Zweitehe / Partnerschaft ohne eigene Kinder

Alles rund um die Partnerschaft
carlotta37
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Beitrag von carlotta37 » 11.08.2012 07:29

Bei uns bin auch ich die Unordentliche, Ria :oops: Und mein 1. Mann meinte, eben dieses Umerziehungsprogramm mit mir starten zu müssen....furchtbar!

Ich wollte nur noch anfügen: Schmetterlinge...die fliegen bei uns auch immer wieder. Und ich staune manchmal selber darüber, dass das nach so vielen Jahren Beziehung immer wieder kommt!

Ria, ich weiss überhaupt nicht, ob unsere Beziehung auf Dauer so bleiben kann in den getrennten Wohnungen. Das muss ich aber auch nicht wissen ;-) Wir verändern uns ja alle, das Leben verändert sich, mag gut sein, mein Partner und ich entscheiden in ein paar Jahren ganz anders. Für uns ist es momentan so das beste, aber wir bleiben beweglich und diese Frage ist nicht abschliessend für alle Zeiten geklärt! Solange wir uns da nicht in verschiedene Richtungen entwickeln....sollten sich immer wieder gemeinsame Lösungen finden :lol:

Aber wenn Nin schreibt, der gemeinsame Alltag ist ihr sehr wichtig, kann ich das auch gut nachvollziehen!! Mein Freund und ich haben vielleicht auch den richtigen Zeitpunkt verpasst und jetzt sind wir in einer Phase - auch mit den Kindern - in der es so gar nicht passen würde.
Was ich früher oft gesehen habe: Frauen, die nach einer Shceidung extrem schnell wieder mit jemandem zusammen gezogen sind und dann wiederholte sich quasi das Drama der 1. Ehe. Das MUSS nicht so sein, aber es anders zu machen, erfordert halt schon sehr viel Bewusstsein über die Vorgänge in der gescheiterten Beziehung. Nicht jeder hat dieses Bewusstsein. Viele können auch einfach nicht allein sein, allein leben!

Mein Partner und ich hatten beide sehr enge Beziehungen hinter uns, in denen wir um jede Minute Freiheit kämpfen mussten. Allein zu leben war eine Herausforderung und wir haben das beide gebraucht. So stand eine gemeinsame Wohnung lange deswegen nicht zur Diskussion. Inzwischen ist unser gemeinsames Leben auch mit den Kindern vergleichsweise sehr ruhig und stabil, alle haben sich daran gewöhnt, dass es so ist, wie es ist und niemand will wirklich eine Veränderung. Auch die Kinder nicht. Sie sehen keine Notwendigkeit und sie wollen die Stabilität erhalten, die sie jetzt haben. Das verstehe ich sehr gut, wir sind früher so viel umgezogen...
Aber gerade während eines Kurzurlaubs zu zweit hatten wir das Thema wieder die letzten 3 Tage. Je älter die Kinder jetzt werden, desto mehr tun sich auch wieder andere Möglichkeiten für uns auf. Und da sind wir ganz offen. Wir haben keine Ahnung, wie unser Leben in 10 Jahren aussehen wird, wir sind uns allerdings sicherer denn je, dass wir es unbedingt noch gemeinsam herausfinden möchten :wink:

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Nin
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Beitrag von Nin » 13.08.2012 21:02

Mal wieder so wenig Zeit: also mein Mann und ich leben jetzt seit sechseinhalb Jahren im gleichen Haus, die meiste Zeit davon mit Kindern - mal zwei, mal drei, mal vier, je nach Patchwork und Studienkonstellation.

In dieser Zeit hatten wir genug Zeit für Höhen und Tiefen, für Alltag und Ferien und davon, für offene Zahnpastuben, existenzielle Gewichtskrisen, gestörte intime Momente, Berufswechsel, sitzenbleibende Kinder, hysterische Ex-partner usw. usw.

Wir haben letztes Jahr geheiratet und das war enorm wichtig für mich. Ich bin ein traditioneller Mensch, und ich weiss, wir werden keine gemeinsamen Kinder haben. Ich liebe diesen Mann. Sehr. Und ich will in seiner Biografie eine Spur hinterlassen, egal, ob wir nun bis zum Ende unserer Tage zusammen bleiben oder nicht.

