Urlaub ohne Stiefkind

Alles rund um die Partnerschaft
carlotta37
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Beitrag von carlotta37 » 06.02.2012 22:11

Bei uns gab es zwar keinen Krach zwischen meinem Freund und mir, aber ich war eben auch ständig angespannt. Er hat das irgendwie verstanden, wusste aber auch nicht, wie er mir hätte helfen können. Meine Grosse war eben auch extrem geschickt: sie klebte an mir wie ein Baby, verhinderte jedes Gespräch zwischen uns Erwachsenen und wenn das alles nichts mehr half, provozierte sie ihre Brüder, bis einer von denen weinte und ich mich dann kümmern musste.

Dabei war für uns schon klar: wenn die Kinder mitfahren, stehen sie natürlich auch im Mittelpunkt. Aber der ewige Unfrieden, die bösen Blicke, die Streitereien: da verging mir jede Spontanität. Immerhin sind meine Kinder zu dritt und wie ich aus Urlauben mit Freundinnen weiss, auch gut in der Lage mal miteinander zu spielen oder sich normal an einem Gespräch zu beteiligen. Aber die Eifersucht der Grossen auf meinen Freund liess sowas nicht mehr zu.
Wir Erwachsenen haben das gut geschafft, im Prinzip waren wir immer einer Meinung und haben zusammen gehalten. Aber Spass macht sowas trotzdem nicht! Einmal bin ich explodiert, aber so richtig. Da hat Töchterlein sich dann die verbleibenden zwei Urlaubstage zusammen gerissen....
Sowieso arbeitet mein Freund im Sommer im Ausland. Und Skiurlaub mit meinen Jungs ist sehr entspannt, die helfen auch mit, sind umgänglich und haben Freude - abgesehen von den absolut normalen wilden 5 Minuten, die jedes Kind mal hat 8)

BabyOne, ich denke, man muss einfach vorsichtig sein, wie man sich äussert dem Partner gegenüber. Es handelt sich ja nicht um einen Kriegszustand mit dem jeweiligen Kind. Aber niemand hat etwas von so viel Stress und wenn es eben nunmal nicht geht gemeinsam, dann muss man Alternativen und Kompromisse suchen. Dein Partner wird logischerweise verletzt sein, wenn er denkt, dass Du sein Kind ablehnst und einfach nicht mehr willst. Wenn Du aber um Verständnis bittest, dass diese Situation Deine Kräfte momentan übersteigt und Du einfach so nicht mehr kannst, sieht es schon anders aus!

tarzan
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Beitrag von tarzan » 07.02.2012 10:26

ich denke es steht und fällt mit dem Partner.
Mein Ex-Mann immer sehr auf die Kinder fixiert.
In den Ferien war das nicht anders.
Wir hatten mal ein Ferienhaus in Spanien gebucht für 2 Wochen,
so schön es dort war, konnte ich mich nicht erholen oder erfreuen.
Und dies weil mein Ex-Mann ständig auf seine Kinder fixiert war und
er es in den Ferien erst recht gut machen wollte. Ich fühlte mich dann
als 5. Rad am Wagen.
Als wir mal alle zusammen in ein Hotel auf Gran Canaria gingen, das war besser, dort waren sie aber auch etwas grösser schon.
Dann gingen wir mal mit dem Sohn und seiner Freundin in ein Wellnesswochenende, dort hatte mein Ex-Mann das Problem, weil sie der Sohn mehr mit der Freundin wie mit dem Vater abgab. Für mich war das ganz normal, dass man mit 18 oder 19 wo er damals war, nicht mehr am Vater klebt und den Tag selbst gestalten möchte, vorallem wenn die Freundin noch dabei ist.

Heute ist für mich klar, mein Ex-Mann hat/hatte ein Problem. Die Wochenenden wollte er immer noch mit dem Sohn verbringen, und der wird 22. Auch Ferien hat er sich immer vorstellen können, sogar zusammen wohnen oder direkt nebenan. Ich will nicht sagen, dass das schlecht ist, aber bei ihm war es so, dass er sich gegen den Abnabelungsprozess gewehrt hat beim Sohn. Bei der Tochter ist es anders, die geht ihren eigenen Weg schon lange, obwohl das dem Vater auch nicht passt.

