Wie soll es weiter gehen? Achtung: seehr lang!

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Lieschen42
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Wie soll es weiter gehen? Achtung: seehr lang!

Beitrag von Lieschen42 » 24.09.2017 18:07

Hallo!
Nachdem ich lange Zeit nur mitgelesen habe, möchte ich mir jetzt mal etwas  von der Seele schreiben, was mich sehr belastet.
Da ich nicht genau wusste, in welche Rubrik es denn nun am ehesten passt, habe ich es mal hier rein gepackt, kann aber auch gerne verschoben werden.

Erstmal zu unserer Konstellation:
Mein Freund (38, 2 Kinder, geschieden) und ich (43, geschieden, 3 Kinder, der älteste lebt bei meinem Ex-Mann) sind nun 2,75 Jahre zusammen, wohnen getrennt. Er lebt im noch nicht abgezahlten 1-Fam.-Haus;  ich wohne nach dem Hausverkauf und ewiger Suche in einer recht hübschen, bezahlbaren 4-Zimmerwohnung zur Miete.

Obwohl wir nur 2 Dörfer auseinander wohnen (ca. 4 km), sagen wir beide, dass wir uns zu selten sehen. Dadurch, dass sein Jüngster noch relativ klein ist (7), ist er zu Hause gebunden, genauso wie ich mit meinem Jüngsten (9). Er hat seine Kinder zu 50 %, ich meinen bis auf die Nacht von Freitag auf Samstag  immer. Meine große ist 16, sie geht nach Bedarf zu ihrem Vater.
Ein Zusammenzug ist für mich aus diversen Gründen momentan keine Option.

Ich habe eine normale 5-Tage-Woche,  also jedes WE frei. Er hat Schichtdienst mit rotierendem System, heißt konkret, wenn er heute mit Spät anfinge, hat er morgen Frühdienst und am gleichen Tag Nachtschicht. Dann 3 Tage frei und dann wieder Spät-/Früh-Nacht, 3 Tage frei... usw.
Das bedeutet, dass er nur alle 5 Wochen ein freies  WE hat.
D. h. wenn alles gut läuft, keine Einsätze sind, bei denen er gebraucht wird oder andere Veranstaltungen stattfinden, an denen er arbeiten muss, kein Wettkampf ist, an dem er entweder selbst teilnimmt oder als Trainer und Coach mitfährt... , stehen uns 10 dienstfreie WE im Jahr zur Verfügung, davon sind 5 kinderfrei.
In diesem Jahr ist von den 5 kindfreien-dienstfreien Wochenenden gerade mal einer übrig geblieben...

Montags und dienstags sind seine Kinder bei ihrer Mutter, das sind neben den kinderfreien WE unsere Tage,  die er bei mir verbringt. Sie sind natürlich recht gestückelt durch unser beider Arbeit und Termine. Aber zumindest haben wir die Abende und die Nächte zusammen - wenn kein Dienst ansteht, oder oder...
Es ist alles sehr gestückelt, aber irgendwie lebbar.

Nun will seine Exfrau das Wechselmodell nicht mehr haben. Sie sieht es als gescheitert an, da die Kommunikation nicht funktionieren würde. Der Beschluss vom Gericht zu eben diesem Wechselmodell ist allerdings noch nicht alt. (Anfang 2017). Bei der Verkündung wurde sie von der Richterin gefragt, ob sie denn nun wisse, was sie wolle.
Das war in der Vergangenheit doch das ein oder andere mal recht wechselhaft. Nicht selten gab es 180° Wenden...

Sie möchte es so haben, dass mein Freund seinen Sohn ganz zu sich nimmt, die (bereits sehr selbstständige) 10 jährige Tochter soll bei ihr wohnen. Es ist von ihr schon alles mit den Kindern besprochen, noch bevor sie mit meinem Freund gesprochen hat.
Einen Tag in der Woche bis 18 h + jedes 2. WE wären die Kinder beim jeweils anderen Partner, wobei auch an einem quasi kinderfreien WE an einem Tag die Kinder da sein sollen. Außerdem wäre der Tag innerhalb der Woche der Tochter bei meinem Freund flexibel, da sie nur zu ihm soll, wenn er auch frei hat. Ergäbe ja sonst auch wenig Sinn. Allerdings werden die Kinder so komplett getrennt, obwohl sie sehr aneinander hängen... ich verstehe es nicht.