Erstmal denke ich heute, dass es keine Garantie gibt. Wir verändern uns. Neue Erlebnisse verändern unsere Art, die Welt zu sehen. Ich habe keine Garantie, dass diese Ehe ewig halten wird und immer glücklich sein. Wenn man will, dass die Partnerschaft funktionniert, muss man bereit sein für die eigenen und für die Veränderungen des Partners offen zu bleiben.

Wir sind sehr glücklich miteinander. Dafür habe wir auch gute Voraussetzungen: keine grossen materiellen Sorgen, keine Krankheit und eine gemeinsame Basis. Wir beide kochen und essen gern, wir sind lieber zu Hause als dass wir ausgehen, wir lesen beide lieber als dass wir fernsehen, wir mögen Mozart lieber als Morisod, wir haben ungefähr die gleichen politischen Ansichten, wir sprechen die gleiche Sprache.... es ist einfach, wir finden immer Themen, über die wir gerade reden möchten. Wir haben ein ähnliches Bildungsniveau.

Aber wir haben auch schwierige Voraussetzungen: jeder bereits eine gescheiterte Ehe hinter sich. Sein Sohn, der ihm sehr nah steht, hat grosse Schwierigkeiten, mich zu akzeptieren. Die Ex-partner mischen sich immer mal wieder ein. Alle Kinder durchlaufen Phasen der Ablehnung. Mein Mann hat eine schwere berufliche Krise hinter sich. Wir arbeiten beide viel und haben wenig Zeit füreinander. Wir haben zum Teil unterschiedliche Interessen: ich liebe Fantasy, mein Mann interessiert sich für Linguistik... Ich komme aus einer kompletten Nichtraucherfamilie, seine beiden Kinder und seine Schwester rauchen...

Und?

Ich möchte den gemeinsamen Alltag nicht eine Sekunde missen. Sonst hätten wir so wenig Zeit miteinander - dafür ist dieser, mein Mann viel zu interessant... und oft sind das die innigsten Momente; miteinander kochen... er sieht Tatort, während ich bügel, schaut, wie mein Wäschstapel schrumpft und macht mir schon einen Tee, wenn nur zwei Hemden im Korb liegen. Wir sind beide aufmerksam miteinander. Und es ist auch in den Herauforderungen des Alltags, dass ich am meisten einen anderen Menschen brauche: wenn ich bis drei Uhr morgens Matura korrigiert habe und doch um sechs Uhr aufstehen muss - dass jemand da ist, der meinen Kindern das Frühstück machen wird. Wenn ich krank und schwach bin... Als er seinen Job verloren hat, haben wir die Nächte durch geredet. Nicht immer einverstanden. Aber einfach immer da. Wenn es mir gutgeht und ich keine Belastungen habe: dann kann ich es mit jedem aushalten....

Dazu kommt es, den anderen sein zu lassen. Ich will zum Beispiel einen zum Tode veurteilten schreiben. Mein Ex hat das immer abgelehnt - es braucht Zeit und Energie und kann sehr schmerzhaft werden - diese Zeit sollte ich lieber für ihn und die Kinder haben. Mein Mann jetzt unterstützt mich - er weiss, dass ich aus solchen Aktivitäten meine Lebenskraft schöpfe. Dasss "ohne ihn" nicht "gegen ihn" bedeutet. Mein Mann fängt jetzt demnächst einen neuen Job im humanitären Bereich an - weniger sicher als der 100%tige Lehrerjob, dazu wird er reisen. Aber er will es - natürlich unterstütze ich ihn darin!

Zum Glück sind wir beide eher unordentlich. Keiner erzieht den Anderen. Und ich muss mich nicht verstellen. Ich kann im Jogginganzug rumfletzen und maulen - mein Mann liebt mich nicht wegen meiner tadellos lackierten Fingernägel, wegen meiner Ordnung - sondern wegen meiner Persönlichkeit. Meiner etwas verrückte Art, mich zu freuen, spontan zu sein - was gerade dann möglich ist, wenn der Alltag läuft, sonst ist die Spontanität ja wieder die Norm. Jetzt spielt er gerade Computerspiele. Ich finde das stinklangweilig - aber so habe ich endlich Zeit für dieses Posting!!!