Was sicher auch ist: desto älter die Kinder, desto besser, auch in den Ferien :wink:
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Madoxa
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Beitrag von Madoxa » 07.02.2012 14:31

tarzan hat geschrieben:Was sicher auch ist: desto älter die Kinder, desto besser, auch in den Ferien :wink:
Das ist sicher so, sobald die Kinder ihre Ferien allein oder mit Freunden verbringen wollen, wird die Situation in der Patchworkfamilie entschäft. Bei uns war das so. Dann sollte man die Kinder auch gehen lassen, sprich abnabeln.
Als unsere Patchis noch alle bei uns wohnten waren die Ferien für sie immer lustig. Die grossen Zwei nahmen dann die Kleineren immer mit, vor allem auf der Skipiste. Abends haben dann die vier Kinder zusammen gespielt, sie brauchten mich und meinen Partner nie. Ich glaube, wir hatten da ein Riesenglück.

aisha

Beitrag von aisha » 21.02.2012 19:48

babyone, ich habe vor noch nicht allzulanger Zeit Urlaub ohne meinen Freund gemacht. Und es war TOLL!!!!! Meine Tochter und ich sind einem gemeinsamen Hobby nachgegangen und es war keine Minute langweilig. Auch im Hotel fühlte ich mich nicht allein, es hatte andere Alleinerziehende, Familien, Ehepaare, Rentner. Man wurde weder ausgegrenzt noch blöd angeschaut. Im Gegenteil, es gab nette Bekanntschaften und Gespräche.

Jedenfalls habe ich meinen Freund keine Minute vermisst. Es war eine Woche Frieden pur.
Ich glaube, getrennte Urlaube können auch ganz erholsam sein. Keinen Knatsch mit den Stiefkindern und deshalb keinen Stress mit dem Partner.
Als weiteres Plus hat mein Partner auch gemerkt, dass ich durchaus eine eigene Identität besitze und auch ohne ihn zurechtkomme.

Ich kann dir nur empfehlen, versuche dich wenigstens für eine Ferienwoche auszuklinken. Bis jetzt konnte ihr den Stiefsohn "teilen" wenn er Stress machte. Aber lass deinen Mann einfach mal allein mit ihm. Vielleicht geht es unerwarteterweise sehr gut, vielleicht kommt dein Mann aber auch ganz gehörig zur Welt....

Bin gespannt auf deine Entscheidung...

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Beitrag von BabyOne » 21.02.2012 21:39

Die Entscheidung steht schon, ich fahre im August zwei Wochen mit Hund und Tochter. Wir besuchen unterwegs meine Oma und fahren dann weiter auf einen tollen Campingplatz in Frankreich. Auf dem Rückweg machen wir dann nochmal bei meinen Verwandten einen Stopp. Ob wir noch gemeinsam mit Partner etwas machen weiß ich nicht, mein Freund meint dass er vielleicht nicht mehr als zwei Wochen Urlaub bekommt und dass er mit seiner Ex schauen muss wie der Sohn dann versorgt ist wenn er ihn während der Ferien nicht die vollen drei Wochen nimmt. Ich nehme das mit Achselzucken zur Kenntnis, meiner Erfahrung nach schafft er es einfach nie so etwas im Voraus zu planen, deswegen habe ich mich ja immer um sowas gekümmert.

Immerhin hat es keinen weiteren Stress deswegen gegeben, andererseits steht nun bald Ostern vor der Tür und damit auch der Stiefsohn, und meine Eltern haben sich auch angekündigt, die mein Freund wiederum nicht leiden kann und mit denen ich auch so meine Schwierigkeiten habe... Da kann ich mir wahrscheinlich die Kante geben um das zu überleben :alc:
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aisha

Beitrag von aisha » 23.02.2012 08:01

toll hast du das gemacht baby one! Du hast eine Entscheidung getroffen, ohne deinen Mann auszuschliessen.
Es ist nun an ihm, sich zu organisieren. Bin gespannt. Es wird klappen, verlass dich drauf. Wir nehmen unseren Männern soviel an lästigen Entscheidungen und organisatorischen Dingen ab, dass es zur Selbstverständlichkeit und Gewohnheit geworden ist. Und wehe, wir spuren mal nicht....
Da sind wir ja selber schuld. wir wollen immer das Beste für die Familie, geschätzt wird es eh nicht und wenn, dann verliert keiner ein Wort darüber.

