Allgemeine Gedanken zum Patchworken

Alles rund um die Partnerschaft
Buchenholz
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Beitrag von Buchenholz » 27.07.2012 17:23

PatchStift hat geschrieben:
Ich sehe das Problem eher dort, dass vom kinderlosen Partner irgendwo erwartet wird, dass er den Wert der Familie hochhält, über alles hält, zu der er selbst aber gar nicht dazugehört, sondern nur sein Partner!



Sind euch die Kinder fremder Menschen genauso wichtig wie eure eigenen? Liebt ihr die auch wie euer eigen Fleisch und Blut? Ist es immer das Selbe, wenn zwei das Gleiche tun, oder ist es bei euren eigenen dann schon noch ein bisschen etwas anderes... Mal ehrlich, insgeheim, kennt ihr keinen Rotzgof, mit dem euer Kind lieber nicht spielen soll. Weil der einen schlechten Einfluss hat oder ihr ihn, oder die Eltern, einfach nicht leiden könnt?
Entweder verbinde ich mich mit einer Person und lebe ein familienähnliches Gebilde oder ich leiste mir einfach eine Affäre und befriedige meine sexuellen oder was auch immer für Bedürfnisse.
Jeder Mensch hat ab einem gewissen Alter ein Bündel, welches er mit sich schleppt. Sei es Kinder aus einer früheren Beziehung, behinderte Geschwister, kranke Eltern. Man lebt ja nicht nur mit dem Partner zusammen, sondern mit seinem ganzen Umfeld. Von einigen Dingen kann man sich besser distanzieren und für andere will man einfach die Verantwortung mittragen.

Und wenn mein Partner dieses Leben mit mir nicht teilen und gewisse Kompromisse eingehen will, warum liebt er mich denn?


Wenn ich mich jetzt von meinem Partner trennen würde. Dann würde ich die Fehler bei mir suchen. Weil ich mich überschätzt habe. Weil ich zu viele Hoffnungen gehabt habe. Weil ich zu wenig selbstkritisch war. Weil ich meine Wünsche zu wenig genau formuliert habe. Weil ich seine Fehler, die ich von Anfang an gesehen habe, verdrängte.


Ja, ich liebe Kinder. Alle Kinder. Und ich muss mich manchmal echt zusammenreissen, dass ich mich nicht in andere Familienangelegenheiten einmischen. Das Kind in mir lebt eben immer noch und das solidarisiert sich dann mit den anderen Kindern. :-)

Und ja, ich mag auch nicht, wenn sich meine Tochter mit Kindern abgibt, die einen schlechten Einfluss auf sie haben könnten.
Und jetzt? Meine Stiefsöhne sind genau solche Rotzlöffel, die man am liebsten für ganz lange getimeoutet hätte. Und ich kann die anderen Eltern und die Schule total verstehen. Aber die Kinder können nichts dafür. Sie haben nun mal dieses Leben, diese Eltern und ihr Schicksal.
Ich versuche eine Situation jeweils immer aus allen Sichtwinkeln zu sehen.
Aus der Sicht des Kindes, des Vaters, der Mutter, der Schule und der Gesellschaft. Und wenn es nötig ist, auch aus meiner. Und manchmal ist der eine Blickwinkel etwas blind und ein anderer wird je nach Stimmung stärker gewertet.

Und es sind Kinder und sie sind uns anvertraut worden. Wir sind die Erwachsenen und da müssen wir eben für ganz lange Zeit über all diesen Problemen stehen.

Und auch wenn mich meine Stiefsöhne echt an die Grenzen gebracht hatten, so krampfte sich mein Herz zusammen, beim Gedanken, sie am Sonntagabend gehen zu lassen. Und wenn ich mitbekommen habe, dass es wieder Probleme gab an der Schule, so musste ich mir immer einreden, dass dies jetzt die Baustelle ihrer Mutter ist und mich das nichts angeht.



Nachtrag: Und warum will ich denn mit einem Mann zusammen sein, der so Rotzlöffelkinder hat? Weil er sie liebt. Trotz allem. Weil er als Mensch ein Zuhause ist. Für die Kinder und für mich.

Ja, so bin ich. Punkt.
Zuletzt geändert von Buchenholz am 28.07.2012 00:35, insgesamt 3-mal geändert.

