Wer muss betreuen?

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Papillon
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Wer muss betreuen?

Beitrag von Papillon » 12.03.2018 01:36

Liebes Forum

Mich würde eure Meinung sehr interessieren. Kurz die Eckdaten:
Ich wohne mit meinem Partner zusammen, er hat 2 Kinder w13 und m17, ich habe keine Kinder.

Der Sohn hat Schulferien und sollte diese eigentlich beim Vater verbringen. Der Sohn hatte ursprünglich andere Pläne und wollte die Ferien mit Kollegen verbringen. Zwei oder drei Wochen vor den Ferien dann die Info, dass er die Ferien jetzt nicht mit den Kollegen verbringen wird. Mein Partner hat einen Saisonjob und hat alles so geplant, dass er in dieser Woche eben arbeitet. Dieser Job ist nicht hier bei uns in der Nähe, dafür übernachtet er dann jeweils vor Ort.
Ich habe meinerseits einen Fulltime Job und mache noch eine intensive WB. Wer übernimmt nun die Betreuung? Ich, die Partnerin des Vaters? Ich finde nicht. Ich habe meinem Partner gesagt, dass sein Sohn sehr gerne zu uns kommen könne, aber nur wenn er (der Vater) eben auch hier ist. Es wäre durchaus machbar, dass er die Aufträge halt nicht übernimmt. Ich habe ihm auch nahe gelegt, dass er dies doch so machen soll und hier bei uns sein soll mit dem Sohn. Ich habe aber auch gesagt, dass ich nicht für die Betreuung aufkommen wolle. Zumindest nicht eine ganze Woche lang.

Die Mutter konnte das gar nicht verstehen, sie ist aber auch nicht bereit den Jungen zu sich zu nehmen in dieser Woche. Aus Prinzip nicht. Ich verstehe sie ja sogar, aber wessen Aufgabe ist es denn dann? Meine? Was mir halt auch sauer aufstösst (obwohl mir das egal sein müsste) ist, dass die Mutter nicht arbeitet. Da kommen dann halt bei mir schon wenig hilfreiche Gefühle auf: Ich mit 100% Arbeit+WB soll noch schauen, danke! :shock: Ja, ich weiss der Junge kann ja auch nichts dafür. Ich habe jetzt einfach Mühe, dass nun ich der Sündenbock sein soll. Es ist doch die Pflicht des Vaters zuhause zu bleiben und nicht meine Aufgabe oder bin ich nun völlig falsch?
Ich habe tw. 12-Stunden Tage und habe dann keine Lust, nach Hause zu kommen und noch aufzuräumen. Ich weiss, dass ich bei einem Teenager nicht permanent betreuen muss, aber dennoch fallen halt einfach Sachen an. Es ist auch so, dass das Verhältnis zwischen dem Jungen und mir eher distanziert ist (es hat ja überall Vorgeschichten) und mir das Vertrauen zu ihm fehlt. Wie seht ihr das? Bin wirklich dankbar um eure Meinungen.

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BabyOne
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Re: Wer muss betreuen?

Beitrag von BabyOne » 12.03.2018 20:40

Hallo,

wenn ich es richtig verstehe, geht es um einen 17jährigen.

Ehrlich gesagt finde ich nicht, dass ein 17jähriger überhaupt noch Betreuung braucht. Es ist zwar schade, wenn man die Ferien nicht nutzen kann, um gemeinsam Zeit zu verbringen, aber eine Woche kann ein Jugendlicher sich auch mal allein beschäftigen.

Exakt deswegen gibt es aber auch keinen Grund, warum er in der Zeit nicht bei der Mutter sein könnte. Sooo eine große Belastung wird er dort ja nicht sein. Ich als Mutter würde es meinem Kind auch nicht antun wollen, irgendwo hingehen zu müssen, wo es nicht willkommen ist. Und es macht wirtlich wenig Sinn, dass Du neben einer Vollzeit-Beschäftigung dann noch für ihn kochen sollst (denn mehr wäre es wohl nicht).

Ich würde mich da wohl auch weigern - es sei denn, das Verhältnis ist einigermaßen OK und man weiß, dass man dem Sohn damit einen Gefallen tut (weil er sich zum Beispiel schlecht mit der Mutter versteht und froh ist wenn er die Ferien woanders verbringen darf).
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Papillon
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Re: Wer muss betreuen?