Für die Zukunft gilt nun für mich: in den Urlaub fahre ich nur noch mit, wenn es für MICH auch stimmt. Ich habe keine Lust mehr, wochenlang gute Miene zum bösen Spiel zu machen, mich mit Stiefkindern rumzuärgern, die mich eh wie den letzten Dreck behandeln. Dann soll mein Freund allein mit ihnen fahren, es sind wohl alle glücklicher dabei, vor allem die Stiefkinder.
Bin gerade ein bisschen frustriert, dass wir es nicht mal im Urlaub auf die Reihe kriegen mit dem patchworken...

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Beitrag von carlotta37 » 23.02.2012 11:51

"Nicht mal im Urlaub" ist der falsche Ausdruck, aisha!! Kaum etwas ist so schwierig wie Urlaube....schon in "normalen" Familien kracht es da oft gewaltig. Urlaub ist einfach ein Ausnahmezustand und oft verbunden mit sehr hohen Ansprüchen von allen Beteiligten.

Ehrlich gesagt, ich krieg's auch nicht auf die Reihe und zwar sogar wenn ich ohne meinen Freund fahre. Allein schon die Wünsche der drei Kids unter einen Hut zu bringen, ohne dass ich dabei einen Nervenzusammenbruch kriege, ist ein Kunststück. Also wundere Dich nicht! 8)

aisha

Beitrag von aisha » 23.02.2012 14:49

da hast du schon recht carlotta. Zwischen meinem Freund und mir gab es noch nie Meinungsverschiedenheiten im Urlaub. wir genossen es immer sehr. Krach gibt es immer wegen der Kinder und dem will ich mich nicht mehr stellen.
Denn ich möchte ja mit meinem Freund die "schönsten" Tage des Jahres geniessen und nicht mit seinen Kindern. Klingt jetzt sehr egoistisch.
Aber wenn man dem aus dem Weg gehen kann, ist schlussendlich allen gedient. Es müssen Kompromisslösungen her.
Ich habe ja nie gesagt zu meinem Freund, dass ich nicht will, dass er seine Kinder mitnimmt. Wenn er mit seinen Kinder in den Urlaub fahren will, dann stehe ich dem nicht im Weg, aber ich versuche mich abzgrenzen. Er empfindet das zwar als Erpressung. Aber ich denke, er muss schon lernen zu akzeptieren, dass auch ich meine Bedürfnisse habe.

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Beitrag von Bacci2 » 15.04.2012 17:16

Wir hatten diese Diskussionen auch schon oft. Die letzten Jahre waren die Kids so gut wie alle Feiertage bei uns inkl. Muttertag. Dieses Jahr habe ih alle rausgestrichen ausser Weihnachten. Solange es nicht besser funktioniert bin ich nicht mehr bereit meine Festtage mit seinen
Kindern zu verbringen. In den Sommerferien kommt der Grosse auf seinen Wunsch hin nicht mehr mit. Und nach fünf Jahren fahren wir dieses Jahr im
Herbst wieder ohne die Stiefkinder in die Ferien. Seine Kinder ahren mindestens 4 mal in die Ferien. Südtürkei Skiferien Afrika. Etc. Wir können von so was nur träumen! Sie kommen also sicher nicht zu kurz
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Beitrag von BabyOne » 24.07.2012 07:46

Ich habe gerade diesen Thread nochmal durchgelesen. Ende kommender Woche geht es los, ich fahre eine Woche mit meiner Tochter zu meinen Eltern ans Meer. Mein Partner hätte mitkommen können, wollte aber nicht, weil er meine Eltern nicht leiden kann. (Heute morgen hat er mir erzählt, er hatte einen Alptraum, in dem meine Mutter ihm Vorwürfe machte, er hätte ihr Auto beschädigt, und als er aufwachte, war er erleichtert, dass er nicht dort hinfährt...)