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Beitrag von Ria » 27.07.2012 17:23

@PatchStift
Das mit dem Wert Familie sehe ich so:
Wenn mir eine Frau erzählt, dass sie nie Kinder wollte und jetzt hat sie einen Partner 'mit', dann wäre bei ihr wohl in ihrer persönlichen Werte-Rang-Liste bis zu diesem Zusammenkommen Familie nicht sehr weit oben gestanden.
Und das meine ich absolut wertfrei, das ist weder gut noch schlecht.

Für mich zum Beispiel war es immer klar, dass ich einmal Familie möchte. So habe ich wohl Familien und Kinder um mich herum anders angeschaut, als wenn ich das überhaupt nie gewollt hätte.
Eine Arbeitskollegin von mir, die zu letzterer Gruppe gehörte, hat uns jeweils ohne Kinder eingeladen und ihr Leben so gestaltet, dass sie sich nicht durch Kinder eingeschränkt fühlte.
PatchStift hat geschrieben:Sind euch die Kinder fremder Menschen genauso wichtig wie eure eigenen? Liebt ihr die auch wie euer eigen Fleisch und Blut? Ist es immer das Selbe, wenn zwei das Gleiche tun, oder ist es bei euren eigenen dann schon noch ein bisschen etwas anderes... Mal ehrlich, insgeheim, kennt ihr keinen Rotzgof, mit dem euer Kind lieber nicht spielen soll. Weil der einen schlechten Einfluss hat oder ihr ihn, oder die Eltern, einfach nicht leiden könnt?

Ich beobachte nähmlichdas manche Menschen, wenn es um ihre eigenen Kinder geht, nicht besonders objektiv urteilen. Verständlich! Aber genau diese "Sehschwäche" aus Liebe, fehlt dem neuen Partner. Der sieht nur ein Kind, wie jedes andere.
Da gebe ich Dir absolut recht.
PatchStift hat geschrieben:Anderderseits könnte man sich auch fragen wie hoch denn Menschen den Wert Familie halten, wenn sie eine Gründen nur um wenige Jahre später vor dem Scherbenhaufen zu stehe. Jede 2 Ehe wird geschieden, viele innerhalb der ersten 5 Jahre!
Das gelingt nicht allen, auch wenn sie den Wert Familie hochhalten, ihnen das wichtig wäre. Ich bin so eine und wohl viele andere hier auch. Das ist dann auch oft der Grund, weshalb wir nach der Trennung das Gefühl haben, gescheitert zu sein. Oft fühlen wir uns unseren Kindern gegenüber auch schuldig, was zu weiteren Probleme führt, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Ich meine aber schon, dass es für einen neuen Partner ohne Kinder eine schwerwiegende Entscheidung ist, eine Beziehung mit einem Elternteil einzugehen. Auch wenn er sie nur alle zwei Wochen für ein Wochenende zu Besuch hat. Weil man einfach nicht so tun kann, wie wenn er das nicht wäre. Und weil diese Kinder ihm sehr wichtig sind.
Wenn ich als neue Partnerin einen inneren Widerstand oder Antipathie gegen sie habe, wird das zwischen uns stehen.
Als ich meine Stieftöchter kennen gelernt habe, waren sie überhaupt nicht erfreut über die Tatsache, dass ihr Vater eine Freundin hat und wollten mich zuerst rausekeln. Aber irgendwie habe ich von Beginn weg gespürt, dass das gar nicht gegen meine Person (sie kannten mich ja auch noch gar nicht!) gerichtet war, als vielmehr gegen den Platz, den ich neben ihrem Vater bekam. Und dafür hatte ich auch Verständnis. Aber gleichzeitig waren sie mir auch sympathisch und ich wusste, dass wir es mit der Zeit miteinander schaffen würden. Und so war es auch.
Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was ich gemacht hätte, wenn das nicht so gewesen wäre.
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Beitrag von Buchenholz » 28.07.2012 02:43

Zitat: "du wusstest ja das er Kinder hatte..." oder "...da musst du dich halt anpassen, die Familie geht vor..."

Es mag sein, dass es diese Traumbeziehungen gibt. Die Realität ist doch aber eher die: ich warte, bis mein Traummann kommt und das kann dauern. Und im Hintergrund tickt die biologische Uhr. Oder aber ich will nicht so lange warten und nehme diesen Mann hier, der mir jetzt gefällt, der aber dummerweise nicht ganz frei ist.

Gibts den perfekten Mann? ... Frau? Im Zeitalter von "jede 2. Ehe wird geschieden", muss man sich damit auseinandersetzen, dass die Familienkontellationen etwas kreativer werden.

