Ja oder nein in ein Patchworksystem

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Atlantis
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Ja oder nein in ein Patchworksystem

Beitrag von Atlantis » 17.01.2018 09:44

Hallo an alle,
Hab lange damit gehadert in ein Forum zu schreiben, weil man doch nur andere Meinungen erhält, von Menschen die dich eigentlich nicht kennen. Und trotzdem bin ich jetzt hier, weil keiner in meinem Umfeld mit solch einem Problem konfrontiert ist.
Zu mir, ich bin 34 Jahre und bald vier Jahre in einer Beziehung mit einem Mann (38), der einen 4 jährigen Sohn hat. Mein Partner wurde bereits in der Schwangerschaft von seiner Ex verlassen, die damal 40km von uns entfernt wohnte. Anfangs wollte mein Partner nur selten eine Beziehung zu seinem Sohn, wo ich ihn motivierte, diese mehr zu halten. Die Ex Frau beschloss dann nach Nürnberg zu ziehen, also 400km weit entfernt von uns.
Mein Partner nahm das so hin. Die Besuche wurden erste ab dem 2 Lebensjahr des Kindes heufiger und mein Partner wünschte sich auch, dass ich mitfahre und dabei bin. Ich entschloss mich, dass auch zu versuchen. Jetzt bin ich ein Jahr mitgefahren. Wir fahren jedes Monat einmal hinauf. Müssen uns jedesmal einen Ferienwohnung organisieren, dass der Kleine bei uns schlafen kann. Wir bekommen vorher immer ein E-mail vor dem Besuch, wo drinnen steht,ob man schwimmen gehen darf, ob der Kleine verkühlt ist. Dass man ihn nur mit dem zusätzlichen Schlafsack schlafen lassen darf, Mittagsschlaf am Samstag "Ja", am Sonntag "nein". usw.
Regeln, Umgangsregeln stehen da drinnen. Wir müssen uns jedesmal auf ein neues Kind einstellen. Darin sind wir schon geübt. Außerdem sind die E-mail immer wieder falsch. Wir finden kein verkühltes Kind vor. Trotzdem halten wir uns an die Vorgaben. Sie schreibt auch immer wieder, dass der Kleine brüllt und alles probiert um auszuspielen. Solche Informationen sind darin. MEin Partner fragt auch nicht groß nach. Viele Fragen kommen von meiner Seite, die er teilweise dann auch per E-mail beantwortet.
Zu den Allimenten kommen jetzt auch Fahrtkosten und Unterbringung dazu. Das sind in Summe 500 Euro. (mal 12 = 6000 Euro).
Ich habe jetzt für mich beschlossen, nicht mehr hinaufzufahren und Besuche zu pflegen, weil es mir dabei nicht gut geht. Das Verhältnis der beiden EX- Partner ist kalt. Sie verliert andauernd die Fassung auch vor dem Kind. Türen werden zu geschlagen. Mein Partner bleibt ruhig, aber ich will mich weiter dem kalten, abnormalen Verhältnissen nicht aussetzen. Mein Partner, hat dies aktzeptiert und versteht es auch. Er findet es aber traurig und schade, wenn ich den Umgang nicht mehr pflegen will.Damit ist mir auch klar, dass ich keine Beziehung mehr aufbauen kann. Wenn mein Partner später möchte, dass sein Sohn zu uns kommt (Ferien), wird das sicher schwierig.