Beitrag von Papillon » 12.03.2018 23:12

Die Logik der Mutter kann ich eben auch nur teilweise verstehen. Sie hat halt den Eindruck, dass sich mein Partner gegen die Kinder stellt und nur meine Bedürfnisse berücksichtigt. Sie findet er sei nicht loyal gegenüber seinen Kindern. Irgendwo kann ich sie, wie gesagt, verstehen, aber es zeigt mir einmal mehr auf, dass die beiden gar kein so gutes Miteinander haben, wie es zuerst den Anschein hatte.
Sie hat (wie sich dann später herausstellte) auch mal schauen wollen, was mein Partner nun macht, wenn sie sagt, dass sie eben nicht übernehmen könne. So quasi: Wie weit würde er gehen? Aber das ist ein Witz: In den letzten 3 Jahren war sie zu fast keinem Kompromiss bereit. Ich habe von Anfang an gewusst, dass sie den Jungen nicht nehmen wird. Und dem Jungen dann auch noch sagen, dass sie schauen wollte, wie weit sein Vater geht, finde ich auch nicht grad hilfreich. Sollte man sich als Ex-Partner nicht auch in solchen Situationen unterstützen? Sie fühlt sich nun natürlich in ihrer Annahme bestätigt und auch der Junge findet uns und vor allem mich nun das Allerletzte. Ich kann es ihm nicht verübeln. In seinen Augen wurde er von seinem Vater verstossen wegen mir. Dass aber seine Mutter ihn nicht nehmen will, zweifelt er keine Sekunde an. Das wird anstandslos akzeptiert und in keinster Weise hinterfragt.

Und das was du, BabyOne, gesagt hast, geht mir auch nicht mehr aus dem Kopf: Warum würde eine Mutter partout wollen, dass ihr Kind irgendwohin gehen muss, obwohl es dort für das Kind eher unangenehm ist? Ich habe eben langsam den Verdacht, dass die Kinder wahnsinnig Rücksicht auf die Mutter nehmen, die offenbar diese (kinder)freie Zeit braucht und diese verteidigt (das kann ich durchaus verstehen, aber Kompromisse sollte man doch auch mal eingehen können?).

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Re: Wer muss betreuen?

Beitrag von Babell » 14.03.2018 14:01

Hallo Papillon


Könnte es auch sein, dass die Mutter als Frau immer noch Verletzungen und Groll gegenüber ihrem Expartner (Vater) in sich trägt und das nun auf seine Rolle als Vater übertragen hat? Also dass alles, was er als Vater tut, nun auf die Goldwaage gelegt wird und sie ihn gerne etwas kontrolliert. Ich meine, ich kenne das ja auch, ich habe auch gerne Kontrolle und die absolute Erziehungs-Macht. Aber als Mutter muss man lernen, abzugeben und den Vater die Erziehung und Beziehung zu den Kindern leben lassen, wie es für die beiden richtig ist. Das heisst, man muss sich zurück halten und vor allem aushalten können, wenn er etwas anders macht als man es selber machen würde. Ich glaube, viele Mütter fallen in diese Falle.

Ich denke, dein Partner müsste mit seiner Exfrau ein ernstes Wort drüber reden, dass sie ihm nicht dreinreden sollte und dass sie keine solchen Spiele machen sollte, weil er gerne eine Beziehung zu seinen Kindern haben möchte, ohne dass sie ständig hinein manipuliert.

Ich finde sogar, anhand deiner Beschreibung, dass es ein bisschen Richtung PAS geht. PAS kann sehr subtil geschehen und wenn du schreibst, der Sohn fände Euch nun das Hinterletzte, dann geht das schon etwas in diese Richtung. Denn ursprünglich war es ja anders geplant mit den Ferien.

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Re: Wer muss betreuen?

Beitrag von Ria » 14.03.2018 19:09

Hallo Papillon

Ich glaube, dein Thema berührt verschiedene Punkte:

1. Die Mutter will dem Vater nicht entgegenkommen.
Wir wissen ja nicht, was sie selber in dieser Zeit geplant hat und was ihre Gründe sind. ABER: Es funktioniert einfach nicht, Grosszügigkeit und Entgegenkommen zu VERLANGEN. Grosszügig sind auch wir nur dann, wenn es freiwillig ist und wir selber darüber entscheiden dürfen.
Und wie in so vielen Patchworkthemen (und nicht nur dort) ist es halt einfach so, dass wir den anderen nicht zwingen können, etwas zu tun, was er/sie nicht will. :?

2. Anscheinend gab es vorher eine Abmachung, dass der Junge die Ferienwoche mit Kollegen verbringen wollte. Davon gingen auch der Vater mit seiner Arbeitseinteilung, die Mutter mit ihrem Wochenplan und du sowieso aus.
Und wer hat diese Abmachung nicht eingehalten? Der Sohn! Also ist es doch auch an ihm, Lösungsmöglichkeiten mit zu erarbeiten, die auch für euch stimmen. Es kann ja nicht sein, dass du die Konsequenzen übernehmen musst.