Mir kommt ein anderes Beispiel in den Sinn. Wenn sich eine Frau in einen Bauer verliebte und das war früher vermutlich genauso gang und gäbe wie heute mit den Patchworks, dann geht eben auch der Hof vor. Wenn schönes Wetter ist, dann wird gemäht. Egal ob es jetzt Sonntag ist und man lieber in die Badi möchte. Das Land und die Tiere geben den Ryhtmus und der Mensch muss sich fügen.

Wenn der Partner ohne landwirtschalftlichen Hintergrund damit nicht klar kommt, dann liegts doch auch nicht am Landwirt.

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Beitrag von BabyOne » 28.07.2012 12:35

Buchenholz hat geschrieben: Mir kommt ein anderes Beispiel in den Sinn. Wenn sich eine Frau in einen Bauer verliebte und das war früher vermutlich genauso gang und gäbe wie heute mit den Patchworks, dann geht eben auch der Hof vor. Wenn schönes Wetter ist, dann wird gemäht. Egal ob es jetzt Sonntag ist und man lieber in die Badi möchte. Das Land und die Tiere geben den Ryhtmus und der Mensch muss sich fügen.

Wenn der Partner ohne landwirtschalftlichen Hintergrund damit nicht klar kommt, dann liegts doch auch nicht am Landwirt.
Ein hübscher Vergleich. Für mich ist da aber ein Unterschied - bei einem Landwirt weiss man wirklich vorher, worauf man sich einlässt, es sei denn man wäre ganz blöd. Bei einem Partner mit Kindern weiss man es nicht, und man kann es nicht einmal wissen, weil die Geschichten völlig unterschiedlich ablaufen zwischen "wir sind eine glückliche, große Familie" und "wir sind eine totale Katastrophe". Und auch wenn man die gleiche Person im Abstand von ein paar Jahren befragt, wird die Antwort nicht jedesmal gleich sein, bei einem Bauernhof wird es aber wohl immer gleich bleiben.

Um zu der Schlussfolgerung zu kommen, dass es klüger gewesen wäre, sich zuerst einmal ganz genau das Verhältnis zwischen den geschiedenen Eltern anzusehen, damit man erkennen kann in was für eine Familiensituation man hineinkommt (und sich dann evtl. auch dagegen zu entscheiden), dafür braucht man meist etliche Jahre Erfahrung in der Patchworkfamilie oder eine Ausbildung als Psychotherapeut. Und selbst wenn man einen potentiellen neuen Partner schon mit dieser Erkenntnis im Kopf beobachtet, ist es immer noch die Frage, ob man so schnell überhaupt die Möglichkeit hat diese Dinge herauszufinden, bevor man sich bindet. Wenn man sich dann mal auf eine Beziehung eingelassen hat, ist es ja sehr schwierig, aus reinen Vernunftgründen den neuen Partner zu verlassen, in den man bis über beide Ohren verliebt ist.

Da finde ich schon, dass PatchStift auch recht hat mit dem Hinweis, dass der geschiedene Partner manchmal im Grunde mehr vom neuen Partner erwartet, als er selber hat leisten können. Dass die Kinder "Scheidungswaisen" sind, ist in der Regel nicht die Schuld des neuen Partners, aber sehr wohl die Schuld der leiblichen Eltern. Ich habe in einem bitteren Moment meinem Freund auch schon einmal gesagt, dass es ja sein kann dass die Situation für seinen Sohn doof ist, aber dass er und seine Ex sich dann damals eben nicht hätte trennen dürfen, wenn er diese Situation hätte vermeiden wollen. Was man tut hat eben Konsequenzen, und nun ist die Situation eben so wie sie ist.

Mir kommt gerade der Gedanke, dass es ja nicht schlecht wäre, wenn die Lebenssituation in Patchworkfamilien (insbesondere solche Dinge wie dass die neue Beziehung sehr belastet wird, wenn die geschiedenen Eltern nicht gut miteinander umgehen können) in den Schulen thematisiert würde, als Vorbereitung für das spätere Leben.
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Beitrag von mira » 28.07.2012 19:22

"du wusstest ja das er Kinder hatte..." oder "...da musst du dich halt anpassen, die Familie geht vor..."
Diese Sprüche musste ich mir zum Glück noch nie anhören. Wer sowas sagt, möchte einfach nicht zuhören, nicht mitfühlen, nicht Anteil nehmen... behaupte ich mal.
Wenn Eltern sich über ihre Kinder beklagen, weil diese sich in einer schwierigen Phase befinden, ist es auch ziemlich dämlich zu sagen: "du wolltest ja Kinder...". Oder jemand macht gerade eine belastende Zeit an der Arbeitsstelle durch: "du hast dir diesen Job ja ausgesucht...". Jemand hat Beziehungsprobleme: "du hast dir ja diesen Typen ausgesucht, es gäbe ja noch andere...".
Solche Bemerkungen empfinde ich als Synonym für: "Lass mich mit deinen Problemen in Ruhe...".