Dann arbeite ich nochmal eine Woche (oder tue so :twisted: ), und dann geht es wieder mit Tochter los zu dem Campingplatz in Frankreich. Ich freue mich so darauf!

Mein Freund hat zwei Wochen Urlaub genommen (und noch eine Woche beantragt, ich weiss nicht ob das jetzt schon genehmigt ist), die er mit seinem Sohn verbringen will. Ich frage nicht nach, weil ich mich nicht einmischen will, aber ich habe den Eindruck dass er bisher noch überhaupt nichts geplant hat. So wie ich es mir vorher gedacht hatte.
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Beitrag von Babell » 24.07.2012 11:50

Hallo babyone

Du bist mutig, dass du deine Konsequenzen so klar durchziehst! Bravo!

Nimmt mich ja wunder, wie deinem Freund die zwei oder drei Wochen Ferien mit seinem Sohn gefallen... Vielleicht ist alles in Harmonie, oder vielleicht versteht er mal, von was du redest. So wie du den Stiefsohn schilderst, glaube ich eher an das Zweite..... :wink:

Geniesst die Ferien! 8)

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Beitrag von BabyOne » 08.09.2012 18:45

So, da bin ich dann wieder.

Ich war wie geplant zwei Wochen mit Tochter im Urlaub. Es war alles eigentlich sehr schön, nur das Wetter war vor allem zum Ende hin durchwachsen, aber es ging noch.

Mein Freund und ich haben jeden Tag telefoniert, er hat uns vermisst :) und ich war jeden Tag dankbar dass sein Sohn nicht dabei war. Allerdings bin ich gedanklich doch nicht ganz von ihm losgekommen, dauernd musste ich denken "wenn er jetzt hier wäre, würde er garantiert über X motzen..."

Gleichzeitig mit uns hat mein Freund Zeit mit seinem Sohn verbracht. Weggefahren sind sie nur einen Tag zu einer Wasserskianlage (war meine Idee gewesen), sonst haben sie halt Sachen vor Ort gemacht. Die letzte Woche habe ich schon wieder gearbeitet, und in der Zeit war sein Sohn noch bei uns. Darüber war ich erst nicht begeistert, aber es ging jetzt ganz gut.

Der Sohn von meinem Freund hat in der Zeit wohl mit einer gewissen Wehmut von unseren früheren, gemeinsamen Urlauben erzählt. Mein Freund hat ihm wohl nochmal gesagt dass wir wegen seines Verhaltens in den letzten Jahren nicht zusammen weggefahren sind, und anscheinend ist dem Jungen dadurch, dass ich tatsächlich allein mit der Tochter gefahren bin, erst überhaupt bewusst geworden, dass sein Verhalten wirklich nicht so toll war. Hilfreich ist dabei sicher, dass auch mein Freund durch langes Nachdenken jetzt erkannt hat, wie viel er mir in der Vergangenheit eigentlich abverlangt hat. Er hat ja seinem Sohn eigentlich nie so richtige Grenzen gesetzt und viel hingenommen, und wenn ich mich beklagt habe oder ihn auf etwas hingewiesen habe, war ja immer ich die Doofe.

Gestern habe ich mit dem Jungen auch noch einmal alleine gesprochen. Man soll ja immer sehr wertschätzend und dabei authentisch sein... ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher ob ich sehr wertschätzend gewirkt habe, denn ich habe ihm sehr deutlich gesagt wie unmöglich ich sein Verhalten in der Vergangenheit fand. Ich glaube, es fiel auch das Wort "Terrorist"... Aber authentisch war ich ganz sicher ! :twisted: Er hat auch nicht versucht herumzudiskutieren und zu streiten wie oft sonst. Ich habe tatsächlich den Eindruck er sieht ein dass er sich sehr schlecht benommen hat und er will sein Verhalten ändern. Am Ende haben wir uns die Hand gegeben und gesagt, dass wir einen Neuanfang machen wollen.