Heute habe ich mir herausgenommen, dass abends ich koche - sonst macht er es (ich weiss, dass ich auch einfach sehr viel Glück habe) - und dann ein bisschen ausprobiert: Gurkensuppe, hausgemachte Ravioli, karamelisierte Feigen aus dem Garten.... wir sind nicht ausgegangen, nichts Teures - und doch ein Fest. Alles kann ein Fest werden sogar das Zeitungslesen: du ein Wort, ich ein Wort, bis wir beide vor Lachen auf dem Boden liegen.

Schmetterlinge? Ich weiss nicht. Es ist nicht so, wie am Anfang, wo ich am liebsten noch im Eingang die Kleider vom Leib gerissen hätte - jetzt weiss ich, ich kann es auch später machen und spiele mit dieser Antizipation.

Als ich meinen Ex verlassen habe, um mit meinem zweiten Mann zusammen zu leben, hat er es nicht verstanden: ich verliess ihn für jemand, der älter, kleiner und dicker als er war - und noch nicht einmal reicher. All das ist so unwichtig! Schönes Aussehen, wie Zahnpastatuben, geht vorbei. Intelligenz und Warmherzigkeit nicht.

Ja, es gibt unschöne Tage, vor allem, wenn sein Sohn gerade nicht mit mir spricht, wenn wir beide soviel Arbeit haben, dass alles zu kurz kommt, wenn das Geld knapp ist... Und dann geht es vorbei. Und es gibt schöne. Viele. Und immer wieder.

Ich glaube, in all den Jahren habe ich nicht einmal darauf geachtet, ob mein Mann die Zahnpastatube zuschraubt. Jetzt muss ich doch glatt mal gucken...
Nicht Schöneres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein.

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Beitrag von Buchenholz » 13.08.2012 22:00

Liebe Carlotta, liebe Nin

Ganz herzlichen Dank für eure beiden Beiträge.
Nin, du hast mir mit deinen detaillierten Beschsreibungen so geholfen zu erkennen, was bei uns nicht stimmt. Ich weiss es zwar schon sehr lange, aber du hast es mir mit deinen Worten in den Mund gelegt.

Die Situation mit dem Tee hat es so schön beschrieben. Zu erkennen, womit man dem anderen etwas liebes tun kann. Unaufgefordert eine Tasse Kaffee bringen, mit einer Kleinigkeit zu essen, weil wir manchmal sonntagelang am PC oder Nähmaschine verbringen können und vor lauter geistiger und kreativer Entfaltung vergessen zu essen.
Ich bin überzeugt, bei uns ist das einseitig. Und das schmerzt. Und darum habe ich bis jetzt noch keinen Heiratsantrag angenommen. Da ist etwas, was noch nicht stimmt.

vero
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Beitrag von vero » 14.08.2012 10:25

ich denke da genau so wie Nin und Carlotta, wenn es der oder die Richtige ist, dann wird man nicht umerzogen oder der Partner lässt einem die Freiheit nicht die man braucht, sondern das ist da gar kein Thema, man lässt den Partner so sein wie er ist (Kompromisse auf BEIDEN Seiten müssen aber sein, sonst klappt es nicht) , denn in den Menschen hat man sich mal verliebt, mit all seinen Macken und guten Seiten oder?

Ob man jetzt heiraten möchte oder nicht muss jeder für sich selber entscheiden. Ich finde es schön (hört sich vielleicht ein bischen spiessig an) wenn ich ihn als meinen Mann vorstellen kann. Wir sind irgendwie wie zwei Puzzleteile die zu sich zu einem Ganzen gefunden haben. Mir geht es heute nicht mehr um die grossen Gesten sondern, heute zählen für mich die Kleinen (ich kann diese wahrscheinlich jetzt auch mehr schätzen) viel mehr..

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