Ich glaube, alle Eltern können bestätigen, dass man sich im voraus nicht vorstellen kann, wie es ist, Kinder zu haben. Wie sie das Leben effektiv beeinflussen (positiv wie negativ). Und genau so, kann man nicht wissen, wie es mit einem Partner mit Kindern wird. Völlig unabhängig davon, ob man selber Kinder hat oder nicht, oder wie das Verhältnis zwischen den Ex-Partnern ist.

Zu Beginn unserer Beziehung hatten wir einige z.T. heftige Diskussionen, weil mein Partner sehr viel von mir erwartet hat. Er wollte 'seine Familie' reanimieren und war enttäuscht, wann immer ich mir erlaubte, mich zurückzuziehen oder an einem Ausflug nicht teilzunehmen etc.. Aber mit der Zeit hat er verstanden, dass ich eben nicht die Mutter seiner Kinder bin, dass es nicht 'meine' Familie ist und ich den Kindern gegenüber nicht die gleichen Verpflichtungen habe wie er.
Aber wir haben eine Art 'familiäre Gemeinschaft' gebildet, die auf anderen Grundlagen basiert. Und das lebten wir einige Jahre lang ziemlich erfolgreich.

Die Frage ist ja auch, wie Familie oder familiäres Zusammenleben definiert werden. Ich bin ein sehr familiärer Mensch, obwohl ich nur in meinen ersten sieben Jahren meines Lebens in einer 'richtigen' Familie gelebt habe.

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Beitrag von PatchStift » 30.07.2012 10:19

Stellt euch vor ihr habt seit Jahren einen Hund. Ihr liebt euer Tier und es ist euch wichtig, dass euer neuer Partner ebenfalls tierlieb ist und den Hund als Teil von euch akzeptiert. Ihr stellt fest, er ist tierlieb, hat ev. sogar auch einen Hund. Alles wunderbar!

Dann stellt sich aber schnell heraus, der Partner will den Hund partu nicht im Bett haben. Wo ihr ihn seit Jahren schlafen lasst. Und er mag es auch nicht, wenn das Tier am Tisch bettelt. Obwohl ihr das so süss findet.

Akzeptiert ihr, dass es nun mal Menschen gibt, denen das bei aller Tierliebe def. zu weit geht, oder unterstellt ihr ihm automatisch, dass er das Tier nur nicht im Bett haben will, weil es halt nicht sein Hund ist? Und er beim eigenen Hund sicher ganz anders reagieren würde.

Ich denke wir sind uns einig, diese Unterstellung wäre, bei einem Hund, nicht nachvollziehbar und so wird dieses Patchwork auch nie funktionieren können.

Aber genau da liegt für mich der Hund beim Patchworken eben begraben und nicht darin, ob jemand generell mit Kindern kann oder nicht. Zur Bäuerin taugt oder nicht.

Und da sehe ich eben leider schon, dass es sich manche Eltern etwas gar zu einfach machen. Egal ob jetzt gegenüber einem Partner oder der Gesellschaft ganz allgemein. Und leider manchmal auch mein Partner. Und das finde ich extrem unfair und motivert mich logischerweise nicht, noch mehr zu investieren, sondern viel eher mich zurück zu ziehen. Was er mir dann sau übel nimmt.
Er wollte 'seine Familie' reanimieren und war enttäuscht, wann immer ich mir erlaubte, mich zurückzuziehen oder an einem Ausflug nicht teilzunehmen etc..
Mit Betonung auf SEINE Familie ...

Natürlich lebt man in einer familiären Gemeinschaft, doch für mich kann z.B. auch eine WG einen sehr familiären Charakter haben, trotzdem ist das nicht meine Familie. Aber mit der Zeit, können diese Menschen ev. zu einem Teil davon werden. Aber das braucht Zeit zum wachsen und eine gleichgesinnte Basis, wo man sich auf Augenhöhe begegnet. Und keiner auf seinen alten Rechten beharrt nur weil er z.B. früher eingezogen ist.

