Bei uns liegt das schon 15 1/2 Jahre zurück... Damals war sein jüngstes Kind 9 und mein jüngstes Kind 4 1/2.

Wir haben uns am Anfang nur an den Wochenenden gesehen und nur entweder mit seinen oder meinen Kindern. Nach ein Paar Wochen (!) haben wir die Kids zusammentreffen lassen. Das ist gut gegangen. Dann sind die Sportferien (nach vier Monate) gemeinsam verbracht worden. Weitere fünf Monate später sind wir zusammengezogen und zehn Monate später haben wir geheiratet.

Wir wussten beide, dass eine erneute Scheidung für alle unsere Kinder schwerwiegende Folgen haben könnte. Deshalb haben wir auch in Krisenzeiten, uns dies immer wieder vor Augen geführt. Es war verdammt hart, aber wir haben zusammengehalten. Die Verbindung der Ehe hat etwas Verpflichtendes. Zumindest sehen wir es beide so. Das wussten wir von Anfang an.

Heute sind wir beide dankbar, dass es geklappt hat. Wir sind uns aber bewusst, dass wir auch viel Glück gehabt haben ;-)
Delphia
___________________________________
Probleme? nein! Herausforderungen: ja :-), manchmal aber völlig hoffnungslos...

Antworten