Er will aber auch keine Energie in eine Besserung der Kommunikation zu seiner Exfrau investieren. Damit wird sich das aus heutiger Sicht nicht bessern. Ich habe auch Angst, dass es sich verschlechtert und es später zu Konflikten führt. Beide kommunizieren nur mit E-mail kurz vor den Besuchen, sonst kein Ausstausch.
Ich weiss, auch nicht was dabei ausgetauscht wird. Wenn ich nachfrage, meint mein Partner: Das sind schwere E-mail. Besser ich verschone dich damit. Er hat mir einmal erzählt, dass sie ihm schreibt, dass sie ständig im Dispo ist. Das sie Geld braucht. Beide streiten sich jetzt bereits um die Kindergartenkosten, wer die Zoo- Jahreskarte zahlt, Kindergartenmittagsessen. Sie schickt den kleinen in einen Privatkindergarten, das mir überhaupt nicht einleuchtet, wenn man in der Schuldenfalle sitzt.
Das ist soweit die Situation.
Jetzt bin ich 34 Jahre und auch bei mir Tickt die Uhr und ich mache mir mehr Gedanken um ein eigenes Kind. Wir wohnen noch in einer Mietwohnung und die Lebenerhaltungskosten sind teuer. Wir beiden denke um ein Eigenheim nach. Nachdem mein Partner von früher Schulden hatte (Jetzt nicht mehr) , ist von seiner Seite nicht viel zu Finanzierung eines Eigenheims zu erwarten. Er gibt mir immer wieder zu verstehen, dass das alles schon machbar ist. Aber ich bin dazu skeptisch. Er hat für sich entschieden, dass er bis zu 10 mal im Jahr zu seinem Sohn hinauffahren will. Wenn ich mir denke, wir müssen einen Kredit zurückzahlen, Allimente und zusätzliche Kosten der Unterbringungen, zwei Autos, und dann würde noch ein eigenens Kind dazukommen. Ob sich das alles ausgeht? Ich weiss, man sollte das Finanzielle keiner großen Bedeutung zukommen lassen, wenn es um Liebe geht, aber bin ich da zu streng?
Ich mag ihn sehr gern und mein Partner wünscht sich auch einen Familie, der er dann endlich nahe ist. Er hängt auch sonst sehr an mir.
Mein Kopf sagt aber, dass das alles nicht meinen Vorstellungen entspricht. Sich ständig mit Streiterein herumzuschlagen, die teilweise, ja nicht present sind, totzdem aber da sind. Ich kann seine Ex- Frau auch nicht einschätzen, was da noch alles auf ihn / uns zukommt.
Ich kann seine Vergangenheit auch nicht ausklammern, weil sie doch ständig da ist, trotz der Entfernung. Wir leben eigentlich als Paar zusammen in einer Wohnung, wie "Normalos" und doch bin ich in einem "Patchworksystem". Versteht ihr was ich meine?
Ich weiß, auch nicht wie sich das Verhältnis zu seinem Sohn entwickelt. Ob Vaterschaftsgefühle stärker werden und weniger Platz für eine eigene Familie da sind. Mein Partner ist auch von der Fahrerei geschafft.
Wie ist euer Erfahrung mit zusätzlichen Kosten und Finanzierung in einer Patschwork Familie?
Kommen da noch mehr Probleme auf einen zu, außer die bis her beschriebenen?
Meine Gefühle sind stark, aber mein Kopf sagt mir, lass es. Das macht dir nur Probleme dein restliches Leben, auf die du keinen Einfluss nehmen kannst. Jetzt kann ich noch Einfluss nehmen.
Ich habe, den großten Respekt vor allen Patchworkfamilien.
Würde mich freue, wenn mir jemand einen guten Rat geben könnte. Entscheiden muss, ich selbst, dass weiss ich genau.
lg.