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Beitrag von PatchStift » 30.07.2012 11:06

mira hat geschrieben: Ich glaube, alle Eltern können bestätigen, dass man sich im voraus nicht vorstellen kann, wie es ist, Kinder zu haben. Wie sie das Leben effektiv beeinflussen (positiv wie negativ). Und genau so, kann man nicht wissen, wie es mit einem Partner mit Kindern wird. Völlig unabhängig davon, ob man selber Kinder hat oder nicht, oder wie das Verhältnis zwischen den Ex-Partnern ist.



Die Frage ist ja auch, wie Familie oder familiäres Zusammenleben definiert werden. Ich bin ein sehr familiärer Mensch, obwohl ich nur in meinen ersten sieben Jahren meines Lebens in einer 'richtigen' Familie gelebt habe.
Das meinte ich eigentlich mit den Wert Familie hochhalten. Entweder man ist ein familiärer Typ, oder eben nicht und das ist ja nicht an eigenen Kinder fest zu machen.

Meine Mutter hatte zwei eigene Kiner, hat aber bis Heute null Nerven oder Verständnis für Kinder. Für sie müssten sie funktionieren wie kleine Erwachsene. Obwohl sie es doch eigentlich besser wissen müsste und genügend Versändnis haben müsste.

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Beitrag von carlotta37 » 30.07.2012 11:26

Zeit zum Wachsen finde ich ein ganz wichtiges Stichwort!!

Aber es gibt eben dazu auch noch Voraussetzungen: wenn sich vorher einige der Beteiligten schon auf verhärtete Positionen zurückgezogen haben, wenn zu viele Verletzungen entstanden sind, dann kann nchts mehr wachsen. Eine Blume braucht Licht und Wasser neben der Zeit. Ich würde mal sagen im Patchwork sind die Zutaten Geduld, Toleranz, Gesprächsbereitschaft.

Mein Freund hat ja auch keine eigenen Kinder. Er hat sehr viel verzichtet in den letzten Jahren...Wir hatten grosse Krisen, auch weil ich mich immer zerrissen gefühlt habe zwischen ihm und den Kindern. Aber was bei uns immer gestimmt hat, waren erstens unsere gemeinsamen Wertvorstellungen und Ideale und zweitens die Gesprächsbereitschaft.

So kam es eigentlich nie zu Vorwürfen wegen der Kinder und das obwohl sich meine Tochter zeitenweise ordentlich daneben benommen hat. Ich frage ihn oft um Rat wenn es um die Kinder geht, aber die Entscheidungen treffe ich. Ist er mit den Kindern allein, stütze ich seine Entscheidungen immer. Reden können wir hinterher, ohne die Kinder dabei. Und das ist auch oft nötig...
Wir mussten beide viel Verständnis aufbringen. Mir hat es manchmal innerlich einen Stich gegeben, wenn ich gespürt habe, dass die Kinder ihn nerven. Er musste mich verstehen lernen, meine Gefühle als Mutter. Das ging nur durch reden, reden, reden...zum Glück ist er ein Mann (davon gibt's vielleicht nicht so viele), der sich nicht zurückzieht und schweigt, wenn er ein Problem hat, sondern sehr gut auch über seine Gefühle sprechen kann.

Ernsthafte Konflikte wegen unterschiedlicher Erziehungsvorstellungen hatten wir sowieso nie. Unsere Werte gleichen sich zu sehr, das gilt dann automatisch auch für die Erziehung. Manchmal hat er es sich vielleicht einfacher vorgestellt, etwas umzusetzen - aber im Laufe der Jahre hat er auch gesehen, dass Theorie und Praxis da nicht immer eng zusammen liegen ;-)

Bei uns hat es geklappt und das obwohl er NULL Erfahrung mit Kindern hatte, als wir uns begegnet sind. Eigentlich wollte ich so einen Mann gar nicht...und er nicht unbedingt eine Frau mit Anhang...Aber sonst passte eben alles und ich denke, das hat uns auch getragen die letzten schwierigen Jahre.
Wir haben uns allerdings wirklich die Freiheit genommen, unser Leben so einzurichten, wie es momentan zu uns passt - so wohnen wir ja nicht zusammen. Das war auch nicht immer einfach! Aber es hat Vorteile ;-)