Ich bin nicht so naiv, dass ich glauben würde dass sich von heute auf morgen alles ändert, und ich bin ehrlich gesagt skeptisch wie lange die Erkenntnis und der gute Wille anhalten. Aber es ist doch ein Schritt...
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Beitrag von carlotta37 » 09.09.2012 18:33

Hallo BabOne,

ich finds super, dass Du das so entschieden und auch umgesetzt hast. Es nützt nichts, dem ideal von Familienleben zuliebe sich zu zwingen, wenn es einfach nicht geht....

Auf eine langfristige Wirkung bei dem Jungen würde ich auch nicht zu sehr hoffen. Sowas geschieht immer in kleinen Schritten. Er kann ja auch nicht aus seiner Haut und seine Situation ist wahrscheinlich auch nicht so einfach....Zum Glück kann man bei Kindern manchmal einfach auf die Entwicklung vertrauen, die Zeit bringt viele Veränderungen! Und durchaus auch positive!! Aber es dauert halt.... :roll:

Bei uns sind gemeinsame Urlaube ja auch ein Thema. Wir versuchen es nun im Herbst wieder, alle zusammen. Mal schauen wie es wird, wenn meine Tochter und mein Freund eine ganze Woche auf so engem Raum verbringen. Das ist eine Bewährungsprobe - auch wenn es im Alltag momentan sehr gut läuft!
Erzwingen will ich aber nichts mehr. Es ist ein Versuch und muss nicht unbedingt wiederholt werden, wenn sich einer dabei unwohl fühlt.

Ich wünsche Dir möglichst entspannte Wochenenden, auch mit Stiefsohn!!

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Beitrag von lapislazuli » 09.09.2012 21:43

Hallo BabyOne,

schön, dass Ihr einen entspannteren Urlaub hattet.

Wir waren diesen Sommer auch ohne die Söhne meines Mannes in Urlaub, es war tatsächlich einfach das, was Urlaub sein soll: Entspannung.

und zu Deinem Stiefsohn:
Wie sagt man so schön? Einsicht ist der beste Weg zur Besserung, auch, wenn natürlich nicht von jetzt auf gleich "alles gut" sein wird, aber vielleicht ist eine Entwicklung zu einem besseren Miteinander möglich. Ich wünschte es Dir sehr! Auf Grund der Vorkommnisse hier in den letzten beiden Jahren fürchte ich, das Verhältnis zwischen meinen Stiefsöhnen und mir ist auf lange Zeit zerrüttet :cry:
Patchwork unter einem Dach ab 6/2010:
Mein Mann: 3 Söhne (14, 18, 21)
Ich: Sohn (15), Tochter (11)
Bis auf den 18-jährigen Sohn meines Mannes lebten alle Kids bei uns.

Seit 06/12 patchwork in getrennten Wohnungen (ist das dann noch patchwork?)

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Re: Urlaub ohne Stiefkind

Beitrag von BabyOne » 23.06.2014 21:37

So, viel Zeit ist vergangen, und ich möchte diese Diskussion noch einmal aufgreifen.

Vor drei Jahren war ich das erste Mal ohne Stiefkind und damit gleichzeitig auch ohne Partner im Urlaub. Im Jahr darauf hatte mein Freund dann zwar auch noch einmal kurze Anwandlungen von Ärger und Trotz, wollte dann aber doch gerne mit mir und unserer Tochter in den Urlaub und so haben wir es so gemacht dass wir zusammen etwa zwei Wochen im Urlaub waren und er dann nochmal mit beiden Kindern eine Woche auf einem Bauernhof gebucht hatte.