Das will sie jetzt alles. Vor einem halben Jahr wäre das komplett undenkbar gewesen.
Mein Freund soll sich entscheiden, ob er es so (mit)machen will, ansonsten sähe man sich vor Gericht wieder.

Da seine Exfrau das Wechselmodell sowieso strikt ablehnt, sieht er keinen Erfolg darin, dafür weiter zu werben.
Er ist geneigt, auch vom Wechselmodell abzurücken, da er dann endlich seinen Sohn ganz zu sich nehmen kann. Er hat die Hoffnung, dass die Tochter irgendwann nachkommt.

Ich kann ihn ja sogar verstehen. Er liebt seine Kinder sehr und möchte sie um sich haben und für sie da sein.
Ich verstehe mich mit seinen Kindern soweit gut, obwohl es auch einige Dinge gibt, die mir aufstoßen.
Er ist anders, wenn seine Kinder dabei sind. Das fällt schon meiner Tochter auf. Die Kinder sind sehr "raumgreifend" und extrovertiert. Das kenne ich von meinen Kindern nicht. Das führt dazu, dass ich mich zurückziehe, da ich das Gefühl habe, keinen Platz zu haben. Auffällig ist, dass ich in 90 % der Fälle über Nacht Migräne bekomme, wenn sie bei uns oder wir bei ihnen übernachten. Es ist aber nicht so, dass ich die Kinder nicht mögen würde oder sie mich nicht. Wir gehen herzlich miteinander um. Es liegt wohl eher an der Situation.

Somit ist es für mich eine Katastrophe.
Wenn es so kommt, haben wir nur noch jedes 2. WE einen Tag für uns. Das ist mir defintiv zu wenig. Ich habe Angst, dass wir uns komplett aus den Augen verlieren.
Ich habe mit ihm natürlich schon darüber gesprochen. Habe aber das Gefühl, dass er es nicht ganz nachvollziehen kann, wie es mir damit geht.

Erst gestern sagte er zu mir, dass er mir meine Ängste nicht nehmen könne und dass er es schade fände, dass es mir so dermaßen unsere gemeinsame Zeit verhageln würde. :(
Ich frage mich wirklich, ob das alles Zukunft hat und diese Gedanken machen mich sehr traurig.

Ich würde mich sehr über Denkanstöße von euch freuen und bitte um Entschuldigung, dass es so lang geworden ist.

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Re: Wie soll es weiter gehen? Achtung: seehr lang!

Beitrag von Ria » 02.10.2017 05:55

Hallo lieschen42

Aus den Ferien zurück sehe ich, dass du leider noch keine Antwort erhalten hast, das hole ich gerne rasch nach:
Ein Grund dafür ist vielleicht auch, dass das gar nicht so einfach ist, dir einen Denkanstoss zu geben, weil nicht so klar ist, was du überhaupt willst, ganz grundsätzlich.

Ich bin überzeugt, dass Patchworkfamilie nur funktionieren kann, wenn beide Erwachsenen das unbedingt wollen und die Haltung einnehmen, wir bringen das irgendwie zum Klappen, auch wenn wir noch nicht wissen wie. Und das spüre ich bei dir nicht.
Eine grosse Herausforderung ist dabei ja immer auch, dass es vieles gibt, das wir nicht ändern können: Die Expartner, die Kinder, oft die finanzielle Situation oder die Arbeitszeiten... Und aus all dem ist aber unser Alltag eben auch gemacht.

Aber hier nun doch noch ein paar Gedanken:
Wenn du schreibst
Er ist anders, wenn seine Kinder dabei sind.
kannst du das vielleicht besser verstehen, wenn du seine Rollen anschaust. Wenn seine Kinder dabei sind, hat er eine andere Rolle als wenn sie nicht da sind.
Und anscheinend hast du die Erwartung, dass er immer gleich sein soll. Aber das sind wir auch nicht.
Steckt dahinter eine Befürchtung, dass du zu kurz kommst? Dass du dann nicht mehr an erster Stelle stehst? Das wäre dann etwas, das du für dich angehen müsstest.
Ausserdem zeigt sich im weiteren auch, dass euch - wie bei sozusagen allen Patchworkfamilien - die eigenen Kinder vertrauter sind als die des Partners. Das ist logisch!
Das fällt schon meiner Tochter auf.
Wenn du etwas FÜR eure Beziehung machen willst, diskutier sie nicht mit deiner Tochter, sondern NUR mit deinem Partner.
Somit ist es für mich eine Katastrophe.
Damit sagst du ja schon, was du wirklich willst, und deine Migräne unterstützt dich dabei.