Ich habe mich immer gefragt: sind wir überhaupt eine Patchworkfamilie so? Aber wir sind seit über 6 Jahren ein Paar, er hat ein sehr enges Verhältnis zu meinen Söhnen und ein gutes (inzwischen) zu meiner Tochter, er ist Teil der Familie (meine Eltern und Freunde schätzen ihn sehr - er selber hat wenig Familie), wir machen Pläne für die Zukunft. Er nimmt an allen wichtigen Ereignissen im Leben der Kinder teil, wir verbringen Zeit alle zusammen und Zeit als Paar. Innerlich sind wir mehr verbunden als manches Paar, das zwar in der gleichen Wohnung und doch irgendwie nebeneinander her lebt. Also doch Patchwork? Abzüglich einiger Schwierigkeiten eines gemeinsamen Haushalts? 8)

Was ich gelernt habe: es gibt kein MUSS. Er muss meine Kinder nicht immer toll finden, wir müssen nicht alles gemeinsam machen, er darf sich zurückziehen, ich darf bestimmte Dinge allein entscheiden.
Das war in der Erstfamilie nicht so. Da gab es ein Bild von Familie, dem wir entsprechen wollten. Unkonventionelle Lösungen waren nicht möglich. Jetzt sind sie es und darin sehe ich auch die grosse Chance unserer Situation: wir sind frei unser gemeinsames Leben so zu gestalten, wie es wirklich zu uns passt! Und das funktioniert prima!

PatchStift
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Beitrag von PatchStift » 30.07.2012 11:30

Da finde ich schon, dass PatchStift auch recht hat mit dem Hinweis, dass der geschiedene Partner manchmal im Grunde mehr vom neuen Partner erwartet, als er selber hat leisten können. Dass die Kinder "Scheidungswaisen" sind, ist in der Regel nicht die Schuld des neuen Partners, aber sehr wohl die Schuld der leiblichen Eltern. Ich habe in einem bitteren Moment meinem Freund auch schon einmal gesagt, dass es ja sein kann dass die Situation für seinen Sohn doof ist, aber dass er und seine Ex sich dann damals eben nicht hätte trennen dürfen, wenn er diese Situation hätte vermeiden wollen. Was man tut hat eben Konsequenzen, und nun ist die Situation eben so wie sie ist
Das sind harte Worte und es geht ja nicht darum, diese Entscheidung zu werten, versagen gehört zum Leben, aber es ist nun mal die bittere Wahrheit!

Oft, sehen sie es aber gerne grad umgekehrt. Auf mich bezogen, habe ich ja total versagt, habs nicht auf die Reihe gebracht, denn ich habe bis Heute ja absolut Nichts vorzuweisen, nicht mal eine Scheidung! :shock:

Lächerlich? Ja sicher, aber genau dieses Gefühl, hat mir diese Gesellschaft schon sehr oft vermittelt! :roll: Hut ab vor einer alleinerziehnden Mutter! Ja sicher, aber im Grunde ziehe ich den Hut vor Versagern, um es mal ganz brutal auszudrücken, die von mir erwarten, dass ich IHRE Wertvorstellungen und Erziehungsvorstellungen über meine eigenen Stelle.

Eigentlich ein Unding, oder? Aber was tut man nicht alles aus Liebe und Nächstenliebe? Oder weil man weiss, wärs anderst gekommen, ginge es mir ev. ja auch nicht anderst.

Nur selbstverständlich, finde ich das eben eigentlich gar nicht! Auch wenn ich wohl vorher wusste, dass er ein Kind hat. :wink:

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Beitrag von PatchStift » 30.07.2012 11:54

@Carlotta

Und trotzdem, war es alles andere als einfach für euch, wenn ich dich richtig verstanden habe.

Ev. ist das halt einfach so und es liegt in der Natur der Sache! Vielleicht verlangen wir auch einfach zu viel von uns, wenn wir glauben das müsste alles reibungslos funktionieren. Das nötige Verständnis und die Toleanz müsse uns von Gott automatisch gegeben sein.

Denn eine höchst unnatürliche Sitaution ist es alle mal, auch wenn wir heute gerne unkonventionelle Wege gehen und das dürfen.

Normal, ist es für uns halt immer noch nicht! Und wenn man sich das mal überlegt, ist das wohl evoluzionär logisch. Ein Löwe duldet auch keine Kukukskinder in seinem Rudel, die die Geme eines anderen in sich tragen. Und er wird dafür seine Gründe haben. Denn sowas wie Eifersucht, kennt er ja wohl kaum! Um das Überleben seiner Gene sicher zu stellen, tötet er alle Kinder des Anderen.

Und wir Menschen sind schlussendlich eben irgendwo auch nur Tiere!