Direkt nach der Ankunft am Ferienort benahm er sich mir gegenüber sehr distanziert und brach dann einen Streit vom Zaun. Es traf mich wieder einmal eher unvorbereitet (das ist bei uns ein häufiges Muster - inzwischen bin ich der Meinung, es liegt daran, dass er innerlich irgendwie Druck und Agressionen spürt und die sich anstauen, und dann lässt er urplötzlich ohne äußeren Anlass alles an mir aus, und erfindet dazu dann eine Begründung, warum ich jetzt wieder schuld an seiner schlechten Laune sein soll). Wir haben uns dann letztlich wieder vertragen, aber das hat dem Urlaub einen leicht bitteren Beigeschmack gegeben, der auch in der Erinnerung immer noch da ist. Im Nachhinein scheint es mir so, als ob er mich dafür strafen wollte, dass sein Sohn nicht mitkommen durfte.

Danach haben wir den Urlaub aber doch alle genossen, und es war dann so wie man sich einen Urlaub vorstellt - entspannt, ohne allzugroßen Stress.

Danach hat er dann in Gesprächen zugegeben, dass ich wohl recht hatte und dass es in der Vergangenheit mit seinem Sohn im Urlaub tatsächlich kaum auszuhalten war. Früher hat er das immer abgestritten und mich als die übellaunige Stiefmutter hingestellt.

Das wirklich Interessante passierte dann aber, als sein Sohn zu uns kam am Vortag der Reise auf den Bauernhof. Urplötzlich benahm er sich wieder genauso wie früher im Urlaub - streitsüchtig, agressiv, patzig. Er provozierte die kleinere Schwester, die dann irgendwann unter Tränen erklärte sie hätte keine Lust mehr gemeinsam mit dem Bruder wegzufahren, weil der Urlaub eh keinen Spaß machen würde wenn er sich so benimmt. Da wurde ich hellhörig und konfrontierte ihn damit: "Heute ist noch ein ganz normaler Tag. Wir sind hier zuhause so wie an vielen anderen Wochenenden auch. Sonst vertragt ihr euch gut und an den Wochenenden kommen wir eigentlich gut zurecht. Aber heute benimmst Du Dich genauso wie damals im Urlaub. Dabei ist morgen erst die Abfahrt, und ich werde nicht mitkommen, also kann es auch nicht an mir liegen. Also wenn es nicht an dem liegt was wir tun und wo wir sind und nicht an mir, dann liegt es anscheinend alleine daran, dass Papa mit Dir in den Urlaub fahren will. Warum bekommst Du so eine schlechte Laune, nur weil Papa mit Dir in den Urlaub fahren will? Was ist der Grund?"

Erst kam natürlich ein Schulterzucken, aber dann irgendwann ein trauriges "es gibt da etwas, aber ich will es nicht sagen". Daraufhin hat mein Freund seinem Sohn dann gesagt, dass er weiss dass seine Mutter/ die Exfrau eine schlechte Meinung von ihm hat und gemutmaßt, dass es vielleicht so ist, dass sie vor dem Sohn schlecht über ihn redet, und dass der Sohn vielleicht das Gefühl hat dass er im Urlaub mit uns keinen Spaß haben darf, weil das nicht zusammen passt mit dem was seine Mutter ihm über uns sagt? (Man muss dazu sagen dass wir in der Zeit davor besonders oft durch das Verhalten und Äußerungen des Sohnes bemerkt haben, dass seine Mutter vor ihm schlecht über den Vater redet, teilweise hat er sich dem Vater gegenüber geringschätzig verhalten usw.). Dem hat er nicht widersprochen, so dass wir wussten dass diese Vermutung wohl ein Treffer ins Schwarze war. Wir haben dann mit ihm darüber geredet, dass seine Mutter sicher insgesamt eine gute Mutter ist und es nicht böse meint, dass es aber nicht richtig ist, wenn seine Mutter sich so verhält, dass er selber auch das Recht hat ihr zu sagen dass sie damit aufhören soll wenn er merkt dass ihn so etwas verletzt, und dass er nun langsam lernen muss seine eigene Meinung zu haben. Dass er nichts dafür kann dass die Situation so ist, und dass er gerade deswegen auch das Recht hat sich auch beim Vater wohl fühlen zu dürfen. Dass er versuchen sollte in sich hinein zu spüren wenn er merkt dass er schlechte Laune bekommt, um herauszufinden was der Grund dafür ist, und dass er die schlechte Laune dann nicht bei uns ablassen soll wenn der wahre Grund woanders liegt.