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Re: Ja oder nein in ein Patchworksystem

Beitrag von BabyOne » 17.01.2018 18:31

Hallo Atlantis,

was ich aus Deiner Schilderung heraushöre ist ein Unbehagen mit der Situation wie sie ist:

- die Kommunikation zwischen Deinem Partner und seiner Ex ist kühl und sachlich (per Email, nur vor Besuchen) und teilweise wiederum aber auch zu aufbrausend (Türenknallen, Fassung verlieren)
- Dich stören die Kosten der Besuche und des Unterhalts
- Du hast Wünsche, von denen Du befürchtest, dass die "Altlasten" Deines Partners sie erschweren (Eigenheim, Kind).

Was ich aus der Schilderung rein von der Sache her herauslese ist aber eigentlich viel Positives:

- die Ex ist weder eine Konkurrenz für Dich, weil sie Deinem Partner noch nahe stehen würde, noch bestimmt sie euren Alltag, weil zu viel Kommunikation da wäre. Das könnte nämlich auch ganz anders sein - Anrufe zur Unzeit und die Erwartung, jederzeit zur Verfügung stehen zu müssen.

- Dein Partner hält Dich bewusst aus Konflikten heraus, um Dich zu schonen - das ist sehr klug von ihm und Du solltest dieses Angebot annehmen. So lange ihn die Konflikte nicht zu sehr belasten, sollte es auch nicht Dein Problem sein ob er mit seiner Ex noch ein warmes Verhältnis hat oder nicht.

- Dein Partner wäre bereit, mit Dir noch ein Kind zu haben und vielleicht auch ein Eigenheim zu bauen, und liebt Dich. Alles andere als selbstverständlich, egal ob Mann bereits ein Kind hat oder nicht!

- Dein Partner ist sich dessen bewusst, dass sein Kind nicht Dein Kind ist und verlangt nicht von Dir, mitzureisen. Auch das ist alles andere als selbstverständlich!

Zu den Kosten kann ich Dir nur sagen, natürlich kostet ein Kind Geld. Das ist nunmal so. Wenn ich es richtig verstehe, wohnt das Kind in Deutschland und ihr in der Schweiz. Sieh es mal so - würde das Kind auch in der Schweiz leben, müsste er wahrscheinlich höheren Unterhalt zahlen als jetzt, weil die Lebenshaltungskosten in der Schweiz höher sind als in Deutschland. Ob der Unterschied also sooo gravierend wäre, wenn die Fahrtkosten wegfallen...? Schließlich wird das Kind auch größer und kann dann irgendwann auch mal zu euch fahren, so dass die Unterkunftskosten zumindest teilweise weniger werden.

Dass die Mutter in Emails detaillierte Anweisungen gibt, scheint Dich auch zu stören, aber auch das könnte man als positiv werten. Immerhin informiert sie euch so gut wie sie kann über alles, was sie für wichtig hält. Für ein kleines Kind ist eine gewisse Kontinuität ja auch wichtig, und es wird wohl nicht schaden, manche Abläufe wie Schlafenszeiten möglichst gleich zu halten. Letztlich ist das ja auch die Entscheidung Deines Partners - er könnte es ja auch anders machen, wenn er will. Wenn das Kind älter wird, wird sowas weniger notwendig sein. Und dass das Kind an dem Besuchstag vielleicht keine (sichtbare) Erkältung mehr hat, muss ja auch nicht bedeuten dass die Mutter lügt oder Unsinn schreibt, vielleicht hatte es am Tag vorher noch Schnupfen und es wäre deswegen wirklich besser nicht gleich wieder schwimmen zu gehen.

Aus dem Grund glaube ich auch nicht, das man jetzt schon befürchten muss, dass das Verhältnis zur Ex später noch schwieriger wird. Natürlich kann sowas passieren, aber dafür, dass das Verhältnis so kalt ist, handhaben doch beide die Situation eigentlich ganz gut, finde ich, und das spricht dafür, dass es später noch besser werden kann. Wie gesagt, Kinder werden selbstständiger, und je älter sie werden, desto weniger müssen die Eltern sich noch abstimmen.

Ich würde mir auch keine Sorgen darüber machen, dass Du jetzt keine enge Beziehung zu dem Kind hast, wenn Du nicht jedesmal mitfährst. Wenn das Kind später mal zu euch kommt, kannst Du ja das Kind neu kennen lernen und umgekehrt. Oder vielleicht hast Du ja Lust und fährst doch alle paar Monate mal mit.

Wichtiger ist die Frage, ob Du bereit bist, das Kind zu akzeptieren, wenn es dann später mal zu euch kommt, oder ob es Dich ganz grundsätzlich stört, dass Dein Partner schon ein Kind hat. Denn wegzaubern kann er es nun mal nicht.

Wegen dem Wunsch nach einem Eigenheim: Führt doch mal ein paar Monate lang ein Haushaltsbuch, falls ihr das nicht schon macht, und findet heraus, welchen finanziellen Spielraum ihr habt. Würden Verwandte evtl. etwas dazu geben? Dann könnt ihr mit genauen Zahlen abschätzen, was finanzierbar ist, und was auch dann noch finanzierbar wäre, wenn Du vorübergehend weniger Einkommen hättest und/ oder Kosten durch ein weiteres Kind anfallen (Steuererleichterungen, Zuschüsse und sowas dann aber auch gleich in die Rechnung mit einbeziehen). Und dann schaut ihr euch um, was für Immobilien mit eurem Finanzrahmen machbar sind.
Patch von 2002/2003 bis 2017
eine gemeinsame Tochter 15 J.