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Beitrag von Pätchi » 30.07.2012 13:22

carlotta37 hat geschrieben:Das war in der Erstfamilie nicht so. Da gab es ein Bild von Familie, dem wir entsprechen wollten. Unkonventionelle Lösungen waren nicht möglich. Jetzt sind sie es und darin sehe ich auch die grosse Chance unserer Situation: wir sind frei unser gemeinsames Leben so zu gestalten, wie es wirklich zu uns passt! Und das funktioniert prima!
Genau das meine ich eben auch. Es ist wichtig das man offen ist für unkonventionelle Lösungen und eben nicht vom neuen Partner das gleiche erwartet wie vom leiblichen Elternteil.

Da heisst es eben auch, dass es oft notwendig ist, Werte und Sachen zu durchbrechen. Da finde ich das Beispiel von PatchStift sehr gut obwohl es machmal etwas krass ist Kinder mit Tieren zu vergleichen :)

Bei uns war es zum Beispiel so, dass ich gerne wollte, dass unser Schlafzimmer unsere Privatsphäre ist. Das brauchte erst auch einige Zeit bis man das umsetzten konnte. Ich musste da auch lernen und bin immer noch am lernen, dass es nicht immer sinnvoll ist, alles auf einmal zu wollen. Und vorallem braucht es auch Zeit. Man muss einfach sehr viel darüber reden. Ich habe das glaube ich schon einmal geschrieben, aber das dünkt mich das wichtigste. Situationen zu zweit diskutieren, Kompromisse finden nur so kann man eine für sich individuelle Lösung finden. Funktionieren tut es auch nicht immer.

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Beitrag von carlotta37 » 30.07.2012 14:23

Nee, wir sind Menschen und keine Löwen...! Tiere handeln aus Instinkt, wir müssen das nicht. Das ist ein riesiger Unterschied (im übrigen ist die Natur unendlich vielfältig: Löwen wechseln die Partnerinnen - ist es also unnatürlich, dass wir mit der Ehe versuchen, monogam zu leben? Elefanten adoptieren fremde Babys, Gänse sind monogam...der Kuckuck schiebt seine Eier anderen Vögeln unter und die brüten sie auch aus...). Der Vergleich hinkt....

Aber ja, Patchstift, es war nicht leicht. Unsere Gesprächsbereitschaft hat uns gerettet und auf der anderen Seite vor allem auch unsere Überzeugung, dass nicht einer von uns Recht hat, sondern dass die Gefühle von jedem von uns IMMER berechtigt sind und respektiert werden müssen - auch wenn man sie gerade nicht verstehen kann....

Was ich wirklich immer wertvoll fand an unserer Beziehung war der gegenseitige Respekt. Den haben wir nie verloren. Es gab keine wirklich verletzenden und abfälligen Bemerkungen oder Gedanken. Manchmal Mühe, den anderen zu verstehen, manchmal die Frage, ob wir mit den Gegebenheiten leben können, viele Zweifel. Aber immer Respekt und Ehrlichkeit.

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Beitrag von Babell » 30.07.2012 20:26

Ich sehe das Problem eher dort, dass vom kinderlosen Partner irgendwo erwartet wird, dass er den Wert der Familie hochhält, über alles hält, zu der er selbst aber gar nicht dazugehört, sondern nur sein Partner!
und wo er von Seiten des leiblichen Elternteils und des Umfeldes auch nicht dazugehören soll/darf, denn "du bist ja nicht deren Mutter/ Vater"!! :!:
"du wusstest ja das er Kinder hatte..."
Solche Aussagen finde ich völlig unüberlegt. Wie bereits jemand geschrieben hat: Konntet ihr, die ihr Kinder habt, im Voraus wissen, wie es ist, Kinder zu haben? (ausser die Stilldemenz hat Euch jegliche Erinnerung genommen!!) Oder hattet ihr nie was zu klagen? Wenn ich mich unter Müttern umhöre, gibt es sehr viel zu klagen.... Genauso könnt ihr doch nicht wissen, wie es ist, keine Kinder zu haben und der Partner hat Kinder? Aber genau von jenen wird viel von den kinderlosen Partnersn erwartet. Ich meine: Eine Mutter kann nicht plötzlich keine Mutter sein und mit einem Mann mit Kindern zusammen kommen um dann zu erleben, wie es ist, wenn sie keine Kinder hat und er schon. Und ein Vater kann nicht plötzlich keine Kinder haben und mit einer Frau mit Kindern zusammen kommen um seine Partnerin zu verstehen. Aber ein bisschen Einfühlungsvermögen wünschte ich mir schon und zwar von Seiten der Gesellschaft und des Umfeldes! Sie machen sich nicht mal die Mühe, es zu verstehen. Ich glaube, dass die "böse Stiefmutter" aus den Märchen unbewusst auf sämtliche neue Partnerinnen projeziert wird. So habe ich es erlebt und es war die Hölle, aber vielleicht stimmt es schon, dass es mich zu einem anderen Menschen gemacht hat, dass ich ohne diese Erfahrung nicht die wäre, die ich jetzt bin? Trotzdem: es wäre nicht nötig gewesen!!!!