Vielleicht kannst du etwas damit anfangen, vielleicht stimmt auch einiges für dich nicht, was ich geschrieben habe. Dann vergiss es einfach. Ich wünsche dir Klarheit und Entschiedenheit für das, was du mit deinem Partner willst. Denn davon hängt es jetzt ab.
Wenn du ganz klar ja zu ihm - als Partner und als Vater - sagen kannst, werdet ihr auch für den Rest Lösungen finden.
Meine guten Gedanken begleiten dich.
Seit 21 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
http://www.coacheria.ch

Lieschen42
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Re: Wie soll es weiter gehen? Achtung: seehr lang!

Beitrag von Lieschen42 » 03.10.2017 12:35

Guten Morgen Ria,
vielen Dank für deine Antwort, du hast mir einigen Stoff zum Nachdenken gegeben.
Ria hat geschrieben:
02.10.2017 05:55
Ich bin überzeugt, dass Patchworkfamilie nur funktionieren kann, wenn beide Erwachsenen das unbedingt wollen und die Haltung einnehmen, wir bringen das irgendwie zum Klappen, auch wenn wir noch nicht wissen wie. Und das spüre ich bei dir nicht.
Das man bei mir diese Entschlossenheit nicht (mehr) spürt, glaube ich dir. Ich bin unsicher geworden, da mir alles schon so lange extrem an den Nerven zerrt und die Gesamtsituation immer unbefriedigender wird.

Es fehlt mir auf der Seite meines Partners die Bereitschaft, an irgendwelchen Schräubchen zu drehen, damit wir mehr Zeit füreinander haben. Ich bin bereit dazu, an meinen Schräubchen zu drehen, ich richte meine Freizeit und auch meine Arbeitszeiten bereits so gut es geht nach ihm aus. Aber in diesem Fall sind es überwiegend seine Arbeitszeiten (die theoretisch durchaus änderbar wären) und seine Hobbies, die es zusätzlich schwierig machen. Er möchte nichts ändern oder Abstriche in Kauf nehmen.
Natürlich ist er Papa und schaut, dass es seinen Kindern gut geht. Das ist für mich eine fixe Größe, die nicht änderbar ist. Da würde ich an seiner Stelle auch keine Kompromisse machen. Alles andere ist meiner Meinung nach eine Sache des Wollens...  Dass man die Expartner nicht ändern kann, ist klar. :wink:
Ria hat geschrieben:
02.10.2017 05:55
Das fällt schon meiner Tochter auf.
Wenn du etwas FÜR eure Beziehung machen willst, diskutier sie nicht mit deiner Tochter, sondern NUR mit deinem Partner.
Damit kam meine Tochter auf mich zu, ich spreche mit ihr nicht über meine Beziehung. Zumindest versuche ich, sie rauszuhalten  :wink:
Ria hat geschrieben:
02.10.2017 05:55
Steckt dahinter eine Befürchtung, dass du zu kurz kommst?
Ja, ehrlich gesagt habe ich die Befürchtung, zu kurz zu kommen. Er sagt wörtlich, dass er mir meine Angst nicht nehmen kann, dass wir uns mit dem zufrieden geben müssen, was übrig bleibt.
Ich möchte aber nicht das Gefühl haben, nur etwas "übrig gebliebenes" zu bekommen. :(
Ich möchte, dass er mir zeigt, dass er sich (evtl. auch mit mir zusammen) ernsthafte Gedanken darüber macht, wo für uns noch Möglichkeiten bestehen. Das er es für lohnenswert erachtet und es nicht so dahin plätschern lässt so nach dem Motto: wenn wir uns ab und an sehen ist gut, wenn nicht - naja, ich kann ja nichts dafür.
Oder sehe ich das zu eng? Bin ich zu anspruchsvoll? :wasislos: Ich zweifel bereits an meinen Empfindungen.
Ich werde nochmal eingehend meine Ansprüche unter die Lupe nehmen.

Ich liebe meinen Partner sehr und ich möchte mit ihm mein Leben verbringen. Er ist "mein" Mann. Ich möchte, dass wir das zusammen hinbekommen und in irgendeiner, für alle erträglichen Form zusammen leben können. Wie immer das auch sein wird.

Vielen Dank nochmal und weitere Denkanstöße, Tipps oder auch Erfahrungsberichte nehme ich gerne entgegen. :)

Lieben Gruß und einen schönen Feiertag! :ao49:

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