Ich hatte das Gefühl dass er einiges von dem verstanden hat was wir ihm gesagt haben, und ich vermute auch dass es für ihn eine Erleichterung war, über diesen Konflikt zwischen seinen Eltern einfach mal offen und sachlich reden zu können (oder dabei zuzuhören), und zu spüren dass man das nicht totschweigen oder durch unterschwellige Agressionen ausleben muss. Die Woche auf dem Bauernhof danach soll einigermaßen freidlich gelaufen sein.

Nun ist wieder fast ein Jahr um. Dieses Jahr war meine Idee, das wir unseren Familienurlaub zu dritt ohne Stiefsohn zu Pfingsten machen und dann die Sommerferien aufteilen und er mit den Kindern wieder auf den Bauernhof fährt (auf Wunsch der Kinder, denen es dort gefallen hat). Kaum hatten wir gebucht, kam eine Email der Exfrau mit dem sehr bestimmt vorgetragenen Wunsch, mein Freund möge den Sohn über Pfingsten zu sich nehmen oder ihm wenigstens eine Sprachreise finanzieren. (Sie wusste sicher nichts von unserer Buchung, das war wohl Zufall.) Wir blieben bei dem ursprünglichen Plan. Daraufhin kam kurz vor der Abreise, als der Sohn dann auch mitbekommen hatte dass wir gemeinsam ohne ihn fahren, eine böse Email der Exfrau: der Sohn würde bei uns ausgestoßen, würde sich bei uns als drittes Rad am Wagen fühlen, würde vernachlässigt und er sei ein schlechter Vater.

Also gab es wieder einmal ein Gespräch mit dem Sohn. Ob er sich wirklich als Außenseiter bei uns fühlt? Nein, nur wegen dem Urlaub, sonst nicht. Ob er weiß, warum wir ohne ihn fahren? Schulterzucken. Ob er sich erinnert, dass wir schon mehrfach ausführlich über die Gründe mit ihm gesprochen haben? Nö, weiss er nicht. Angeblich soll er im Urlaub seine Schwester geärgert haben (die Exfrau unterstellt ja immer, dass die Schwester bevorzugt wird), sonst weiss er von nichts. Er hat also alles verdrängt - das Thema ist wohl zu unangenehm, um sich daran erinnern zu wollen. Wir haben ihm alles nochmal erklärt, an bestimmte Vorfälle erinnert, auch an das Gespräch vom Vorjahr über die Gründe seines Verhaltens - und da kam die Erinnerung wieder und er war auf einmal auch einsichtig. Ergebnis des Gespräches war, dass er mal genau darüber nachdenken soll, ob er überhaupt Lust hat wieder mit uns zusammen in Urlaub zu fahren, mit allen Konsequenzen, also auch inklusive sich in die Gruppe einfügen und auch dann mitmachen wenn man mal nicht rundum begeistert von einer Idee ist. Und er soll versuchen, seiner Mutter zu signalisieren, dass er dieses Thema mit seinem Vater alleine klären kann und dass er ihre Schützenhilfe nicht braucht. Wir haben gesagt, dass wir - wenn das Geld reicht - mal schauen können ob wir im Herbst zu viert einmal nach Paris fahren können, als kleiner Test und als erster Anfang, und dass es durchaus denkbar ist dass er auch wieder mitfahren kann, wenn einigermaßen sicher ist dass er nicht wieder in die alten Verhaltensmuster zurückfällt.

So, das ist der aktuelle Stand. Tut mir leid für den langen Text, aber es geht ja auch um einen Zeitraum von mehreren Jahren... :mrgreen:

Wie gesagt finde ich es sehr spannend, dass wir jetzt eine schlüssige Erklärung für die Schwierigkeiten gefunden haben und damit vielleicht auch einen Schlüssel für die Zukunft. Es bleibt spannend... :roll: :aahrg:
Patch von 2002/2003 bis 2017
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