Zum Glück gibts es auch andere Menschen, jene nämlich, die Einfühlungsvermögen haben, die zuhören, die einem in dieser ganzen Sache beistehen. Ohne die alle wäre ich wohl nicht mehr hier am Mitschreiben! Dank all jenen ist auch mein Freund zur Vernunft gekommen, obwohl die anderen immer wieder Öl ins Feuer gegossen haben!

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Beitrag von Ria » 30.07.2012 20:48

Ich meine, wir alle können nicht wirklich ahnen, was auf uns zukommt, und das ist auch besser so. Sonst würden wir uns vielleicht vieles nicht zutrauen.
Sei es Kinder, sei es Bauernhof... schlussendlich bietet uns das Leben immer wieder Überraschungen, auf die wir so oder so reagieren können. Und es kommt immer wieder einmal vor, dass wir uns überfordert fühlen.

Ich mache die Erfahrung, dass ich am besten damit fertig werde, wenn ich den Standpunkt einnehme, dass das, was auf mich zukommt meiner Weiterentwicklung dient. Und gleichzeitig vertraue ich darauf, dass mir vom Leben nicht mehr zugemutet wird, als ich meistern kann. Diese Haltung verdanke ich meinen Eltern, die mir Gottvertrauen/Vertrauen ins Leben mitgegeben haben. Und das ist ein Glück für mich.

Das heisst nicht, dass ich Scheidung, Stellenverlust, zu Beginn Ablehnung durch meine Stieftöchter etc. auf die leichte Schulter genommen hätte. Aber es ging weiter, und diese Erfahrungen haben zu dem beigetragen, wo ich heute stehe.
Und sie sie sind auch Ausdruck davon, was ich im Innersten darüber glaube. Sei es über Männer, Ehe, Liebe, Kinder, Arbeit, Chef sein etc.

Ich glaube heute auch, dass die Menschen, die mir begegnen aus ihrer Sicht gute Gründe für ihr (manchmal aus meiner Sicht unmögliches) Verhalten haben, auch wenn es nicht so aussieht. Und ich gebe zu, dass mir das auch oft erst im Rückblick gelingt. Aber wenn, dann nützt es mir, um weiter zu gehen und nicht in Vorwürfen verstrickt zu bleiben. Damit mache ich es vor allem mir schwierig.
Seit 22 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
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Beitrag von BabyOne » 30.07.2012 20:52

carlotta37 hat geschrieben: Nee, wir sind Menschen und keine Löwen...! Tiere handeln aus Instinkt, wir müssen das nicht.
Das finde ich eine übertrieben idealistische Sichtweise auf den Menschen
:P Wir reden uns gerne ein, wir wären so vernünftig, aber das sind wir gar nicht. Sonst würde sich kein Mensch verlieben, es gäbe deutlich weniger oder keine Kriege etc. Natürlich sind wir instinktgesteuert. Es gab zum Beispiel mal eine sehr interessante Untersuchung, bei der Diskobesucherinnen fotografiert wurden und eine Speichelprobe abgeben sollten. Es zeigte sich: die Mädels, die gerade ihre fruchtbaren Tage hatten, trugen die kürzesten Röcke. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.
carlotta37 hat geschrieben: ist es also unnatürlich, dass wir mit der Ehe versuchen, monogam zu leben?
Es ist wohl nicht unnatürlich, dass wir es versuchen, aber es ist sehr natürlich, dass wir dabei verdammt oft scheitern. Verhaltensforscher gehen davon aus, dass die Lebensweise, die dem Menschen am ehesten entspricht, die serielle Monogamie ist. Also: immer nur ein Partner auf einmal, aber nicht für immer. Dummerweise macht die herrschende Auffassung (Ehe = der eine Partner für immer) damit das, was eigentlich die Regel ist, zum Versagen.
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