3. Grundsätzlich haben wir Eltern - und dein Partner auch - die Tür offen für unsere Kinder, wenn sie uns brauchen, und wir werden sie ihnen nicht gerne vor der Nase zuschlagen. Wir wollen auch nicht, dass sie sich nicht willkommen fühlen. Und so ergeht es wohl deinem Partner. Und da braucht es von der Stiefelternseite manchmal wirklich viel Verständnis, Beweglichkeit und Frustrationstoleranz.

Ob dein Partner wirklich so einfach diesen Auftrag wieder kündigen und zu Hause bleiben kann? Vielleicht hätte das für ihn und seine Berufstätigkeit negative Konsequenzen?
Ich glaube, dass es in solchen Momenten wichtig wäre, zusammen mit dem Jungen an einen Tisch zu sitzen und auch von ihm die Anstrengung zu verlangen, Lösungen zu erarbeiten, die auch eure Bedürfnisse berücksichtigen, und nicht nur seine.
Was die Mutter schlussendlich dazu meint, ist nicht so massgebend, denn da hat sie euch nicht reinzuschwatzen, wie auch ihr der Mutter nicht dreinreden dürft, wie sie ihre Betreuungsfunktion wahrnimmt.

Ich wünsche euch miteinander gute Lösungen. Manchmal staunt man, worauf die Jungen kommen, wenn man ohne Vorwurf mit ihnen schaut, wie es am besten funktionieren könnte.
Seit 21 Jahren Patchworkfamilienfrau und Coach für solche :-)
http://www.coacheria.ch

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Re: Wer muss betreuen?

Beitrag von Papillon » 17.03.2018 14:04

Liebe Ria

Ja, da hast wohl recht. Ich kann von niemandem Grosszügigkeit verlangen. Ich merke ja bei mir selber, dass ich nicht mehr grosszügig sein kann, weil einfach schon zu viel vorgefallen ist. Ich finde deine Idee, dass der Junge sich eigentlich überlegen müsste, was er nun macht resp. dass er uns einen Vorschlag machen soll, gut. Leider würde ich ganz frech behaupten, dass es in diesem Fall nichts bringen würde. Für ihn ist es gar keine Frage, dass er einfach bei uns ist. Wieso sollte er uns einen Vorschlag machen? Das würde er nicht verstehen (und seine Mutter auch nicht).

@Babell: Ich musste erst mal googeln, was das bedeutet! :D
Ist für mich schwierig einzuschätzen, ob das Verhalten des Sohnes bereits eine leichte Form ist. Was ich aber schon auch feststelle ist, dass alles was seine Mutter macht grundsätzlich gut ist und alles was sein Vater macht grundsätzlich schlecht. Es ist eine echt verfahrene Situation zwischen Vater und Sohn. Und ich finde halt einfach, dass es mit der Unterstützung der Mutter entschärft werden könnte. Also, jetzt nicht unbedingt auf diesen konkreten Fall der Ferien bezogen, sondern eher allgemein. Die beiden arbeiten auch überhaupt nicht zusammen, sondern sind Einzelkämpfer. Sie ist nicht mit seiner Erziehung einverstanden und möchte keinen Austausch mit meinem Freund pflegen. Es kommt mir eher so vor, als müsse sie sich für ihre Kinder einsetzen und stellt sich gegen meinen Freund, indem sie vieles von ihm kritisiert. Die positiven Seiten werden von ihr gar nicht erwähnt oder wahrgenommen. Und ja, mein Freund macht auch Fehler. Ich meine, das machen wir doch alle, oder?

Schlussendlich ist es jetzt so weitergegangen, dass der Sohn in dieser Ferienwoche zu seinem Grossvater mütterlicherseits gegangen ist. Mein Freund hat das organisiert. Das hat die Mutter wiederum gar nicht verstanden und hat meinem Freund vorgeworfen, dass er nun auch noch ihren Vater in das Ganze hineingezogen hat.

Momentan ist die Kommunikation zwischen Ex-Frau und meinem Freund auf Eis gelegt (schon vorher war es nicht gerade ein grosser Austausch). Sie will nur noch das Allerwichtigste, was mit den Kindern zu tun hat, besprechen. Auch der Sohn hat meinem Freund unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass er bitte seine Mutter nicht in das Ganze hineinziehen soll und sie in Ruhe lassen soll. Er stellt sich schützend vor seine Mutter......

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