Atlantis
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Re: Ja oder nein in ein Patchworksystem

Beitrag von Atlantis » 18.01.2018 21:42

Vielen Danke, Babyone für deine Zeilen.
Du hast wahrscheinlich Recht damit. Es geht darum das Kind mit meinem Partner zu aktzeptieren. Ich will mich dem Kalten 400km weit entfernten nicht mehr aussetzen, weil es mit mir was macht und mir nicht gut tut. Nur ist es genau so schwierig ein Kind zu aktzeptieren, dass nur einmal im Monat eine Rolle spielt. Vielleicht ist es verständlich- es ist nicht greifbar und trotzdem mit all was mit Kind zu tun hat, da. Das macht mich mürbe und lässt mich an dem Ganzen soo zweifeln.
Wir sind in Österreich.

Babell
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Re: Ja oder nein in ein Patchworksystem

Beitrag von Babell » 19.01.2018 06:47

Hallo Atlantis
Atlantis hat geschrieben:
18.01.2018 21:42
Nur ist es genau so schwierig ein Kind zu aktzeptieren, dass nur einmal im Monat eine Rolle spielt. Vielleicht ist es verständlich- es ist nicht greifbar und trotzdem mit all was mit Kind zu tun hat, da. Das macht mich mürbe und lässt mich an dem Ganzen soo zweifeln.
Ja, das ist ein schwieriges, emotionales Thema und das erleben viele so.

Das ist auch eine Chance, durch dieses emotionale Thema hindurch zugehen. Du musst aber nicht an dem Ganzen zweifeln, denn es ist ja nicht so, dass ihr Euch alle nicht mögt oder so, sondern ein Thema, welches gerade mit dir und deinen Emotionen ganz alleine zu tun hat, das du zwar ohne in dieser Lage zu sein, gar nicht hättest, aber das dich trotzdem - irgendwann- weiterbringen wird.

Durch den Prozess des Akzeptierens deiner Situation zu gehen, braucht viel Kraft und vor allem Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl! Zweifle nicht an dir, wenn du an/in dir ablehnende Gefühle entdeckst, die du dir vorher nie denken konntest, oder bei anderen sogar verabscheut hattest, aufgrund deiner Erziehung. Verurteile deine Gefühle nicht! Verurteile dich nicht! Du bist gut wie du bist und jede andere würde ihrer Lage und ihrem Charakter entsprechend reagieren und ist deshalb nicht blöder oder besser, aber wenn man es eben nicht so gut auf Anhieb schafft, ein Kind und das Patchwork an sich zu akzeptieren, ist man eben deswegen nicht schlechter als jemand, der es einfach so locker schafft. Das Ganze hat ja vorallem mit den Moralvorstellungen zu tun, die man in der Erziehung von seinen Eltern mitbekommen hatte, und die kann man nicht einfach alle so über Bord werfen, denn das sind ja auch Werte, die man mitbekommen hat und die auch gut sind! Nur bist du jetzt an eine Familiensitution geraten, die diesen Werten nicht entspricht und damit umzugehen, das zu integrieren in deine eigene Wertevorstellung und gleichzeitig diese auch nicht zu verleugnen, denn diese ist ja ein Teil von dir und hat dich dahin gebracht, wo du heute bist, ist nicht einfach.
Anfangs wollte mein Partner nur selten eine Beziehung zu seinem Sohn, wo ich ihn motivierte, diese mehr zu halten.
Das zeigt es doch, dass du dem Kind und dem Patchwork gegenüber wohlgesinnt bist!

P.S.
Ein Tipp: Suche die Fehler nicht bei der Ex oder dem Kind. Es sind einfach die Umstände, niemand hat einen Fehler gemacht, sondern es hat sich so- ungünstig- ergeben.

Atlantis
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Re: Ja oder nein in ein Patchworksystem

Beitrag von Atlantis » 19.01.2018 09:22

Vielen Dank für deine Zeile Babell.

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